Riesenmaschine

13.12.2007 | 21:00 | Berlin | Nachtleuchtendes | In eigener Sache

Die ZIA und der Tannenbaum


Schlecht gecastete Doppelgänger bei den Proben für die ZIA-Weihnachtsfeier,
von links: Jörn Morisse, Holm Friebe, Moritz Metz, Nordmanntanne
(Foto: pixie_bebe) (Lizenz)
Das Geschäftsjahr 2006/2007 war das erfolgreichste in der jahrzehntelangen ruhmreichen Geschichte der Zentralen Intelligenz Agentur. Neben vielen anderen Dingen wurden ein Kongress veranstaltet, ein Kind geboren, diverse Bücher geschrieben und veröffentlicht, neue Visitenkarten gedruckt und ein rheinland-pfälzischer Literaturpreis gewonnen. Ausserdem feierten die Bunnys ihr Bühnencomeback. Auf all das soll bei der ZIA-Weihnachtsfeier, die am 18. Dezember im nbi stattfindet, zurückgeblickt werden. Das öffentliche Programm beginnt um 21 Uhr mit einer Lesung von Kurzgeschichten aus dem Buch The Gold Collection, das von Agent Morisse herausgegeben wurde. Danach folgt allgemeines Biertrinken und Rumstehen zu Indie-Musik von DJ Mittanzzentrale. Und dann ist das Jahr auch schon wieder zu Ende.


11.12.2007 | 02:08 | Berlin | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Das offizielle Ende einer besseren Welt


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Erst vor wenigen Wochen betitelte die FASZ in einem Artikel das immer stärkere Aufkommen der Lohas, gesund lebenden und korrekt konsumierenden Menschen, als eine Bionadisierung der Gesellschaft. Dabei schlingert aktuell ausgerechnet das Trendflaggschiff in eine Glaubwürdigkeitskrise. Die Abfüllung in Plastikflaschen, die unsmoothe Klage gegen Plus, die Bigger-Than-Jesus-Kampagne, der Einzug ins McDonald's-Portfolio – alles zusammen war einfach zu viel für Bionade: Wurde die pseudogutmenschenhafte Microsite stille-taten.de noch lediglich mit Nichtachtung gestraft, regt sich nun offener Widerstand, wie das obenstehende Bild, aufgenommen in der Neuköllner Hobrechtstrasse, zeigt. Das Design folgt dabei den Regeln der Cute Culture, erst beim zweiten Hinsehen wird man der Dollar- bzw. McDonald's-Zeichen in den Augen der kleinen Figuren gewahr, Kapitalismuskritik mit menschlichem Antlitz, so weit sind wir inzwischen immerhin schon. Dennoch, Kritik ist Kritik, und in einer mittelsteilen Analogie erklären wir hiermit Bionade zum Google des Getränkesektors, was für die Bionade-Leute ja irgendwie nicht die allerschlechteste Variante sein dürfte.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Me-Too-Nade


03.12.2007 | 12:45 | Berlin | Anderswo | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Eine gute Paraphrase dauert 7 Minuten

Ilse schenkte nach. Am Anfang erschuf Gott Hopfen und Malz. We hold these truths to be self-evident, that all beers are created equal. Gute Vorlagen gibt es viele, Pilsener Urquell, laut Werbung und Wikipedia das erste Pils der Welt, hat sich für die Paraphrase des Deutschen Grundgesetzes entschieden, um die neue Imagekampagne zu hinterfüttern, auch eine Art Standortbekenntnis.


Ein Helles im Dunkeln fotografiert (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
An Deutschlands Plakatwänden wird schon ja schon etwas länger der Panschwahn des vergangenen Sommer gegeisselt. No Lemon, No Cranberrry. No Bullshit. Im Dezember wird vom Konsum kalter Biermixgetränke wahrscheinlich auf warme Weinmixgetränke umgeschwenkt. Warten wir noch ein paar Minuten auf No Cassis. No Cherry. No Hämaturie, bevor wir Bierwerbung wieder ausblenden.

Das letzte Pils der Welt (bisher) hingegen wird seit dem 1. Dezember 2007 in Liechtenstein gebraut und verkauft. Kenner sollten Bierwitze über Liechtensteins Verfassung und Grundgesetz schnell gesetzlich schützen lassen, am besten daselbst, denn das Bier soll nicht über die Landesgrenzen hinweg vertrieben werden.

Vielleicht ist das Bierbrauen in Liechtenstein aber auch ein perfider Plan zur Eroberung der Vormachtstellung in Europa. Kein anderes Land läuft so schlecht voll, wenn der Meeresspiegel infolge der globalen Erwärmung steigt. Bierkühlschränke hingegen sind wahre Klimakiller, wie wir nach wochenlangen Recherchen bei ActionNews erfahren haben. Um dem Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, noch die Krone aufzusetzen, sollen neue Flugzeuge jetzt mit Kühlschränken für Bier ausgestattet werden, um zum Beispiel mehr Menschen aus Schottland nach Chile zu bringen. Daraus kann doch wirklich niemand ausser Liechtensteinern einen Vorteil ziehen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Soziologie des Getränkemissbrauchs


26.11.2007 | 00:24 | Berlin | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Reclaim the Seats


Foto: regular gonzales
Die Urbarmachung der städtischen Infrastruktur durch ihre Bewohner lässt auch in ihrer banalsten Form noch einen revolutionären Impetus erkennen. Selbst die Anwendung der einfachen Kulturtechnik "Sitzen" referiert auf den zugrunde liegenden "Reclaim the Streets"-Überbau, wenn auf allem Platz genommen wird, das einigermassen gerade und stachelfrei ist, ob Brücken, Gehwege, Treppen oder Baumschutzumrandungen. In Berlin hat die Aneignung des Stadtmobiliars dabei längst eine höhere Ebene erreicht. Nicht länger nur engagierte Einzelpersonen fremdverzwecken die Stadt um sich herum, sondern auch privatwirtschaftliche Institutionen, sprich: das Hotel- und Gastronomiegewer be. So berichteten wir gerade erst von einem Poller, der zur Tischstütze umfunktioniert wurde. Und beim Burgermeister am Schlesischen Tor, der sich passend zum Thema in einer ehemaligen öffentlichen Toilette befindet, wurden mehrere Kreuzberger Bügel mithilfe von Polsteraufsätzen zu Sitzen gemacht. So kann es weitergehen. Einen Verlierer kennt diese Entwicklung allerdings auch: die sitz- und tischverarbeitende Industrie. Aber wen interessiert die schon? Eben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Vom Deutschen Wesen kann die Welt genesen


09.11.2007 | 23:10 | Berlin | Fakten und Figuren

Fontana Blow up


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Ohne Hintergrundinformation schwer zu entscheiden: Hat hier ein Graffitimaler die aktuelle Outdoor-Kampagne für das Motorola RAZR 2 kongenial auf seine Weise interpretiert und konsequent weiterentwickelt, indem er mit scharfer Klinge das Blow-up-Plakat an der Berliner Torstrasse, Ecke Chausseestrasse perforierte, um sein an der dahinter liegenden Hauswand appliziertes Piece nicht nur freizulegen, sondern aufmerksamkeitsfördernd ins Passepartout des Plakats einzubetten? Oder hat hier die diensthabende Agentur die Spuren dieses Manövers als Pastiche emuliert, um die Kernbotschaft der Kampagne ("Noch schärfer") quasi auf einer Metaebene ins Bild zu hieven und aufmerksamkeitsfördernde Irritation zu stiften? Letzteres ist nicht ausgeschlossen: Wie im Bereich der bildenden Kunst Lucio Fontana bereits vor 50 Jahren danach drängte, die Leinwand zu durchstossen, um die dritte Dimension mit einzubeziehen, entdeckt die Outdoor- und Ambient-Werbung diesen Effekt in jüngster Zeit immer häufiger für sich. Für diese ausnahmsweise gelungene und selbstironische Anwendung gebührten den Machern dann allerdings alle Kreativpreise, die die Branche in der Sparte zu vergeben hat. Ein kleines Detail spricht jedoch gegen diese Version und für den anonymen Einzeltäter: Die vorab in hässlichem Rot mit Schatteneffekten aufgedruckten Schnitte, angesichts deren formal-ästhetischer Unzulänglichkeit sich Fontana schlechterdings im Grabe herumdrehen würde.


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