Riesenmaschine

09.03.2008 | 13:19 | Anderswo | Sachen kaufen | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder

Heiss und heisser


Geschätzte 25 Grad
Während der bescheuerte und unansehnliche Buchstabe "ß " in seinem Ursprungsland so langsam ausstirbt, unternimmt man anderswo verzweifelte Rettungsversuche. "heiß" nennt sich trotzig eine Hongkonger Schnickschnackoutfitkette. Und stösst verdientermassen auf Schwierigkeiten. Das Eszett schreiben können in Hongkong nämlich nur speziell ausgebildete Grafikdesigner, weshalb "heiß" im Shoppingverzeichnis der City Plaza Mall in Taikoo Shing nur als "heiB" gelistet werden kann. Auch bei der URL muss man sich mit einem "b" bescheiden.

Präzise 3.871 Grad
Überhaupt ist die Frage, wie heiss "heiß" wirklich ist? Der Taschenladen Hiroshima ein Stockwerk über "heiß" ist wahrscheinlich heisser. Immerhin entstehen bei der Explosion einer Atombombe Temperaturen von 7.000 Grad Fahrenheit = 3.871 Grad Celsius. Dass die Betreiber der Hiroshima-Kette bei der Namensgebung durchaus die Atombombe mit im Sinn hatten, ist daran zu ersehen, dass man den Namen um den Zusatz "Japan" ergänzte. So sind Verwechslungen mit dem atombombenfreien Hiroshima/Holstein ausgeschlossen. Aus Japan kommen die Taschen deshalb trotzdem nicht. Genauso wie "heiß" ist Hiroshima eine Hongkonger Kette.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (19)


25.02.2008 | 01:58 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Geburtsfehler Umrissflagge


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Nation Building ist eine schwierige Aufgabe und gewiss kein Zuckerschlecken. Alles muss man sich neu ausdenken, Verfassung, Regierungsform, Polizeiuniformen, und nachher schlagen sich die Leute doch nur wieder die Köpfe ein. Im Falle des Kosovo hätte die ganze Sache schon fast als gescheitert betrachtet werden müssen, als das Aussehen der neuen kosovarischen Staatsflagge feststand. Nicht nur dass das zugehörige vexillologische Symbol laut Wikipedia immer noch unklar ist und so Chaos und Durcheinander Tür und Tor geöffnet werden – die Umrisse des Landes aus dem Atlas ausschneiden und ein paar Sterne drüberkleben, weil man gerne in die EU möchte, so geht's natürlich sowieso nicht.

Umrisse sind schliesslich die denkbar langweiligste Art, eine Landesflagge zu gestalten: konkret, einfältig, für Kindergartenkinder schwer nachzumalen und als lustiges Ausnahmeexperiment auch schon lange an die frech im Mittelmeer herumliegende Inselrepublik Zypern vergeben, also eine klare Copyrightverletzung. Umrisse sind höchstens auf der Flagge der Vereinten Nationen angebracht, denn die Grenzen der Welt sind nicht so flüchtig wie die eines Landes – und vom Wegschmelzen bedrohte Landmassen wie die Antarktis wurden bei der Zeichnung einfach weggelassen.

Vorbild für den Kosovo hätte in dieser Frage, wie in so vielen anderen, eher Nepal sein müssen, das eine Flagge mit lustiger Doppelwimpelform und einem Hut (verkleidet als Halbmond und Stern) spazieren führt. Oder wenigstens Libyen, wo man viel Platz für eigene Ideen gelassen hat. Selbst die Vereinigten Staaten, traditionelle Verbündete der Kosovaren, haben es doch besser hingekriegt: Die Stars and Stripes können immerhin ein ausgefallenes Seitenverhältnis von 10 zu 19 und prinzipielle Upgradefähigkeit aufweisen. So macht man es, neuer Staat in unserer alten Runde! Aber du bist ja noch eine junge Nation, Kosovo, gerade erst in der Pubertät, da ist es durchaus erlaubt und geboten, Sachen auszuprobieren.


14.01.2008 | 06:10 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Waves are Waves


Visible on so many levels (Quelle, Lizenz)
Gute Nachricht aus den verqueren Welten der Duke University: Steven Cummer und Kollegen haben ein Gefäss entwickelt, dessen Inhalt nicht mehr mit Schallwellen interagiert. Man erinnert sich sofort an das vor einem guten Jahr von Cummer vorgestellte elektromagnetische Analogon, ein Gerät, das seinen Benutzer unsichtbar macht. Jedenfalls für Mikrowellenöfen, aber hey! Jetzt also, trotz skeptischer Kollegenprognosen, ist Unsichtbarkeit auch möglich, wenn der Feind Schallwellen zur Ortung verwendet. Die Konsequenzen sind überraschend toll: Fledermäuse zum Beispiel können uns nicht mehr aus dem Weg gehen, sondern zerschellen reihenweise an unseren stabilen Körpern. Kriegsschiffe werden sich etwas anderes überlegen müssen, um uns zu finden und anschliessend umbringen zu können, zum Beispiel Riechsensoren oder Fischwellen oderso. Endlich zerspringen die Gläser nicht mehr, nur weil man vor dem Essen wie immer die Nationalhymne singt. Und natürlich die echolose Bergschlucht, ein uralter Menschheitstraum. Einziges Problem: Das Ding muss erst noch gebaut werden, und zwar aus Metamaterialien. Keine Ahnung, was das sein soll, aber es wird schon irgendwie funktionieren.

(via Technovelgy)


08.01.2008 | 15:34 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

How low can you go?


Niedlich, aber ein bisschen retardiert. (Foto, Lizenz)
Man kann sich das Briefing für den Claim zur Einführung des neuen Fiat Cinquecento vorstellen: International verständlich sollte er sein, auch für Kulturkreise, in denen nur rudimentär Englisch gesprochen wird. Ein Claim von elementarer Einfachheit. So wie "Me Tarzan, you Jane!" Gleichzeitig einer von urwüchsiger Wucht und Durchschlagskraft, der ans menschlich allzumenschliche Selbstverständnis rührt und die Tür zu den letzten Dingen mehr als nur einen Spalt breit aufstösst. So wie das Hamletsche "To be or not to be ..." Und dann natürlich mittig auf der Strategie liegen, die das Göttliche der kleinen, einfachen Dinge beschwört, und selbst schlicht und generisch sein. So wie Volkswagens "Das Auto." Herausgekommen ist: "You are, we car." Sic. Es wird langsam eng auf dem Feld der semantischen Commodities. Dahinter beginnt das Reich des wirren Gestammels. Erst danach kommt Schweigen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Binnenmajuskel. Wieder. Da.


05.01.2008 | 00:00 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | Gekaufte bezahlte Anzeige

Europep, das crazy neue Ding


Kulturkritiker Baron Barock: "Europep ist Modern Talking meets Miami Vice auf Rädern." (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Hey Kids! Kennt ihr das nicht auch? Ihr surft mit euren Stromrechnern im Cybernet herum und dann sind da nur noch megaöde Seiten? Und im Klingelton-Abo gibt's auch nichts mehr, was fetzt? Da fehlt der Pep? Damit ist jetzt Schluss! Denn Europep.net hält täglich neue ultra-angesagte Fotos von den peppigsten Kotflügeln Berlins für euch bereit! Und nicht nur das, auch locker-flockig bedruckte Europep-Shirts kann man dort kaufen. "Das ist ja voll das art project", denkt ihr – und ihr habt recht! Mit den Worten von Moritz Metz, dem Macher von Europep: "Die Pepkultur-Spirale überschreibt sich alle zehn Jahre. Heute dürfen es mal wieder die crazy Nineties sein! Denn abgedroschen ist was anderes." Besser hätten wir's selbst nicht sagen können. Tja, Pepkultur – ein Ding, das keiner voll aussinnt!


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