Riesenmaschine

09.03.2007 | 02:39 | Sachen kaufen | Sachen anziehen

1:0 für den Lässig-Look mit Stil


(Bild: Ausriss aus dem neuen 'Sieh an!'-Versandkatalog)
Vermutlich war es Max Goldt, der einst mit der Begründung, an den Armen friere er nie, die Existenz von Pullundern rechtfertigte. Es ist eine der schönen Folgen des Kapitalismus, dass er auch für Leute, die an den Armen nie frieren, ein entsprechendes Produkt bereitstellt. Genau aus diesem Grund wollen wir die Existenz der links abgebildeten 'Zehensocken' begrüssen: Zwar ist nicht klar, wie viele Menschen es sein mögen, die ständig zwischen dem zweiten Zehenglied und dem ersten Drittel des vorderen Fussballen etwas frösteln, aber es ist immerhin denkbar, dass es den einen oder anderen mit dieser Friervorliebe gibt, und es ist dem neuen Sieh an! Katalog hoch anzurechnen, auch für diese seltenen Kunden ein gutes Produkt im Angebot zu haben. Wo allerdings Diabetiker, die sich jenseits des Sockenmainstreams bewegen wollen und zwischen den Zehen frieren, kaufen sollen, das ist ungeklärt und möglicherweise einer der letzten weissen Flecken auf der Weltkarte des Kapitalismus.


22.02.2007 | 01:29 | Alles wird besser | Sachen anziehen

Für appe Arme


Die Zukunft der Fotografie in der Halbtotalen.
(Foto: The Lancet)
Die Zukunft wird nicht immer nur rosig dargestellt. Manchmal soll sie bewohnt sein von finsteren Mächten mit Lichtschwertern, und enthält Dasistkein-Monde, manchmal finden in ihr das Waldsterben, die nächste Eiszeit, die Überschwemmung New Yorks wegen Klimakatastrophe und die Frankfurter Buchmesse gleichzeitig statt, und das ist nicht schön. Dann wieder werden Affen die neuen Menschen sein, Klingonen die neuen Affen, und Rasierer die ... ach, genug. Ein Haufen noch nicht entdeckten Drecks, so sollen wir glauben, sei diese Zukunft. Das aber, liebe Zukunftsunker, galt auch mal für Amerika.

Die in der britischen Zeitschrift The Lancet (Das Lichtschwert) beschriebene Armprothese zum Beispiel, kann von ihrer Inhaberin nicht nur wie ein eigener Arm benutzt werden, sondern kann im Prinzip auch wie ein eigener Arm Sinneseindrücke zurückliefern, ersetzt also nicht nur das Greifen, sondern fantastischerweise auch gleich noch den Phantomschmerz und das Kribbeln. Von diesem Meilenstein des Prothesenbaus ist es nicht weit bis zum Terminator – gebaut vermutlich von Google – und zum Krieg gegen die Maschinen, den wir dann zumindest theoretisch gewinnen können (eventuell mit Hilfe von Delphinen mit Flossenprothesen), weil er immerhin endlich begonnen haben wird. Zukunft, wir glauben an Dich.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Apple für Arme


05.02.2007 | 00:23 | Anderswo | Sachen anziehen

Des Letzten Hemd


Das, naja: ein Hemd des Ersten aus dem letzten Jahr
(Foto: pleeker / Lizenz)
Dass sich Müll studieren lässt, ist zum einen akademische Realität, zum anderen seit geraumer Zeit ein Erkenntnisversprechen der Moderne. Im Wegwerfen, so sagt das zumindest Erika Porath, drückt sich unser "paranoischer Zwang aus, durch souveräne Abfallverfügung und Müllloswerden sich seiner selbst als nicht-verworfener Teil innezuwerden. Je hemmungsloser die Müllproduktion läuft, desto mehr Gelegenheiten, sich als Souverän vom Müll abzusondern, indem man ihn beseitigt."

Eine identitätstechnisch ausgesprochen gespenstische Fuhre Müll verlässt jedes Jahr nach dem Endspiel um den Super Bowl ein Lagerhaus in Pittsburgh. Bei Spielende stehen Vertreter der Firma Reebok mit 288 Kappen und T-Shirts bereit, auf denen das siegreiche Team als Champion ausgewiesen wird und die zu Werbezwecken sofort der Mannschaft und dem gesamten Stab übergestülpt werden. Die nutzlose Siegerausrüstung für die unterlegene Mannschaft muss auf Anordnung der NFL sofort am nächsten Morgen das Land Richtung Afrika verlassen, um in entlegenen Dörfern an Bedürftige ausgeteilt zu werden. "This way, the N.F.L. can help one of its charities and avoid traumatizing one of its teams" schreibt die New York Times. Pech nur, wenn man als nicht-verworfenes Subjekt dann Sendungen über Arme in der Dritten Welt schaut, und dabei dem Gespenst eines Siegers begegnet, der man nie war.


21.01.2007 | 06:03 | Supertiere | Sachen anziehen

Projekt Elefantengewehr


Sitzriese Grizzly (Foto: Petermacdonald)
Vor einigen Jahren machte Troy Hurtubise auf sich aufmerksam, weil er dem Trauma, einem echten, richtigen Bären tatsächlich begegnet zu sein, nur den Traum des filmisch dokumentierten Grizzlyprojektes entgegenzusetzen wusste: das Erlebnis in einem bärensicheren Schutzanzuges zu wiederholen nämlich, und dem Bären provozierend die Zunge rauszustrecken. Innerhalb des Helms. Das ist im völlig bärenverseuchten Kanada grundsätzlich eine prima Idee, führte aber trotzdem zum finanziellen Bankrott des mit "pfiffiger Tüftler" nur unzureichend denunzierten Petzophoben. Hurtubise schloss aus dem wirtschaftlichen Niedergang des Grizzlyprojektes ganz richtig, dass irgendwas am Geschäftsmodell "hässlichen unhandlichen Bärenschutzanzug bauen" nicht stimmte, kam aber zum Glück nicht darauf, was (alles), sondern forschte solange weiter, bis der Anzug zehn Jahre später nicht mehr gegen Bären, sondern gegen Elefantengewehre hilft, nur noch halb so unhandlich ist und sogar halbwegs lustig aussieht. Und jetzt wird er dann wohl reich.

(via engadget)


15.01.2007 | 20:49 | Sachen anziehen

Next Generation Handschuh


Bild von dort
Eine Menge hat sich getan, seit der gleichnamige Dichter einen schillernden Recken in den Ring steigen liess,: "Mit festem Schritte / Und aus der Ungeheuer Mitte / Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger". Der kecke Recke hat den Handschuh dann Fräulein Kunigunde ins Gesicht gewatscht, und endlich darf der Kulturgeschichte des Handschuhs noch ein Kapitel hinzugefügt werden. So wie es aussieht, will der neue Handschuh über seinen Nutzwert als Handschuh hinaus praktisch sein, wobei Gegenstände wie Strickhandschuhe mit USB-betriebenem Wärmepad oder dieses zusammengenähte Ding aus Japan mit eingebautem Wii-Controller eher in die Schublade "Kollateralschaden" gehören.

Weniger Spielerei, dafür besser zum Spielereien betätigen ist eine lederne Handbekleidung namens und von ITWYF. Folgende Features für den ambitionierten Gadgetnutzer sind eingebaut: Am Daumen aufklappbar, nützlich für Handytasten und Clickwheels, und ausserdem am Daumen und an mehreren Fingern eine Art Plastikpickel, mit dem sich Touchscreens trotz winterlich warmer Wurstfinger bedienen lassen. Die im Werbetext versprochene "Aufhebung der Isolation von der Welt" wird es zwar nicht gerade sein, das ist vermutlich ein Generationenproblem, nicht das eines "kleinen Stückchen Leders zwischen Ihnen und der Welt".


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