Riesenmaschine

18.03.2007 | 14:30 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

TV-Sonntag


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Fernsehen heute wie früher (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dass das Fernsehen sei wie "Internet ohne Google", wird Kathrin Passig nicht müde zu betonen und damit ihrer Rolle als Senior-Sprecherin der Internet-Generation einigermassen gerecht. Dabei kann man im TV, auch wenn man sich einfach nur auf Verdacht hinein begibt, durchaus etwas erleben. Heute Mittag zum Beispiel, im ARD-Presseclub zum Thema "Deutschland, Land der Verbote?", als plötzlich Hans-Ulrich Jörges vom Stern demonstrativ seine Zigarillos zückte, dem freien Journalisten Don F. Jordan einen anbot, und beide genüsslich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen rauchten, wie es früher zu Werner Höfers Zeiten einmal gang und gäbe war. Überhaupt verspricht der angebrochene Fernsehsonntag ein guter zu werden. Nicht so sehr wegen der Auftaktfolge zur neuen ZDF-Zukunftsserie, die, nachdem man sich mit dem für das Jahr 2030 veranschlagten Aufstand der Alten bereits spekulativ in die Region vorgetastet hatte, nun letztgültig beantwortet, wie wir im Jahr 2057 leben werden. Vielmehr, weil um 15:35 auf Pro Sieben – in wenigen Minuten also – der grosse Simpsons Jubiläums-Marathon zum 20jährigen Bestehen der Serie anläuft. Die per Publikumsbefragung ermittelten zehn beliebtesten Folgen laufen heute nachmittag und morgen Abend zur Prime Time. Wer braucht da noch Google, wenn er einen Platz auf dem Familiensofa ergattern kann?


17.03.2007 | 23:53 | Nachtleuchtendes

100.000 neue Sterne: Dreht das Weltall jetzt durch?


Wenn man es erst mal weiss,
sieht man es sofort (Foto: ESO)
Riesenmaschine: Herr Dr. Scholz, sagen Sie doch auch mal was zu Ihrer Entdeckung. Und zwar am besten in einem Satz, die Meldung muss heute noch raus.
Dr. Aleks Scholz: Ach, die Kugelsternhaufen sind ein paar Milliarden Jahre alt, die leben auch noch länger.
RM: Das denkt man bei Hunden auch oft und dann, zack, fallen sie von heute auf morgen tot um.
AS: Ja, aber Kugelsternhaufen können gar nicht umfallen. Und wenn, dann sähen sie immer noch genauso aus wie vorher. Bei Kugelhunden wäre es ähnlich.
RM: Drei Jahre haben Sie jetzt nach "FSR 1735" gesucht. Was sagt der Steuerzahler dazu? Haben wir nicht schon genug Kugelsternhaufen?
AS: Es gibt in der Milchstrasse nur circa 150 Kugelsternhaufen, also deutlich weniger als, sagen wir, Kampfflugzeuge. Nehme ich mal an. Und sie gehen praktisch nie kaputt! Muss man auch mal sehen.
RM: Und was hat die Entdeckung mit dem Galaxienkannibalismus zu tun? Das klingt bedrohlich.
AS: Davon verstehe ich nicht so viel. Es ist ja auch hochkompliziert und unübersichtlich. Und eigentlich haben die meiste Arbeit ohnehin meine Kollegen Froebrich und Meusinger erledigt.
RM: Vielen Dank, Dr. Aleks Scholz.

Kathrin Passig / Aleks Scholz | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


11.03.2007 | 12:22 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren | Sachen kaufen

Kleines Toaster-Kompendium


Der strahlende Kern (Foto: markbarkaway, Lizenz)
Toaster sind eigentlich so was Ähnliches wie Sterne: Wenn man sie anschaltet, werden sie erst warm, dann infrarot, dann rot, und würde man nicht nachlassen, wären sie bestimmt auch bald blau (Wiensche Toasterverschiebung), fingen an zu dampfen und explodierten schliesslich. Wie Sterne eben. Eine weitere Analogie: Sie ändern sich sehr langsam, wie es vorbildlich im weltweit führenden Toaster-Museum dokumentiert wird. Anfang des Jahrhunderts fing man mit einem elektrischen Stonehenge-Toaster an, erreichte kurz vor der grossen Depression die Toaster-Klassik, bevor man mit Hitler das Krematorium in den Toaster einbaute. Zwischendurch tat sich mit dem virtualisierten fliegenden Toaster ein prä-futuristisches Wurmloch auf, bevor wir heute etwa im vierten Ekel-Klassizismus angekommen sind, erkennbar an der charakteristischen Musterschwärzung nach Motiven von Franz Grillparzer. Dies nur zur theoretischen Einführung.

Hier nun ein Blick in die Zukunft der Kultur des Beheizens von Metallstäben zwecks Verbrennung von scheibenförmigen Getreideprodukten. Schon in wenigen Toaster-Ärae (Durchschnittsdauer pro Ära anderthalb Jahre) wird sich der Toaster in eine Art neo-industriative Aluminiumwalze verwandelt haben, die in der Form an einen Öltanker mit stumpfer Wäschespinne erinnert (via Random Stuff). Dabei wird es sich aber nur um das Interregnum der Toasterchronologie handeln, denn schon bald danach wird der Toaster dem Paddelboot bzw. allen anderen wesentlichen Dingen folgen und unsichtbar werden (via Gizmodo). Dann nämlich wenn nach der Holzzeit auch die Stahlzeit vorüber ist, und die Glaszeit anbricht: Although the glass does not currently get hot enough to toast bread, someday this application may be possible. – so spricht weisend der Erfinder. Aber kann man es dann noch Toaster nennen? Ist ein Stern noch ein Stern, wenn man ihn nicht mehr sieht? Laufend muss man solche Fragen beantworten.


09.03.2007 | 13:26 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen

Mindblowing


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

(Abbildungen von hier) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Oft wird beklagt, die alten Handwerke stürben aus. In der apokalyptisch- kulturpessimistischen Hohlwelttheorie hängt das wie alles andere auch damit zusammen, dass die Gehirne der Menschen durch Popkultur und industrielle Massenware vernebelt worden sind. Insbesondere die jüngere Generation steht unter Verdacht, nur noch Computerspiele, Star Trek und billiges Plastikschrott-Spielzeug aus China im Kopf zu haben, weshalb sie handgeschlagenes Blattgold, fussgemalte Weihnachtspostkarten oder ein schön gedrechseltes Tischbein gar nicht mehr richtig zu goutieren wüsste. Ein schönes Appeasement-Angebot erreicht uns nun aus den USA, wo Jeff Burnette unter dem Label "Joe Blow Glassworks" mundgeblasene Laserwaffen aus Glas anbietet. Um die filigranen Unikate herzustellen, hat Burnette ein aufwändiges wissenschaftliches Verfahren entwickelt, das unter anderem Silbernitrat, Ammonium und destilliertes Wasser verwendet. Auch wenn der Einzelpreis von um die 600 Dollar für den kurzlebigen Gebrauch im Kinderzimmer prohibitiv erscheinen mag – er ist mehr als angemessen, wenn man hinzunimmt, dass sich Burnettes private Gasrechnung laut eigenen Angaben auf durchschnittlich 1800 Dollar monatlich beläuft.


07.03.2007 | 23:37 | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt

Durch den Lichtwolf gedreht


Der Lichtwolf ist ein Wolf, der sich selber läuft und nicht weh tut.
Der Lichtwolf ist ein Lieber. (Foto von Timeline/Lizenz)
Als William Crookes 1873 beim Wiegen von Kleinkram in einem Teilvakuum entdeckte, dass man die Waage durch Draufleuchten verstellen konnte, war er entzückt. Der örtliche Metzger war es gleichfalls und hielt noch Jahre später im Scherz eine Kerze übers Rindfleisch, um sie dann in gespielter Verachtung beiseitezulegen und "I am not a Crookes" auszurufen, zur milden Erheiterung der Laufkundschaft. Aber zurück zur Lichtmühle, deren Funktion zwar auf Crookes' Entdeckung beruht, aber nicht auf seiner Erklärung – Crookes machte den Lichtdruck der einfallenden Strahlung und die unterschiedliche Absorption der Photonen durch die dunklen und hellen Seiten der Flügel verantwortlich –, sondern darauf, dass die verschiedenfarbigen Seiten der Flügel verschiedene Temperaturen annehmen, und dann mit dem Restgas in der Glaskugel unterschiedlich doll Billard spielen. Heutzutage stellt man sich das Ding unverstanden als Prokrastinationshilfe aufs Fensterbrett neben den Zen-Garten. Auch nicht verkehrt.

Asteroiden, andererseits, sind keine halbleeren Glaskugeln mit Flügelchen drin, und ticken deshalb anders. Der Asteroid "1862 Apollo" zum Beispiel klingt einerseits wie eine Fussballmannschaft, taumelt aber andererseits wie ein schiefes Ei durch die Nacht, und wird dabei von Sonnenstrahlen geschubst. 1862 Apollo ist unsymmetrisch, strahlt deshalb nicht in alle Richtungen gleichermassen Wärme ab, und dieser Unterschied in der Abstrahlung hat die Eigenrotation des Asteroiden in den letzten 40 Jahren um eine Umdrehung pro Sonnenumlauf erhöht. Das mag uns Menschen nicht viel erscheinen und ein bisschen langweilig, aber einem Gott mit Schöpfblockade kann so ein rotierender Asteroid den Sonntagnachmittag retten. Und wenn Gott sich dann sattgesehen hat, kann er mit 1862 Apollo ja immer noch die Saturnringe einschmeissen, oder ihn auf Jupiters Atmosphäre ditschen lassen. Obwohl sich Scheibenwelten dafür natürlich besser eignen.


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