10.04.2006 | 16:51 | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Nach dem weltweiten Triumphzug der dänischen Cartoons hat endlich auch das Christentum mit einem Skandälchen nachgezogen, wenn auch erstmal beinahe zaghaft, vermutlich als Testlauf. Es geht um die Comic-Serie Popetown, die am 3. Mai auf MTV anlaufen soll. Diese ist von der BBC produziert, in England aber trotzdem nie gesendet worden, weil sich viele Christen provoziert fühlten. Und das nur, weil der Comicpapst in der zweiten Folge mit seinem eigenen Kot ein Bild malt, wie die Riesenmaschine aus gut unterrichteter Quelle vernommen hat. Hier abgebildet ist jedenfalls ein allenfalls mittelmässig lustiges Motiv der Werbekampagne* zu dieser Sendung, gegen die sich im Netz gerade ein albernes Proteststürmchen erhebt, die vorläufige Krönung besteht aus der eiligst zusammengezimmerten Seite Stoppt-Popetown.de. Es bleibt zu hoffen, dass MTV nicht einknickt wie seinerzeit die BBC, sonst kann man ja noch nicht mal sehen, ob sich die Aufregung gelohnt hat. Und ein vom Papst mit Kacke gemaltes Bild – hat man in unserer westlichen Mediendemokratie nicht irgendwie das Recht, das wenigstens einmal gesehen zu haben?
[* von der Agentur Roxy Munich]
02.04.2006 | 13:11 | Anderswo | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder | Papierrascheln
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Zugegeben, es gibt im Jahr 2006 innovativere Ideen, als über seinen Auslandsaufenthalt ausgerechnet in einem Blog zu berichten. Und zugegeben, Tokyo ist jetzt nicht gerade der Geheimtipp unter den Millionenstädten dieser Welt, über den wir in Deutschland noch so überhaupt nichts wussten, ganz anders als z.B. das aufstrebende Hyderabad. Aber man kann so ein Tokyo-Blog halt trotzdem interessant und angenehm gestalten, wie Dirk Schwieger beweist. Woche für Woche bekommmt er von Freunden und Lesern Aufgaben und Fragen, wie etwa "Besuch das Studio Ghibli Museum!" oder "Wie kleiden sich die Japaner?", zugeschickt, über die er dann in Form eines kurzen Comics berichtet. Da dies auf vier Seiten eines handelsüblichen Moleskines gezeichnet ist, nennt sich die Serie entsprechend der japanischen Behandlung von Lehnwörtern Moresukine. Auch wir haben Dirk einen Auftrag gemailt und werden nun im Juli oder so entweder etwas über die Ginza Renoir-Café-Kette, ein Treffen mit Sam & Valley oder die Suche nach einem Stein in der Form Japans erfahren – vorausgesetzt, Dirk überlebt die vorher geplante Fugu-Episode.
31.03.2006 | 17:53 | Anderswo | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder
 "Da es in der Schweiz bezüglich dem Umgang mit Leichenasche kaum gesetzliche Bestimmungen gibt, sind der eigenen Fantasie im Umgang mit ball of life™, dem Innengefäss und seinem Inhalt kaum Grenzen gesetzt." (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wer in Deutschland lebt, hat es ja nicht so schlecht. Er kann sich mitten in der Nacht eine Kiste Bier in einen der zahlreichen und gepflegten Parks liefern lassen und er kann ganz viele lustige Parteien wählen. Wer in Deutschland hingegen tot ist oder es werden möchte, der hat es nicht leicht. Denn will er sich nicht mit unsicheren Do-it-yourself-Methoden, sondern würdevoll und für immer aus Deutschland und dem Rest der Welt verabschieden, muss er seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegen und sich hier melden. Später haben seine Angehörige dann noch einen Haufen Formalitäten zu erledigen, um den Toten zurück nach Deutschland zu transportieren. Zurück in Deutschland untersteht der Tote dann aber in Form des sogenannten 'Friedhofzwangs' schon der nächsten Bevormundung – er muss unter die Erde oder zumindest eingeurnt in eine dunkle Nische auf dem Friedhof. Will er seine Asche in gewohnter Umgebung aufbewahrt wissen, muss er nach Holland reisen, sich dort kremieren lassen und seine Angehörigen müssen ihn dann zurück über die Grenze schmuggeln ("Ach, das ist nur löslicher Cappuccino").
Schön ist das alles nicht. Nicht gerade Abhilfe, aber zumindest Linderung könnte nun das etoy-Projekt 'mission eternity' bringen. Der mission eternity User wird zu Lebzeiten digital erfasst; nach seinem Tod tritt seine Kapseldatei eine Reise durch das Netz an, vervielfältigt sich und versucht sich auf möglichst vielen Rechnern und Handys zu installieren und so ihre Existenz zu sichern. Sie kann von dort auch Bankgeschäfte tätigen, SMSe verschicken oder Telefonanrufe tätigen. Der Friedhofzwang hat aber auch seine guten Seiten. Er setzt der Fantasie von Leuten Grenzen, die sich the Urnpeople nennen und geschmacklose Urnen mit Namen wie 'Jembele' oder 'Ball of Love' auf den Markt bringen, denen man dann unvorbereitet im Museum oder im Wohnzimmer der Schwiegereltern begegnet.
("Friedhof: Design – Gestaltung zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit" noch bis zum 1. April 2006 im Museum Bellerive in Zürich)
29.03.2006 | 13:03 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder
 Die richtige Verteilung des Nichts ist entscheidend (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)"Wie Sie sehen, sehen Sie nichts." Wer ist nicht damals von seinem schlechtrasierten Physiklehrer mit diesem unterirdischen Spruch gelangweilt worden? Diesmal ist es aber tatsächlich nichts, das wir hier sehen, und zwar umrandet von Schmutz. Zur Werbekampagne "Ballack +10" hatte die verantwortliche Agentur namens 180 am Radisson SAS Hotel in Hamburg zwei Riesenriesenplakate aufhängen lassen, mit den Motiven "Podolski +10" und "Schweinsteiger +10". Gross allein reicht nicht mehr heutzutage, es muss auch cool sein, und so dachte man sich Guerilla-Kommunikation aus. Offiziell spielt Guerilla-Kommunikation mit semiotischen Überraschungsmustern (vergl. Umberto Eco, "semiotische Guerilla-Kriegsführung"), inoffziell wird in Werbeagenturen alles so genannt, was nicht so recht messbar, aber trotzdem dem Kunden gut zu verkaufen ist, weil es "irgendwie rockt" oder schon mal auf MTV zu sehen war. Oft genug sind auch, sagen wir, teillegale Aktivitäten darunter, wie eine Flut von Aufklebern über die Stadt zu verteilen oder per Schablone Botschaften überall hinzusprühen.
Doof nur, dass die Kommunikation einer Marke einen Absender braucht, der kein 17jähriger anonymer Sprüher ist, sondern eine leicht zu findende Firma mit 17 Milliarden Euro Umsatz. Der man entsprechend 17 Milliarden Mal weniger verzeiht, Wände besprüht zu haben. Sehr, sehr, ich wiederhole nochmal: sehr smart ist da die Idee, seine Guerilla-Kommunikate nicht aufzusprühen, sondern sie aufzusäubern. Das Beispiel auf dem Foto oben ist nichts weiter als die an den richtigen Stellen gesäuberte, schmutzige Mauer rund um das Hotel Radisson SAS.
Das bedeutet nichts weniger, als dass ein neues Graffiti-Zeitalter hereinbricht. Putzgruppen werden in der Stadt umherziehen und ihre Schriftzüge mit Schablonen in die schmutzigen Fassaden putzen, Putzgruppe oder besser Putzguerilla wird man sie nennen, vielleicht, und die Polizei wird machtlos danebenstehen müssen, während die Jugend mit Chlorix und Meister Propper Antimoos ihren gefühlten Outlawtätigkeiten nachgeht! Es wird so toll!
26.03.2006 | 17:21 | Alles wird schlechter | Zeichen und Wunder
 Amos, bring's Stöckchen (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Es ist wahr, dass es zu viele Regeln gibt. Das sagen eigentlich alle, Ordnungsamt, Verkehrspolizisten, Schwarzarbeiter, man hört es überall; zu viele Regeln für alles, so dass man vor lauter "Radfahrer müssen auf dem Radweg fahren, wenn er denn als solcher gekennzeichnet ist, was er nur sein darf, wenn er 1,50 m breit und nicht auch noch von Fussgängern usw." schon mal vergessen kann, dass man eigentlich niemand umbringen soll. Das Resultat ist haltlose Verwirrung, Chaos, Anarchie, nicht nur in Bayern. Prinzipiell daher eine gute Idee des Kinderkanals, einer Art vom Steuerzahler betriebenen Fernsehsender, den Dschungel zu lichten: Ab heute wird in sonntäglichen Kurzfilmen den Kindern ein einfaches Regelwerk zur Verfügung gestellt, bestehend aus zehn schlichten Grundsätzen, die sich jeder merken kann. Schön und gut.
Leider kommt die Idee gar nicht vom diesen Fernsehleuten, sondern von der Evangelischen Kirche, die in Regelfragen unglücklicherweise etwas ungelenk ist. So entnahmen die Initiatoren der Filmaktion ihre Gesetze einem jahrtausendealten Buch, das gar nichts über die moderne Welt der Kinderprobleme weiss. So macht es zum Beispiel keinen rechten Sinn, Kindern beizubringen, sie sollten nicht das Vieh des Nachbarn begehren oder Vater und Mutter ehren, weil es Landwirtschaft und Eltern heute sowieso nicht mehr gibt. Anstatt also die Regeln einzudampfen auf die wirklich wichtigen Dinge (Ausserirdische gibt es nicht, Gardinen sind irrelevant, Du sollst den Feiertag und auch alle anderen Tage heiligen), die ohnehin schon jedes Kind kennt, fällt der EKD zur Wertediskussion nur ein, lieber gar nicht erst zu diskutieren. Nur der Serienhund Amos, der als Hobbies "Fressen, Spazierengehen, Ballspiele, Stöckchenbringen" angibt, klingt ganz vielversprechend.
Diese kindgerechte Weltverbesserungsaktion muss man in der Tradition der grossanlegten Missionierungsoffensiven der vergangenen Jahre sehen. Man erinnert sich schmerzhaft an die bundesweite Aktion Neu anfangen vor einigen Jahren, bei der Millionen Ungläubige einzeln per Telefon zur Vernunft bzw. zu Gott gerufen werden sollten, ein Penetranzvorstoss vergleichbar mit den Klingelstreichen der Zeugen Jehovas. Über den Erfolg/Misserfolg der Aktion ist nichts herauszufinden, aber warum man Ostdeutsche, die ja nicht aus Überzeugung, sondern aus Trägheit vom Glauben abfielen, zurück in die Kirchen locken möchte, kann man nicht mal verstehen, wenn man es verstehen will. Kinder werden natürlich erst recht nicht auf so einen simplen Trick hereinfallen, auch wenn es aus dem Fernsehen und nicht aus dem Telefon kommt, so viel Vertrauen muss man einfach haben. Schlaue Kinder nämlich wollen mit den reformierten Eierköpfen sowieso nichts zu tun haben und werden deshalb ganz von alleine saubere Erzkatholiken. Bei denen gibt es dann auch endlich wieder mehr Regeln.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Wein auf Bier
- Traumarbeit in Österreich
- kreidig im Abgang
- Ritter Sport (schon immer)
SO NICHT:
- Bier-Druckbetankung nach dem Zähneputzen
- Corsakorso
- Bier auf Wein
- Traumarbeit in der Schweiz
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"The Congress", Ari Folman (2013)
Plus: 1, 3, 18, 97 Minus: 1, 2, 14, 39, 43, 44, 97, 118, 134, 160, 175 Gesamt: -7 Punkte
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