20.04.2006 | 04:35 | Anderswo | Essen und Essenzielles
 Around-the-world-Pretzeln (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Muss man tatsächlich erst nach Japan fahren, um dort den wohl ursprünglich einmal aus Deutschland in die USA importierten Pretzel Pieces Snack von Snyders of Hanover (American Pretzel Bakery since 1909) nicht nur in der Eurotrash-Langweiler- Geschmacksrichtung Cheddar Cheese zu erhalten, sondern in der weitaus aufregender klingenden Variante "Creamy Caramel"? Anscheinend. Und nur um dort festzustellen, dass nicht jeder mutwillige und tabubrecherische Übertritt über die Süss-Salzig-Schranke mit einem positiven Geschmackserlebnis belohnt wird. Kaum vorzustellen, dass diese für europäische Geschmacksknospen schlichtweg widerwärtige Aromen-Kakophonie fernöstlichen Zungen zusagt, es sei denn unter der Exotik-Massgabe, dass sie es für typisch deutsch-amerikanisch halten und schon deshalb gut finden müssen. In den USA selbst sucht man die Creamy Caramel Pieces trotz weitaus grösserer Auswahl übrigens anscheinend ebenfalls vergeblich. Der einsame Spitzengeschmack bleibt allerdings bis auf weiteres sowieso Honey Mustard & Onion. Warum gibt es den so selten in heimischen Supermärkten? Wie kann Gott das zulassen? Gibt es überhaupt einen Gott?
16.04.2006 | 19:04 | Anderswo | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles
 Romantische Strassenszene in Peking mit Tortenbauarbeitern Wie sie schmeckt, können wir noch nicht sagen. Vielleicht wie eine Mixtur aus in Donauwörth verlorener Radkappe, Tauberbischofsheimer totem Igel und einer Ölspur von Schillingsfürst bis Dinkelsbühl, eventuell aber auch eher nach den alten Strümpfen von Bettina von Arnim, der romantischen Torte schlechthin. Die Riesenmaschine kann hier nur der westlichen Welt als allererste verkünden, dass sie in den nächsten Sekunden auf den chinesischen Markt kommt: Die "Deutsche Romantische Strasse Torte" der Firma Waffleboy in Peking. Die Plakatwerbung hängt schon an den Kreuzungen der Hauptstadt, die Torte selbst ist – im Gegensatz zur Pückler-, Linzer- oder Schwarzwälderkirschtorte – im Netz noch nicht bestellbar. Wer auf den Link unter dem zur Tortenpremiere herausgegebenen Heftchen klickt, gelangt auf eine Seite, die "zheng zai jian she zhong" (under construction) ist. Mag also sein, dass die Torte noch mal schnell frisch geteert wird, bevor wir sie uns dann 24 Stunden am Tag ins Haus kommen lassen können. (Achtung: Mindestbestellung 10 Torten bei Lieferung ausserhalb des sechsten Rings!)
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Freiwillige Feuerwehr löscht (vielleicht) in Shanghai
13.04.2006 | 17:12 | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Was essen eigentlich Schwächelnde so den lieben langen Tag? Ihnen gibt man ein schönes Kogel-Mogel, auch Zuckerei genannt, damit sie wieder zu Kräften kommen. Und um die Kinder schon mal darauf vorzubereiten, dass sie, wenn sie daran dächten zu schwächeln, ein mit Rotwein und Zucker verrührtes rohes Ei auslöffeln müssen, bietet die Firma Milka jetzt rechtzeitig zu Ostern ein hübsches Simulationsset an. Vier falsche Eier mit zwei echten Löffeln, zwei, falls sie einen versehentlich verschlucken, denn wenn Milka schon, wie im verwichenen Winter, essbare Skier anbietet, warum sollten die Löffel nicht auch zum Verzehr geeignet sein? Dafür bitte jetzt schon mal das Heimlich-Manöver üben.
07.04.2006 | 15:48 | Anderswo | Supertiere | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Tequila. Ein Wort wie ein Donnerhall des Kopfschmerzes. Mezcal. Ein Wort wie das pubertärste Geschenk der Welt, nämlich ein Schnaps mit Wurm (eigentlich Raupe) drin, also Yps mit Gimmick für 18jährige. Dass in manchen Mezcals eine Raupe ist, hat einen historischen Hintergrund, und zwar einen Marketinggag von 1950. Dabei stellte Herr Jacobo Lozano Páez in Mexiko fest, dass raupenbefallene Agavenblätter einen anderen Mezcalgeschmack ergeben als unbefallene. Eins kam zum anderen und schliesslich suhlten sich kichernde, angetrunkene Abiturienten im wohligen Madenekel.
Doch die Nuller Jahre forderten auch vom Ekel an sich ihren Tribut, die Raupe war irgendwann durch, been there, done that, hundertmal gesehen. Ausserdem war sie irgendwie nicht krass genug, man stellt sich dann einen Jugendlichen vor, der sonst in seiner Freizeit per Handy Videos von Hinrichtungen tauscht, da kann eine Raupe nicht viel.
Insofern ist es nur konsequent, sowohl einen Mezcal als auch einen Wodka mit einem Skorpion statt einer lächerlichen ebenso harm- wie beinlosen Kreatur auf den Markt zu bringen. Wohin das alles schlussendlich führen könnte, möchten wir an dieser Stelle nicht konkretisieren, werfen aber mal das Stichwort "Wodka Meiwes" in den Raum.
06.04.2006 | 17:05 | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Dass man zu Hause im Kleiderschrank Cannabispflanzen grossziehen kann, und dass dieser Prozess einschliesslich professioneller Ausrüstung, Zeitaufwand und Stromrechnung kaum mehr kostet als der Einkauf der Endprodukte im Stadtpark, ist mittlerweile Allgemeinwissen. Aber lassen sich eigentlich auch andere Drogen im Eigenbau herstellen? Es gibt schliesslich gepflegtere Tätigkeiten als das Schnupfen von Substanzen, die aus den Därmen fremder Menschen stammen. Und siehe da, man kann, und damit meinen wir nicht nur Pilze: Hier, aber auch anderswo werden die beerenartigen Samen von Erythroxylum coca bereitwillig mit der Post verschickt. Mit etwas Glück wächst daraus bald eine zierende Zimmerpflanze oder ein Coca-Bonsai. Die Blätter kann man wie der Andenanrainer kauen oder zu munter und gutgelaunt machendem Tee verarbeiten. Der Umbau zu handelsüblichem Kokainhydrochlorid dürfte für die meisten Nicht-Chemiker zu kompliziert sein; man hört auch, dass der Konsum den direkten Weg in die Werbeagentur darstellt, also lieber Finger weg. Noch komplexer als die chemische Reaktion ist die Reaktion des Rechtsstaats, aber das ist ja in anderen Lebensbereichen (MP3s tauschen, Bier trinken im Park) auch nicht anders.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Lemniskate
- Hasensalat
- Melodica
- antizyklisch unterwegs sein
SO NICHT:
- mit dem Taxi zur Arbeit fahren
- auffälliger Gasgeruch
- gelbe Schuhe
- Mundharmonika
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Match Point", Woody Allen (2005)
Plus: 11, 42 Minus: 37, 74, 89 Gesamt: -1 Punkte
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