Riesenmaschine

15.09.2006 | 13:17 | Essen und Essenzielles

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft


Foto: 14723362@N00 / Lizenz
Nun also doch: Mit hoher Spätigkeit ist es in den öffentlichen Diskurs gesickert, dass billiges Fleisch nicht immer von allerhöchster Güte und mikrobiologischer Wunderbarheit sein kann, soll und darf. Was natürlich kein Boulevardblatt, das auf dem Titel "FLEISCHMAFIA" keucht, ernsthaft davon abhält, weiterhin auf Seite drei rot leuchtende "Kaisers"-Schnitzelanzeigen abzudrucken, in denen jäh aufgetautes Schweinefleisch zu Centbeträgen feilgeboten wird. Auch in den knallhart recherchierten TV- Politmagazinen raunt es immer häufiger düster: "Fleischkauf ist Vertrauenssache". Weil die Riesenmaschine sich dem Voranschreiten verschrieben hat und nicht der kleingeistigen Rückschau, empfiehlt sie den Fleischerinnungen Erinnerungen an ihre Blütephase der Werbetexterey: "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!" – So isses doch! Bringt fröhliches Fleisch unter die Menschen! Lasst Leberkäse und Puszta-Braten kichern! Bastelt einen, zwei, drei Mett-Igel! Auch mal wieder eine Wurst mit Gesicht kuttern! Zwar, so lehrt uns die engagierte Kannibalismusforschung, isst der Laien-Kannibale das Gesicht stets zuletzt, aber Übung macht den Meister. Für Notfälle gibt's ja immer noch den Arsch mit Ohren von Haribo.


27.08.2006 | 18:24 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Optimiere, optimiere


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Den eigenen Tagesablauf zu planen ist ein bisschen, wie einen Text mit einer vorgegebenen Zeichenzahl schreiben zu müssen: Man hat einen Haufen guter Ideen, aber es gibt halt nur 24 Stunden, in denen man sie unterbringen kann. Dabei stellt sich nach dem ersten groben Kürzen zwangsläufig die Frage: Optimiert man jetzt mühsam jeden Tagespunkt bis in den Millisekundenbereich oder streicht man einfach konsequent ganze Absätze (soziale Kontakte, Schlafen) um die restlichen Dinge entspannt anzugehen?

Wer sich für den ersten Weg entschieden hat, darf sich jetzt über viele neue wertvolle Sekunden freuen. Beim Beyond Microwave Oven (gesehen bei OhGizmo!) entfällt nämlich das zeitraubende Programmieren der Aufwärmdauer und -intensität: Einfach den Barcode der Verpackung an die Mikrowelle halten und fertig ist die Laube, zumindest in 4.000 vorprogrammierten Fällen, leere Slots für eigene Gerichte sind ebenfalls vorhanden.

Wenn das Ganze jetzt auch noch ohne Tür funktionieren würde und parallel dazu die Verpackungen der Mikrowellengerichte dergestalt verändert werden könnten, dass sie sich beim Aufwärmen in eine schmackhafte und nährstoffreiche Sosse verwandeln – dann könnte man sich fast überlegen, den Absatz "aufs Äussere achten" wieder ins eigene Leben einzubauen.


16.08.2006 | 11:02 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Milch of consciousness


"White.Wet.Delicious."
(wsanders, Lafayette, CA) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Milch, ein Superzeug. Kühe ficken darin, Kinder lieben es, und auch Erwachsene der weissen Rasse, die sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte an den Verzehr angepasst hat, können Milch in kleinen Dosen vertragen. Seit neuestem gibt es Milch in grossen Plastikdosen auch über das amerikanische Amazon zu bestellen, ebenso wie andere frische und leicht verderbliche Lebensmittel. Und siehe da: Kunden, die Milch gekauft haben, haben auch Bananen, Weintrauben und Tomaten geordert.

Trotz der erstaunlichen Logistikleistung des Online-Versenders polarisiert die neue Frischelinie stark, wie sich aus den Kundenrezensionen entnehmen lässt. So moniert etwa ein VR aus Albuquerque, dass die Tuscan Whole Milk zur Dachabdichtung gänzlich ungeeignet ist, während Paul Foster aus Austin angibt, seinem Kätzchen seien nach dem Konsum Laserstrahlen aus den Augen geschossen. Mittlerweile ist der Strang auf knapp 700 Einträge angeschwollen – durchsetzt mit zahllosen Haikus und anderen inhaltlich wie formal ansprechenden Annäherungsversuchen an den Gegenstand. Wohl noch nie ist etwas bei Amazon so ausführlich und einfühlsam rezensiert worden. Auch die anderen Frischeprodukte erfahren eine ebenso fein verästelte wie kontroverse Würdigung, was sich in der Summe zu einer belastbaren Lebensmittel-Poetologie verdichtet, wie sie Richard Herzinger immer gefordert hat. Oder war es Rainald Goetz?


07.08.2006 | 12:19 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt | Essen und Essenzielles

Alkoholikerbedarf

Manchmal sind chinesische Produkt- und Markennamen wirklich imponierend brutal auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten: So stehen auf dieser bereits hastig leer gemampften Erdnusspackung die vier Zeichen 'Jiu Gui Hua Sheng', wobei 'Hua Sheng' Erdnuss und 'Jiu Gui' Alkoholteufel bedeutet. Letzteres ist die landläufige chinesische Bezeichnung für einen Alkoholiker. Wer also diese, übrigens sehr gut mit Salz und getrockneten Chilischoten gewürzten Erdnüsse erwerben will, sagt am Wasserhäuschen in Peking: "Äh, und dann noch ne Packung Alkoholikererdnüsse, bitte." Wäre Gleiches wohl auch im Rest der Welt möglich? In Deutschland gar, im Porscheladen: "Ich glaube, ich nehme 'Angeberkarre 911 Turbo' in Silbermetallic da hinten"? Im Handyshop: "Hm, das Hartplaste-Handyschutzhüllen-Modell 'Vollhorst' gefällt mir ganz gut." Auf dem Weg ins Theater: "Ich seh' heute mit meiner 'Zahnarztgattin' ein Stück von 'Schlingensief'." Schön wär's.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Pearoefoam

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (9)


01.08.2006 | 19:30 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Netz für alle


Ersatzbild für dieses nicht rechtefreie Bild
Mountain View ist eine schöne Stadt, vermutlich, die Leute scheinen einigermassen wohlhabend zu sein, das Wetter geht voll okay und auch die in den USA streng verbotene Kriminalität kann nicht vollkommen aus den Fugen geraten sein, wenn die Polizei von Mountain View auf ihrer Startseite einen grossen, alarmroten Button stehen hat, dass sie noch immer Hinweise für einen ungelösten Mordfall von 2004 sucht. Dieses beschauliche 70.000-Einwohner-Städtchen wird in diesen Minuten noch famoser, weil die ortsansässige Firma Google die komplette Stadtfläche verwlant, zugänglich für kein Geld. Da, wie Google selbst zugibt, das Signal in den Häusern etwas schwächeln kann, kann der geneigte Mountainviewtemalteke sich ein verstärkendes WiFi-Modem kaufen, es ans Fenster kleben und sich noch mehr freuen als bisher.

Diese Lösung könnte eine gute und richtige sein, nämlich, dass diejenigen, die mit dem Internet Geld verdienen, einen W-LAN-Groschen zahlen, damit alle Menschen kostenloses Funknetz haben. T-Online wird das am Anfang nicht ganz so toll finden, vielleicht, aber hey, wenn mehr Menschen im Netz sein können – vielleicht haben sie dann nicht mehr nur schmale 1,7 Milliarden Page Impressions im Monat.


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