Riesenmaschine

11.05.2007 | 09:33 | Anderswo | Was fehlt | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

teutographie mäde in ÜSÄ


Looks so falsch but feels so richtig (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Gut zehn Jahre, nachdem die "Fette Fraktur" unter viel "Aber, aber..." von Grafikdesignlehrern und teils spitzen Schreien von Kreativdirektoren durch grelle Farbgebung, experimentelle Handhabung und harsche Dekontextualisierung faktisch entnazifiziert wurde, haben die Typomanen von House Industries die Weiterentwicklung der längst wieder im Mainstream angekommenen gebrochenen Schriften in Angriff genommen. Die gestern erschienene Schrift Blaktur ist eine zackige gotische mit dekorativ-mutwilligen pseudo-diakritischen Punkten, die anderswo auf der Welt beim Betrachter offenbar ein fritziges Bratwurstfeeling erzeugen. Sie kommt nicht nur zum denkbar lustigsten Zeitpunkt, erwägt doch gerade die Zeitung für Deutschland, ihre Titelschrift abzuschaffen – sondern auch mit einem "umlaut randomizer" und Alternativ-Schnitten, deren offene Versalien und Lang-s sich für die Hausindustriellen so anfühlen wie "a bunch of archaic letter forms that only a 16th century German papal scribe could decipher". Nun fehlt eigentlich nur noch eine aufgebohrte Version des umlaut randomizers, die auch ein bis drei getürmte diakritische Punkte oder zwei unterhalb der Grundlinie erzeugt – fertig wäre der perfekte Zeitgeistfont für deutsche Nationalisten mit Kufiya, die Brot- und Pideschrift für die Fans von Fler und Bushido.

Dieser Beitrag ist ein Üpdate zu: Ünd mörgen die gänze Welt

Natascha Podgornik | Dauerhafter Link | Kommentare (17)


06.05.2007 | 02:09 | Was fehlt

Public Dead Ends


Am Ende jeder Sackgasse sollte ein Bild einer anderen Sackgasse stehen. (Foto: Vibragiel, Lizenz)
Krzysztof Zbigniew Stanek ist ein überaus erfolgreicher Mann: kaum älter als 40 Jahre, seit 2001 Professor für Astronomie in Harvard, mehr als 100 Publikationen in referierten Fachzeitschriften, die mehr als 2500mal zitiert wurden. Seine letzte Veröffentlichung jedoch befasst sich mit der Erfolglosigkeit. Stanek schlägt vor, ein öffentliches "Alternative History"-Archiv im Stile von arxiv.org einzurichten, dessen einzige Aufgabe es wäre, erfolglose Anträge aufzunehmen. Ein solches Archiv der gescheiterten Ideen hätte viele Vorteile, unter anderem "venting the frustration of the authors and also providing possible amusement for the readers". Vor allem aber würde es Brücken bauen zwischen Ideen und Resourcen, indem es lokale Mängel an entweder dem einen oder dem anderen ausgleicht. Die Werbebranche ist der Wissenschaft um wenige Schritte voraus: Wohl geschuldet der Tatsache, dass Idee und Verwirklichung hier nicht in derselben Hand liegen, veröffentlicht sie regelmässig die besten abgelehnten Ideen unter dem Label Best Rejected. Allerdings vermutlich eher weniger, damit sie Unternehmen in Entwicklungsländern, die sich keine teure Werbung leisten können, verwenden können. Der Ansatz des Ideenpools in Public Domain gerät hier ein wenig unter die Räder.

Aber weil vermutlich alle zu eitel sind und lieber auf ihren wahnsinnigen Ideen sitzen als sie abzugeben, hier ein gutes Beispiel, eine fantastische Idee, die aus Zeitmangel von ihrem Urheber nie verwirklicht werden wird, und deshalb zur Verwendung freigegeben ist: die tägliche Spam-Prognose. Man richtet ein paar Mailaccounts ein, die soviel Spam wie möglich akkumulieren. Dann generiert man jeden Tag, basierend auf den Spams der letzten Tage, eine Vorhersage fuer das Spamaufkommen der kommenden Tage. Wird es in Niedersachsen Penis-Spam regnen? Ist Brandenburg nächste Woche geplagt von "einmaligen Finanztips"? Wird die Sicht in Bayern von tiefstehendem Nigeria-Nebel verstellt? Das Ergebnis wird dann natürlich als Spam-Mail verschickt.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


27.04.2007 | 07:10 | Anderswo | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Wofür?

Warum gibt es Plattentektonik nur auf der Erde? Wieso haben Joghurt-Gums ohne Fett trotzdem so viele Kalorien? Weshalb sind alle Führhunde kastriert? Das sind alles Fragewörter, die andere benutzen mögen. Wir fragen stattdessen: Wofür? Wofür steht zum Beispiel dieser Easy Cheque Deposit-Automat unter der Pacific Plaza in Hongkong, wo doch der Scheck dabei ist auszusterben? Nun, letzteres trifft zwar für Europa zu, aber nicht für Südostasien (inkl. Hongkong und Macao). Die haptisch orientierten Menschen hier misstrauen der abstrakten Überweisung, weshalb man in der Region Scheck -Deponierautomaten allenthalben findet. Bleiben noch: Was, Wozu, Wieso. Was also ist mit dem am Automaten aufgeklebten Taschenrechner? Gewiss, es ist ein stolzer Casio HS -8VE Two Way Power, der für den Preis von 3,99 USD vertrieben wird, aber wozu soll man ihn benutzen? Ausrechnen, um welchen Betrag man vom Scheck-Aussteller über den Tisch gezogen wurde? Mutters Telefonnummer eingeben? Nachschauen, wie spät es ist? Und wieso ist in den Rechner die Zahl 4.000 – schwer zu erkennen, aber wahr – bereits eingegeben? Wir wissen's nicht, aber wahrscheinlich ... Sie!

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


13.04.2007 | 17:38 | Was fehlt | Sachen kaufen | Sachen anziehen

T-Shirts, noch jemand?


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Man kann Blogs ja bekanntermassen mit allen erdenklichen Themen füllen, Kryptozoologie zum Beispiel, oder Tintenfischen und es ist fast ein Wunder, dass es noch kein Blog für Super-Mario-T-Shirts gibt, wo doch praktisch täglich neue auf den Markt kommen. Neulich oder so eins mit Magritte-Motiv, in wenigen Stunden ein neues Mario-Kart-Shirt und demnächst ein besonders grazil gezeichnetes, dazu kommen die Klassiker, vom Che-Mash-Up über das reichhaltige Angebot von 80sTees bis zur 175-Dollar-Variante von Dolce & Gabbana.

Doch was ist noch besser als ein T-Shirt mit Mario-Motiv? Richtig, ein T-Shirt mit Mario-Motiv, das von einem Riesenmaschine-Logo überdruckt wurde. Wie man ebenfalls so ein Logo auf sein T-Shirt bekommt, und dafür muss vorher nicht mal ein Mario drauf sein, konnte man bereits vor rund zwei Wochen erfahren. Und wer noch dabei sein möchte, möge sich bitte beeilen, denn Sonntag endet die Einsendefrist.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Noch mehr T-Shirts für noch mehr Leser


13.04.2007 | 01:51 | Alles wird besser | Was fehlt

Toll: Alles jetzt noch besser

Wo nimmt man bloss die Energie her? Eine gute Frage, nicht nur, wenn man gerade einen Staat zusammenlötet, keine Ahnung von Kernspaltung hat und auch keine Kohle im Vorgarten findet. Sondern zum Beispiel auch, wenn man eine Lampe im Dunkeln betreiben will, ein Internet in Guatemala, ein künstliches Mini-Gehirn im Zeh oder eben ein simples EEG-Fernglas, wie es bald mit jedem Soldaten mitgeliefert wird. Und Prof. Wang, im Bild nicht gut zu sehen, mit 2348 Zitaten aber einer der am meisten zitierten Autoren der Welt, weiss die Antwort: Solange man keine Lust auf Staatengründung hat, liefert er die Energie einfach (naja, nicht ganz so einfach) aus einem Gewirr aus winzigen Spezialkabeln, die, wenn man sie biegt, Energie produzieren. Wackelt man nun ein wenig an diesem Piezo-Kabelsalat, so stossen ab und zu ein paar dieser verbogenen Kabel an elektrische Kontakte, und laden dabei ihre Energielast hocherfreut ab. Die Folge: Ein Strom fliesst, das Ziel allen Strebens. Prof. Wang sagt, man muss nur laufen oder Blut zirkulieren lassen oder etwas ähnlich Unerhebliches tun, und schon funktioniert es. Ein EEG-Fernglas über Nanokabelwirrwarr aus dem Strom des Blutes mit Strom zu versorgen – wie alle genialen Ideen ist auch diese total naheliegend. Und wie alle Wissenschaftler ist Prof. Wang zunächst skeptisch: "Wir müssen das Kabelwachstum besser kontrollieren." Gut gesagt, unkontrolliertes Kabelwachstum wäre in der Tat noch schlimmer als Mangel an Energie.


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