Riesenmaschine

29.09.2005 | 17:36 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Brainshrink to fit


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
In der verstorbenen Literaturzeitschrift "Der Rabe", genauer im maritimen Raben schreibt der sehr lustige Joseph von Westphalen im totkomischen Essay "Das Tretboot", dass man sich nicht über etwas lustig machen solle, über das jeder spotte, das sei keine Kunst. Im Prinzip hat er damit völlig recht, es gibt jedoch Grenzen, denn für gewisse Sportgeräte besteht gewissermassen Spottpflicht. Hier ist zunächst die Gazelle Silhouette zu nennen. Das im Schweizer TV vom bekannten Tony Little angepriesene Fitnessgerät lässt sich durch die Abbildung in seiner ganzen Erbärmlichkeit leider nur erahnen. Man muss gesehen haben, wie Arme und Beine in irrwitziger Geschwindkeit hin- und herzischen, um zu erahnen, dass wir hier vermutlich die technische Speerspitze einer Sekte vor uns haben, deren Ziel die Vernichtung der Menschheit durch eine letale Lächerlichkeitsdosis ist.

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Nicht weit hinterher steht das Produkt Exycle, nur soll hier offenbar neben der Lächerlichkeit eine zweite Vernichtungsmethode angewandt werden: Die Unfallgarantie im Strassenverkehr. Den, das oder die Excyle hat Riesenmaschinen-Leser Toni entdeckt – dankeschön. Natürlich wissen wir zu würdigen, dass die Fitness-Industrie alle möglichen (und auch unmögliche) Anstrengungen unternimmt, um mit immer neuen wirren Produkten die immer gleichen verwirrten Zielgruppen zu erreichen. Trotzdem wagen wir an dieser Stelle, dem Leser explizit mitzuteilen, was er bereits ahnt: Ein halbes Jahr regelmässiges Joggen oder Radfahren verbraucht wesentlich mehr Kalorien als einmal auf der Strasse zu "excyclen", von Kindern ausgelacht zu werden, schamgerötet mit der absurden Lenkerkonstruktion gegen einen Baum zu fahren und dann monatelang im Krankenhaus zu liegen.


27.09.2005 | 14:09 | Fakten und Figuren | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Jetzt schon: Der Pilz des Jahres 2006


Pilz des Jahres 06 (Foto: Melete / Lizenz)

Die Pilzsaison 2005 strebt gerade erst ihrem Höhepunkt entgegen (Krause Glucke, Herbsttrompete), da hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie bereits den "Pilz des Jahres 2006" ernannt. Ungeduldig scharrt der jugendlich-urbane Pilzfan mit den Hufen, ob nicht endlich ein Vertreter der Gattung Psilocybe (z.B. der Spitzkeglige Kahlkopf oder der Kubanische Träuschling) die Krone auf den halluzinogenen Kahlkopf gesetzt bekommt, aber wieder ist es nichts geworden mit einer mutigen Entscheidung der DGfM: Der Pilz des Jahres 2006 ist der Ästige Stachelbart (hericium coralloides) – ein ganz und gar langweiliger Pilz, den man weder als Mahlzeit noch zu Rauschzwecken konsumieren kann. Er juckt nicht einmal im Schritt.

Ganz im Gegensatz zu ihrer konservativen Preisverleihungspolitik beschreitet die DGfM aber ganz neue Wege in der Finanzierung ihrer wertvollen Arbeit: Wer willens ist, die Mykologie als eine der zukunftsträchtigsten biologischen Forschungsrichtungen zu unterstützen, kann neuerdings (ein entsprechendes grosszügiges Angebot vorausgesetzt, bitte in Gedanken jetzt den Daumen an Zeige- und Mittelfinger reiben) einen Pilz nach sich benennen lassen, und zwar eine erst kürzlich im Bayerischen Fünf-Seenland entdeckte Lachnella-Art. Interessenten sind aufgefordert, unter thrun@dgfm-ev.de ein Angebot zu unterbreiten. Ich bin leider raus: lachnella schulterichteringiensis hört sich einfach erbärmlich an.


27.09.2005 | 11:58 | Sachen kaufen

Der Allesgesundmacher


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wenn Männer krank werden, dann werden sie richtig krank. Sie liegen röchelnd und sabbernd in Embryonalstellung auf durchgeschwitzten Laken, schauen glasig wie angebratene Zwiebeln daher und seufzen. Wer einen kranken Mann glücklich machen will, gehe zur Apotheke und besorge ihm ein Fläschlein Retterspitz. Dieses zauberhafte Fläschlein ist eingebettet in eine geheimnisvoll bedruckte Folie, man kann es also wie ein Geschenk auspacken. Den Verschluss aufgedreht und es empfängt einen ein Geruchsalarm aus Zitrone, Rosmarin, Arnika, Thymol und Bergamotte. Das Tolle an Retterspitz ist, man kann es sich überall hinschmieren, es duftet wie ein Spitalaufenthalt in Davos, es heilt alle Krankheiten, macht ein rosiges Gesicht und überhaupt. Es wird seit schätzungsweise 1.500 Jahren in unveränderter Rezeptur hergestellt und wird in alle Ewigkeit überdauern.


25.09.2005 | 17:41 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Spiele mit Flasche leer


Hier war ein Bild von zwei aufeinandergestapelten Heineken World Bottles, an dem wir aber die Rechte nicht haben – bitte selber googeln

Und hier war ein Bild von einer äusserst bong-förmigen Wodkaflasche
Anfang der 60er Jahre beauftragte der Bierbrauer Alfred Heineken, entsetzt über die Wohnbedingungen in der Karibik sowie über die grosse Anzahl leerer Heineken-Flaschen ebendort, den holländischen Architekten John Habraken mit dem Entwurf der legosteinartigen "World Bottle" (Abbildung oben). Der Bauplan für ein einfaches WOBO-Haus sollte auf einem Aufkleber auf jeder Flasche stehen. Angeblich wurden um die 50.000 World Bottles hergestellt, aus denen Heineken selbst sich ein Gartenhaus bei seiner Amsterdamer Villa errichtete. In der Karibik kam die Idee weniger gut an; das Projekt wurde wieder fallen gelassen.
Eventuell wird dem bei OhGizmo! gesehenen Bong Vodka grösserer Erfolg beschieden sein. Nach dem Austrinken der einen Droge lässt sich die Flasche – so deuten es zumindest Name wie Abbildung an – zum Konsum anderer Drogen weiterverwenden: "The distinctive character of Bong Vodka serves to unite those of various lifestyles together in spirit ..." Neben der intelligenten Verpackung gibt es hier also einen Versuch der kulturellen Verschmelzung des bislang eher Unverschmelzbaren zu kaufen. Allerdings ist es nach wie vor preiswerter, andere Getränkeverpackungen wie Plastikkanister, Dosen und überhaupt fast alles per schlanker Just-in-Time-Produktion (vereinfachte Lagerhaltung und Beschaffungslogistik!) zur Wasserpfeife umzufunktionieren. Das sieht man vermutlich in der Karibik genauso.


25.09.2005 | 00:59 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Kinderfinder


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Vor gerade mal fünf Wochen beklagten wir das Fehlen eines Mutterhuhn-Gerätes, das unsere Schlüssel und Portemonnaies hütet und bei deren unerlaubter Entfernung laut gackert. Und schon hat sich jemand nicht direkt unseres, aber doch zumindest eines ähnlich gelagerten Problems angenommen: Wie OhGizmo! berichtet, gibt es seit gerade eben das Kinderüberwachungsgerät ionKids (Achtung, Wortspiel!) zu kaufen. As in zu kaufen! Kein Prototyp, keine alberne Designstudie! ionKids erfüllt genau die oben beschriebene Aufgabe, d.h. es piept, wenn ein Kind sich aus dem einstellbaren Einzugsbereich entfernt und weist den Eltern auf Knopfdruck die Richtung zu bis zu vier verlorenen Kindern. Das Gerät kostet um die 200 US$ und lässt sich leider derzeit nur unter Verrenkungen anstatt zur Kinderüberwachung zur Gegenständeüberwachung abstellen. Was seltsam ist, denn schliesslich werden Handys und Portemonnaies unverhältnismässig viel öfter als Kinder gestohlen oder an der Bushaltestelle vergessen. Aber wir sind jetzt etwas zuversichtlicher und rechnen innerhalb der nächsten fünf Wochen mit dem ausgereiften Mutterhuhngerät für alles. Hurra!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Auf der Suche nach dem RFID-Mutterhuhn


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