Riesenmaschine

07.01.2007 | 01:05 | Alles wird besser | Sachen anziehen

Endlich: der Wellness-Krieg


Vergangenheit (Foto: Pingnews / Lizenz)
Bei space.com macht sich Charles Q. Choi so seine Gedanken über die Zukunft der Kriege. Krieg, das war ja schon immer ein recht gefährliches Hobby, bei dem man oft auch umkam. Schon in wenigen Jahren, so berichtet Choi, wird das noch besser werden, denn die Mittel des Future Force Warrior sind nicht nur "tödlicher als bisher", sondern gar "overwhelmingly lethal". Der unbesiegbare Kämpfer sieht durch Wände, im Dunkeln, besitzt möwengleiche Aufklärungsflugzeuge, kann um die Ecke schiessen, jede Feindessprache verstehen und schiesst genau dorthin, wo sein Laser hinzeigt. Schwere Zeiten für die gegnerischen Infanteristen, es sei denn, sie besitzen die demnächst markttauglichen Ganzkörperrüstungen, die nicht nur die Geschosse abwehren, sondern auch die von ihnen erzeugten Druckwellen. Und falls doch mal ein Missgeschick passiert und Blut vergossen wird, kann der Kollege, ständig informiert über alles durch Vernetzung mit allen, innere Blutungen von aussen (!) durch eine Heizdecke mit eingebauter Mikrowelle stoppen. All das wird es bereits in wenigen Jahren an jedem Schlachtfeld-Kiosk zu kaufen geben, und endlich werden Kriege zwar weiterhin total tödlich sein, aber anderseits irgendwie auch risikolos und gesund.


21.11.2006 | 18:28 | Anderswo | Sachen anziehen

Die besten vollgerotzten Ärmel aller Zeiten

Genauso wie Tausendfüssler nur in feuchten Ritzen stecken, findet man Satire normalerweise nur an bestimmten Orten, die man mit etwas Gespür leicht erkennt. Klo-Innenwand? Ja. Sarg-Innenwand? Nein. FIFA-Tagung? Ja. Astronomen-Tagung? Nein. Ein wenig paradiesisches Biotop für satirische Botschaften sind gemeinhin auch Volksbildungsmassnahmen der Stadtverwaltung Toronto, weswegen das nebenstehende Plakat, gefunden unter anderem in der örtlichen U-Bahn, vermutlich ernst gemeint ist, und einen verzweifelten Versuch darstellt, die Wege von Mikroorganismen (wir reden nicht von Tausendfüsslern) in eine bestimmte Richtung zu lenken. Sucht man nach der Quelle der ingeniösen Ärmelniesidee, so stösst man ohne grosse Umstände auf die Familie Lounsbury aus Ann Arbor (Michigan), die zur Promotion des Ärmelniesens unter dem Label Lounsburgology ein spektakuläres Lehrvideo vertreibt, das mittlerweile in zahlreichen Kinos von Nebraska bis Maine läuft, aber zum Glück auch auf jedem modernen Rechner. Im Internet vertriebene Filme, die Menschen bei albernen Verrichtungen zeigen, das ist schon eher eine Umgebung für Satire, und daher weiss niemand so recht, ob sowohl die Stadtverwaltung Torontos als auch die "Centers for Disease Control" zahlreicher Staaten der USA auf einen Scharlatan hereingefallen sind. Aber solange es zu einem Paradigmenwechsel in der Nieschoreographie führt, soll es uns recht sein. Paradigmenwechsel können nie schaden.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


10.11.2006 | 12:33 | Anderswo | Sachen anziehen

Scheiss auf deutsche Texte

Während mittlerweile fast jeder Südkoreaner mit einem deutschem Fantasietext auf seinem T-Shirt herumläuft, wurde vor kurzem in einer Seouler Boutique das erste T-Shirt mit Aufdruck in einer kompletten Fantasiesprache entdeckt.

Erste Vermutungen gehen dahin, dass es sich um eine Kombination der Erbsensprache mit der Löffelsprache handelt, wonach die Überschrift frei übersetzt hiesse "Go isn't easy", was auf die sprachlichen Gehversuche des Autors sicherlich zutrifft. Ungeklärt bleibt weiterhin, ob auch bei diesem Shirt schon wieder das Goethe-Institut dahintersteckt. Das hiesse dann wohl, dass es sich hier um ausgewanderte Wörter handelt.


28.10.2006 | 06:25 | Anderswo | Supertiere | Sachen anziehen

Weisser Riese


Symbolbild, die Salamander sehen natürlich ganz anders aus. (Foto: 80415664@N00 / Lizenz)
Tiere, dem Menschen in vielem überlegen, machen oft schnell schlapp, wenn es an Trends, Gimmicks und Moden geht. Bisher zumindest. Eine Meldung aus Japan weist allerdings ganz neue Züge auf, die man der Tierwelt bislang so nicht zugetraut hatte – und vor allem nicht zu diesem Zeitpunkt. Bei Kitahiroshima, im japanischen Hochland, entdeckten Bauern gleich fünf Riesensalamander – alle samt und sonders in modischem Gothic Baby White gekleidet. Um einen Zufall, vermuten selbst Experten, handelt es sich eher nicht. Dagegen spricht die ungemein hohe Anzahl der gleichzeitig gefundenen, typähnlichen Riesensalamander. Noch will es so keiner sagen, noch drucksen die japanischen Zoologen etwas rum, offensichtlich ist es aber dennoch: In Sachen Mode muss sich der Mensch warm anziehen. Bald werden wir alle neben Ratten mit schrägen Mützen und Seidenschals und Ahörnchen in gestreiften Pullovern ganz schön alt aussehen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Gothic White


25.10.2006 | 03:58 | Anderswo | Sachen anziehen

T-Shirts aus graniph


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Im Zuge des diesjährigen Blicks nach Deutschland ging ein Ruck durch ganz Asien, der nicht nur deutsche Tugenden wie das Biertrinken und Bierbrauen, sondern auch die deutsche Sprache noch salonfähiger machte. Speziell in Südkorea tauchen neuerdings überall T-Shirts mit deutschen Texten auf, die möglicherweise auch deshalb besonders gefragt sind, weil es hier Bierlokale gibt, die nach einem deutschen Aquarellkünstler benannt werden. Während das "Land der Mitte" China noch Probleme hat, auch nur ein einziges Wort aus lateinischen Buchstaben zu bilden, wagt sich das "Land der Morgenstille" (und der dafür lauten Abende) Korea bereits an ganze deutsche Sätze heran. Mit zweifelhaftem Erfolg. Hier wird anscheinend jeder, der sich auch nur zufällig in der Nähe einer deutschen Sprachschule aufhält, als T-Shirt-Texter eingestellt.


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Hauptsache Deutsch, dachten sich auch die Designer dieses T-Shirts, gesehen in einer Seouler Einkaufspassage. Abgesehen von kleinen Grammatikschwächen, stellen die Design-Poeten in der Überschrift eine Behauptung auf, deren anfänglichen Sinn sie am Ende plötzlich durch ein rätselhaftes Buchstabengebilde ad absurdum führen. Dem Koreaner ist das egal. Für ihn ist Sprache flexibel und nicht in Granit gemeisselt, höchstens in Graniph. Dahinter verbirgt sich eine japanische T-Shirt-Marke, die auch sonst einiges für das Deutschtum im Ausland tut und dafür auch noch Preise vom Goethe Institut Tokyo kassierte. Gratulation hierzu auch von uns!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Deutsch-Japanische Luftwurzeln III und Schluss


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