Riesenmaschine

04.12.2009 | 17:04 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Gasputin und seine Brüder


Klowände, die Klowände der Kohlenstoffwelt

Wer sich in den vergangenen Jahren in Männertoilettenkabinen von Kreuzberger und Neuköllner Kneipen, Cafés oder Restaurants aufgehalten hat, wird unweigerlich "Gasputin" begegnet sein. Gasputin tritt normalerweise gemeinsam mit "Gas Vegas", "Chrislam" und "Gastapo" auf, sein Schöpfer ist unbekannt. Es scheint sich aufgrund der immergleichen Handschrift und Auftragsweise aber um das manische Werk eines Einzeltäters zu handeln, der seine persönlichen 15 Minuten Inspiration und Wortwitz in der Welt verewigt sehen will, vorm handelsüblichen Graffiti aber zurückschreckt.

Vollends und nachhaltig überkommen haben muss es den Gasputin-Mann auf dem Klo des Cafés im Gebäude der taz: Die Original-Trias Gastapo/Gasputin/Gas Vegas steht verblasst in der unteren rechten Ecke, darüber entfaltet sich ein Blumenstrauss des schlechten Wortspielgeschmacks. Dieser Ausbruch gibt zugleich einen Hinweis auf den Ursprung von Gasputin und seinen missratenen Brüdern: Womöglich sind sie das Werk eines frustrierten taz-Redakteurs, dem mit Verweis auf den alten Lehrspruch "No jokes with names" regelmässig von der taz-Schlussredaktion die Kalauer aus dem Blatt redigiert werden und der sich auf diese Weise an der Welt rächen will.


24.11.2009 | 21:11 | Berlin | Vermutungen über die Welt

Er ma wieda


In Colorado ist der Teufel los (Photo links: Alan Light, rechts: Plakat)

Leslie Nielsen – immer für eine Überraschung gut: Der sympathische Kauz aus Hollywood ("Scary Movie") kommt nach Berlin und tritt als flötender Duduk-Virtuose Ende des Monats in der Kreuzberger Passionskirche auf. Bis Redaktionsschluss konnte nicht festgestellt werden, ob Nielsen tatsächlich als Komponist des grandiosen "Gladiator"-Tracks verantwortlich zeichnet, oder ob es sich hierbei um einen Marketing-Gag handelt um den Ticketverkauf anzukurbeln.

Für alle Leute, die es nicht zum Konzert schaffen sollten, hält Wikipedia einen weiteren Leslie-Geheimtip parat: Im Vergnügungspark Phantasialand in Brühl/ Nordrhein-Westfalen wird die 4D Show "Pirates 4D" täglich vorgeführt in dem Nielsen die Hauptrolle des Captain Lucky spielt.


17.11.2009 | 16:25 | Berlin | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Ausweitung der Brunchzone

Das Freie Neukölln hat vor kurzem seinen Kneipenbetrieb um eine Frühstücks- und Mittagsoption erweitert. Was auf den ersten Blick wie ein ganz normales Gentrifizierungssymptom anmutet, ist genauer betrachtet eine Pionierleistung. Denn während der Mittagstisch nur bis 17 Uhr bestellbar ist, gilt die Frühstückskarte bis 18 Uhr, also eine Stunde länger. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, welche historische Entwicklung im Mahlzeitensektor sich hier gerade vor unseren Augen vollzieht: Die Wanderung des Frühstücks in eine spätere Tagesregion, möglicherweise sogar ein Platztausch von Frühstück und Mittagessen, oder die Erweiterung der Frühstückszeit auf 24 Stunden/Tag. Aber egal was es ist, es ist toll.


13.11.2009 | 17:05 | Berlin | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Hybrid Marketing


Die Zielgruppe da abholen, wo sie eh schon ist? Oder sich in neuen Kontexten präsentieren und proaktiv das eigene Kundenpotenzial erweitern? Wie erreicht man das wachsende Marktpotenzial der hybriden Konsumenten? Welche Rolle spielt der Point of Sale? Und wie schafft man es, dass die eigene Marke bei solchen Aktionen nicht verwässert? Fragen über Fragen, auf die man in der Werbeabteilung vom Handelsblatt auch keine Antworten weiss. Aber am Ende zählt: Wer sich und seine Kunden auch mal überraschen kann, hat am Markt alle Trümpfe in der Hand.


03.11.2009 | 13:03 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

Kommst du vorbei?

Unternehmen der Kommunikationsbranche haben zumeist in ihren Prozessen zahlreiche Fehlerkorrekturschleifen eingebaut. Der Creative Director brieft den Konzeptioner. Der Konzeptioner wiederum den Copytexter. Jener wirft dem Textpraktikanten die Brocken hin. Der Textpraktikant textet was, was der Copytexter schickschreibt. Der mailt es dann dem Konzeptioner, der alles durchstreicht und das Spiel geht von vorne los. Die fünfte oder sechste Version des Copytexts geht dann weiter an den Creative Director, der das ganze System weitere drei bis dreissig Mal wiederholt. Bis irgendwann die fertigen 250 Zeichen da stehen, wo sie hingehören. Dann schaut der Kunde drauf und will nochmal fünf andere Versionen. Und ganz am Ende kommt dann manchmal das heraus, was man als Eigenwerbung der Wall AG auf in Berlin herumstehenden, elektronischen Litfasssäulen sieht (wenn dort der Chef nicht gerade für seine gänzlich uneitle Autobiographie wirbt): Ein Text, der belegt, dass Menschen, die in Berlin unterwegs sind, NICHT an den Stadtmöbeln von Wall vorbeikommen. Ist das jetzt Anti-Targeting?


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