Riesenmaschine

03.10.2009 | 03:45 | Anderswo | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Zeichen und Wunder

T-Shirts zu verschenken


Please enjoy what you get.
Die in letzter Zeit hin und wieder diskutierte Frage, ob es überhaupt einen freien Willen gebe, ist unzweifelhaft von einer gewissen kommerziellen Bedeutung, aber letztlich sind die Ergebnisse des ganzen Herumwollens doch einförmig und uninteressant. Schon länger erkannt haben das die Anbieter von Sneak Previews und Überraschungsangriffen aus dem Hinterhalt, jetzt hört man auch aus Japan von neuen Lösungsansätzen: Im Ogori Café (via Hacker News) bekommt jeder Kunde das, was sein Vorgänger bestellt und bezahlt hat: "Please enjoy what you get, even if you hate it." Hacker-News-Kommentator bemmu steuert ein Ogori Google bei ("You get what the person before you was searching for."). Wir wünschen uns für die Zukunft Ogori Taxi und Ogori Krankenhausaufenthalt, bekommen aber vermutlich wieder nur Weltfrieden und bessere Instantnudelsuppen, oder was halt in irgendeinem anderen Blog vor zwei Minuten gewünscht wurde.


08.09.2009 | 00:03 | Berlin | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Good Family Value for Money


Family Drink: hochprozentiger Spass für die ganze Familie
Ja, es stimmt wohl, dass nicht nur der Jazz und World of Warcraft unsere Familien auseinanderreissen, sondern immer wieder auch der Alkohol. Während Vater dem Korn zuspricht, die Kinder sich die Kehlen mit bunten Alkopos verkleben, pendelt Muttern zwischen Prosecco und Baileys. Irgendwann ist eine Verständigung zwischen den Generationen und Geschlechtern nicht mehr möglich. Der Politik fällt nichts besseres ein, als den Missstand zu bejammern und hilflose Kampagnen gegen den Alkoholkonsum an und für sich aufzusetzen. Dabei kann die Lösung doch auch viel simpler und pragmatischer ausfallen, wie jetzt das Coconut in der Berliner Danziger Strasse mit seinem "Family Drink"-Angebot demonstriert. Es umfasst wahlweise 1 Fl. Wodka 0,7 l + 2 Fl. Energy 1,5 l oder 1 Fl. White Rum 0,7 l + 2 Fl. Cola 1,5 l für jeweils 25,- €. Wahrlich, ein fairer Preis und gut investiertes Geld für familiären Frieden und häusliche Harmonie.


30.07.2009 | 01:31 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Miniralwasser


Theoretisch seit 1996 auf dem Markt, praktisch erst jetzt: die kleine Normbrunnenflasche (gesehen im Kaufpark, Lüdenscheid)
Wenn irgendeine soziale Innovation die Wunderjahre 1968/69 überdauert und die Gesellschaft nachhaltig verändert hat, dann ist es die Normbrunnenflasche bzw. Brunneneinheitsflasche aus der Feder von Günter Kupetz. Ihr Marsch durch die Institutionen bis hinein ins Politisch-Private war ebenso schleichend wie unaufhaltsam und dauert an. Der Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaften des Ostblocks schlug sich mit einiger Zeitverzögerung nieder in der Umstellung des Materials von Glas auf PET – was der Grundform mit ihrer handschmeichlerischen Perlstruktur aber nichts anhaben konnte. Sie passte sich an, aber sie liess sich nicht verbiegen. Fast unmerklich wuchs das Volumen dabei von 0,7 auf einen Liter. Nun, passend zur Krise des globalen Kapitalismus, vollzieht sich an ihr eine erneute Metamorphose, wobei die ikonische Form abermals unangetastet bleibt. Die Griffmulde wird enger geschnallt, die Perlflasche kommt – massstabsgetreu verkleinert – als 0,5-Liter-Format im entsprechend nied- und handlicherem 12er-Kasten. Aber ob uns das wirklich davon abhält, ganz auf Leitungswasser umzusteigen?


16.04.2009 | 11:31 | Essen und Essenzielles | Gekaufte bezahlte Anzeige

Tu was für Deine Sinne!


"Die fünf Sinne" von Hans Markart, Stand: spätes 19. Jahrhundert
Es heisst, im digitalen Zeitalter stumpften die Sinne ab, weil jegliche Erfahrung nur noch dosiert und gefiltert durch mediale Kanäle an uns herandrängt. Ferner käme es zu einer Privilegierung der Fernsinne (Sehen, Hören), während die Nah- bzw. Kontaktsinne (Riechen, Schmecken, Tasten) mangels Reize verdümpelten. In Design, Kunst und Technologie lässt sich derzeit aber der genau gegenläufige Trend beobachten: Künstler arbeiten mit Gerüchen, Designer mit neuen taktilen Oberflächen und optischen Effekten, die Molekularküche revolutioniert die Gastronomie und Forscher basteln an der Erweiterung des Wahrnehmungsspektrums. Kulturwissenschaftler wie Madalina Diaconu plädieren deshalb bereits für eine neue Ästhetik, die wieder an der unmittelbaren Erfahrung aller Sinnen ansetzt und auch ihren synästhetischen Querbezügen Rechnung trägt.

Diese Spur soll beim (von mir kuratierten) 5 Gum Vision Lab unter dem Titel "MAKING SENSES" am 24. und 25. Juni 2009 in Berlin aufgenommen und mit Praxis hinterlegt werden. Zwei Tage geht es in den Clubräumen des Week End in Präsentationen und Workshops um die Frage: Wie wird die Sinnlichkeit der Zukunft aussehen? Und wie lassen sich daraus neue Funken für Musik und Mode, Design und Lifestyle schlagen? Als Keynotes und Best Practices der Felder Look, Smell, Hear, Taste und Touch sind geladen: der Modedesigner Marc Eley und Wakako Kishimoto, die Duftforscherin Sissel Tolaas, der Musikproduzent Ewan Pearson, die Gastro-Visionärin Telse Bus, die Produktdesignerinnen von Front und – gewissermassen als Joker – der Modefotograf und -blogger Scott Schumann. Sie werden auch die exklusiven Workshops bestreiten.

Ab heute können sich visionäre Projekte, die die Sinne zum Thema haben und die Wahrnehmung herausfordern, über die Website bewerben. Zu gewinnen gibt es – neben der Teilnahme am 5 Gum Vision Lab – ein Preisgeld von 10.000 Euro. Einige Tickets gibt es auch im Losverfahren. Die Abschlussparty am Abend des 25. Juni inklusive Preisverleihung ist dann wieder öffentlich. Anlass des ganzen ist die deutsche Markteinführung des neuen zuckerfreien Kaugummis 5 Gum von Wrigley.


02.03.2009 | 15:35 | Essen und Essenzielles

Das Salz der Erde


Was hier fehlt, ist Umami
Dass das Dax-gelistete Unternehmen K+S immer irgendwie unterhalb der Wahrnehmungsschwelle durchflutscht, hat womöglich auch etwas mit seinem völlig vergurkten und amorphen Markenauftritt zu tun. Der Name klingt so lieblos ausgedacht wie der einer Briefkastenfirma auf den Caymans: ungetröstet und trostlos. Das Logo sieht aus wie von den Stadtwerken oder einer Betriebskrankenkasse: als sei ihm niemand übers Haar gefahren. Und die Anzeigenmotive produzieren kognitive Dissonanzen viel schlimmer als das Wort "grün" geschrieben in roter Farbe. Die Auflösung der Text-Bild-Schere im vorliegenden Fall besteht übrigens darin, dass K+S "in Europa und Südamerika" Salzvorkommen abbaut. Mit ähnlich stringenter Herleitung hätte man doch zumindest und ebenso gut auch eine Abbildung vom Obersalzberg hineinpraktizieren können.


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"Mum & Dad", Steven Sheil (2008)

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