22.09.2005 | 00:29 | Zeichen und Wunder
Wenn man Geisteswissenschaftler gelernt hat, ist es nicht einfach mit den Naturgesetzen. So wird der Magister an sich oft Opfer der Schwerkraft noch vor dem dreissigsten Lebensjahr und das, ohne sie jemals wirklich verstanden zu haben. Schön, wenn sich da die Herren Naturwissenschaftler ein bisschen Mühe geben, indem sie das zu vermittelnde Wissen bunt verpacken und zum Beispiel in philologentaugliche Form bringen. Lobend erwähnt sei an dieser Stelle das Projekt "The Periodic Table of Haiku", das hält, was der Name verspricht. Ein Beispielhaiku zum Thema 26, Eisen:
prehistoric gift splashing history currents leaving flakes of rust
Als Nächstes erhoffen wir uns eine Site von studierten Gestaltern für Chemiker, auf denen die Grundlagen der Wahrnehmungspsychologie und Farbenlehre sowie des für den Betrachter schmerzlosen Webdesign in handliche Formeln gepresst nachgerechnet werden können.
14.09.2005 | 17:57 | Listen | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Es macht schon einen Unterschied, ob man sich den dreisten, gleichwohl subtil doppelbödigen 4. Wahlwerbespot der vom Satiremagazin Titanic ins Leben gerufenen PARTEI, in dem am konkreten Beispiel vor Schleichwerbung im Fernsehen gewarnt wird, im Netz anschaut oder tatsächlich live im ZDF über den Bildschirm flimmern sieht. Eine Demokratie und ein öffentlich-rechtliches Fernsehen, in denen so etwas möglich ist, können so schlecht nicht sein. Jedenfalls lässt sich das Ganze allein mit Verweis auf Marcuses repressive Toleranz schwerlich abtun. Und da HLX offenbar tatsächlich Geld für diesen Spot bezahlt oder nach der Wahl bezahlen wird, muss man die Werbeabteilung des Billigfliegers – wenn auch vielleicht ein wenig zähneknirschend – zu dem Coup beglückwünschen, der mit ironischem Meta-Guerilla-Marketing wohl einigermassen treffend bezeichnet ist. Dass ein täuschend ähnlicher Scherz schon vor vielen Jahren mit John Cleese in der Haupt- und der Getränkefirma Schweppes in der Nebenrolle verfilmt wurde, tut der staatsbürgerlichen Freude da keinen Abbruch.
14.09.2005 | 13:06 | Was fehlt | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wo sonst die werbetreibende Industrie kein noch so schales Wortspiel auslässt, wurde hier seitens der Stadionbetreiber und ihrer Kooperationspartner weit, aber nicht weit genug gedacht. Die abgebildete Bandenwerbung zwingt uns förmlich die Vorstellung hunderter aufgebrachter Eltern auf, die in den Supermärkten des Landes stehen und den neuen Langnese Familienblock erwerben möchten, "am besten Vanille". Die Lehre daraus: Wenn man schon in große Buchstaben investiert, dann doch sinnvollerweise in solche, die etwas bedeuten, bzw. in diesem Fall auch zu kaufen sind (wir erinnern an dieser Stelle an den ursprünglichen Zweck von Werbung). Kostenlos und ohne Hintergedanken winken wir daher mit dem Riesenzaunpfahl unverbindlich in Richtung der sich geradezu aufdrängenden Kooperationen mit "Ambre Solaire Sunblock", "Zwilling Messerblock", "Asics Gel Block" und "Varta 9-Volt-Block". Freikarten werden jederzeit gern entgegengenommen.
13.09.2005 | 15:43 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Handelsmarken, sogenannte Private Labels, sind eine faszinierende Sache voller metaphysischer Mucken: Zum einen sind sie komplett gesichts- und geschichtslos, ausgedacht und am Reißbrett entstanden – die letzte und nachrangigste Stufe in einem Prozess des Copy & Paste, der phantasielosen Imitation und Standardisierung von Produktionsabläufen. Zum anderen zehren sie vom Nimbus und der Magie etablierter Marken, versuchen durch phonetische Allusion und mimetische Anverwandlung einen Teil jenes Fluidums, das traditionsreiche Marken mittels Qualität, Sorgfalt und immensem Marketingaufwand aufgebaut haben, abzuzweigen und in die eigenen Kanäle zu lenken. Sie stehlen die Aura, um uns zu täuschen und von der charakterlosen Handelsware zum Desiderat für Ahnungslose und Unachtsame zu werden. Sie spiegeln uns unsere irrationale Anfälligkeit für Marken als Farce zurück. Selten jedoch gelingt das in so einem Geniestreich wie bei den "Cityhemden" mit "New Kent-Kragen" in "reiner Baumwolle", die zum "Jubelpreis" von 25 Euro im aktuellen Werbeflyer der "Galeria Kaufhof" feilgeboten werden – und zwar unter dem Label "ARMADA", dessen Anmutung uns an "ARMANI", dessen Typografie jedoch an "PRADA" gemahnt und das uns in dieser ingeniösen Kombination andächtig sprachlos macht.
06.09.2005 | 10:41 | Berlin | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Die üblichen Überlegungen, wie Reichtum und Berühmtheit mit geringem Aufwand zu erreichen seien, ergaben gestern wie jeden Tag einen hervorragenden Plan. Wir bauen das Berliner Holocaust-Mahnmal aus Lego nach! War nicht schon der polnische Künstler Zbigniew Libera 1996 mit seinem Lego-KZ zu weltweiter Bekanntheit und Beliebtheit gelangt? Ist nicht das Holocaust-Mahnmal selbst für kreativ Minderbegabte denkbar einfach nachzubauen? Die Kombination aus großem schweren Thema und kleinen bunten Steinchen würde im ganzen Land feuilletonjournalistische Reflexe triggern; die Einzelteile könnten wir dann bei eBay versteigern. Es war ein Plan, der nicht fehlschlagen konnte. Jedoch, ach! Ein gewisser Dieter Römer aus Aichwald ist uns schon im Mai 2005 nach einem Berlin-Ausflug mit seinem Skatclub zuvorgekommen.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Gebrauchsanleitungsfetisch
- klare Schmuddeldenke
- Ubahn in Dubai (leider erst 2009)
- in den Arm genommen werden
SO NICHT:
- ein Jahr in St.Pölten
- Schweigespirale als Verhütungsmittel (wirksam, aber unschön)
- einen auf naiv machen
- auf den Arm genommen werden
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Casino Royale", Martin Campbell (2006)
Plus: 3, 11, 69, 80 Minus: 8, 63, 76, 116, 126 Gesamt: -1 Punkt
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