Riesenmaschine

06.01.2009 | 14:43 | Anderswo | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Trendvorhersage 2009: Kein Internet und keine Smart-Cards bei der BVG

Wie viele Lichtjahre man in Ostasien inzwischen Europa und speziell Deutschland in die Zukunft vorausgeeilt ist, zeigt allein ein Spaziergang durch die Hongkonger MTR- alias U-Bahn-Bahnhöfe. In 14 Stationen stehen so genannte iCentres, an denen jeder U-Bahn-Passagier an einem von jeweils drei Rechnern schnell was im Internet nachgucken kann. Natürlich kostet dieser Service keinen Hongkong-Cent. Finanziert werden die iCentres nämlich durch Werbung. So hat momentan das Singapurer Online-Investment-Unternehmen fundsupermart.com die Stationen gemietet. Das heisst selbstverständlich auch, dass jeder Netzausflug auf der Fundsupermart-Seite startet. Man kann sie natürlich wegklicken, oder aber hier zwischen zwei U-Bahnen schnell ein paar Aktien oder Fondsbeteiligungen einkaufen. Am Bestimmungsbahnhof angekommen, stösst man die am besten gleich wieder ab. So hat man zwar gerade in Zeiten wie den jetzigen schnell ein hübsches Sümmchen verloren, dafür aber auch bei der U-Bahnfahrt einen Zusatzthrill gehabt.

Es versteht sich von selbst, dass es auch 2009 solche Internetstationen nicht in Berlin geben wird, genauso wenig wie einen Smart-Card-gesteuerten Zugang zur U- und S-Bahn, so wie ihn die U-Bahnen in Hongkong, Macao, Peking, Shanghai, Shenzhen oder selbst in Guangzhou schon lange haben. Am Anti-Zukunftsstandort Berlin wird man auch weiter brav Münzen in antiquierte Automaten werfen und vom Bahnsteig so lange die Wand anstarren, bis die nächste U-Bahn kommt. Damit bleibt Berlin auch im neuen Jahr technologisch auf dem Stand des frühen 20. Jahrhunderts. Das ist eigentlich auch ganz schön, wenn nicht bloss danach immer Hitler kommen würde.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (23)


31.12.2008 | 11:22 | Anderswo | Essen und Essenzielles | Zeichen und Wunder

Alles Güte für 2009


Café Güte-Filiale, Kornhill Plaza
Die Hongkonger Hitlerwiedergutmachungsbäcker von Das Gute müssen vollkommen perplex gewesen sein, als sie bemerkten, dass ausgerechnet ihnen als Vertretern des deutschen Brauch- und Backtums durch den in Asien grassierenden Umlautwahn die Butter vom "Mischbrot" (ein "Das Gute"-Produkt) genommen zu werden drohte. Also haben sie gehandelt und über Nacht gleich zwei Ableger als "Café Güte"-Restaurants in die Shopping Mall-Landschaft der chinesischen Sonderverwaltungsregion gepflanzt. Pech allerdings, dass die Zulieferer der hiesigen "Ich fotografiere mein serviertes Essen"-Seite openrice.com sich nicht die Mühe machen, das vertrackte Sonderzeichen im Sonderzeichenvorrat zu suchen. So bleibt dort die Güte bloss das extrem viel weniger hippe Gute. Wir Umlautjäger von der Riesenmaschine aber verfügen auch in China immer noch über Umlaute satt, und können so diese Gelegenheit nützen, allen unseren Lesern – auch und speziell den Asiaten unter ihnen – für das neue Jahr im hübschesten Umlautdeutsch alles Schöne zu wünschen, sowie Güte und eine gesunde Blässe auch. Güten Rötsch!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wiedergutmachungsbäckerei

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


25.12.2008 | 18:06 | Anderswo | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

Der grösste Weihnachtsbaum der Welt


Weihnachten, Ostern und Pfingsten in einem
Pünktlich zum Fest eröffnete der Hongkonger Kasino-Mogul Stanley Ho Hung-sun vor einer Woche sein neues Fünf-Sterne-Hotel Lisboa Grand in der chinesischen Spezialverwaltungsregion Macao. Das Gebäude, das auch das bereits im letzten Jahr eröffnete neue
Lisboa Grand-Spielkasino
beherbergt, soll der Form einer Lotusblume nachempfunden sein, geht aber auch gut und gerne als umgekehrter Weihnachtsbaum durch, vor allem, wenn es nachts illuminiert ist. Der Baum steht auf einem riesigen Ei von 56 Meter Höhe und 189 Meter Durchmesser, womit Ho auch das grösste Osterei der Welt in den Komplex integriert hat.

Das Lisboa-Kasino ist zwar nicht das grösste Kasino der Welt; das ist das nur ein paar Kilometer entfernt stehende The Venetian des amerikanischen Kasino-Königs Sheldon Adelson, dem Herren über das Kasino-Imperium "Las Vegas Sands". Doch das Lisboa hat die besseren Gimmicks. So ist das Riesenei von einem fast 11.000 Quadratmeter grossen LED-Teppich bedeckt, der aus über 59.000 Pro-Pixel-Leuchtelementen besteht. Jedes dieser Elemente enthält 20 LEDs und ist individuell steuerbar, so dass Stanley Ho auf dem Ei Texte, Grafiken, Videos, chinesische Schriftzeichen und sogar Umlaute zeigen kann, wenn ihm gerade danach ist. Angeblich soll das Trumm in der Lage sein, mehr als 4,3 Billionen Farben darzustellen. Das allerdings gibt Anlass zur Sorge, denn würde so etwas tatsächlich versucht, dürften wohl mit einem Schlag sämtliche Farbvorräte der Welt erschöpft sein. Für das nächste Weihnachtsfest hiesse es sodann, dass wir nur noch durch graue Fussgängerzonen wandeln, dito Ostern. Ob das aber wirklich wünschenswert ist oder nicht, darüber könnte jeder Riesenmaschinenleser zwischen den Jahren mal nachdenken. Stanley Ho tut es gewiss nicht.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


17.12.2008 | 20:26 | Berlin | Supertiere | Zeichen und Wunder

952. Jahrestagung des Nordostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V.


(Foto: Michael Brake)

Huggenberger ging seine Notizen noch ein letztes Mal durch. Der heutige Vortrag vor der "Arbeitsgemeinschaft Urbanes Leben im 21. Jahrhundert" würde Soltermanns "Höhlenvögel"-Theorie endgültig auch vor den konservativsten Kollegen diskreditieren. Nie war er sich seiner Sache so sicher gewesen. Unterirdisch lebende, um 2250 ausgestorbene Vögel, wie hatte Soltermann die Fachwelt so lange zum Narren halten können! Das Hauptargument des Widersachers, Glas sei für die Menschen von damals unsichtbar gewesen, stand natürlich weiterhin im Raum. Aber weshalb die Behörden ausgerechnet durch die Aufbringung von Abbildungen harmloser kleiner Tiere auf eine solche Gefahr hätten hinweisen sollen, warum nicht z.B. durch die Silhouetten junger Männer auf Feindfahrt – an dieser Stelle klaffte eine Lücke in Soltermanns Theorie, und diesmal würde Huggenberger nicht schweigen, diesmal nicht! "Warum nicht gleich Schwebfliegen!", sagte er anklagend zum Spiegel auf der Herrentoilette, und schob probehalber noch ein "Hm?" nach.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein schöner Tag im Lenkungsausschuss Obst


12.12.2008 | 12:06 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

Ein schöner Tag bei den Berliner Verkehrsbetrieben

"Machen Sie den Kunden die schiere Überfülle unserer Haltestellen irgendwie grafisch anschaulich!", hatte Klapheck gefordert, "7.432 Haltestellen, da muss man sich doch nicht verstecken, das kann sich doch sehen lassen!" Aber als es darum ging, wo sich diese vielen Haltestellen eigentlich befanden, hatte Wisseling natürlich aus keiner Abteilung der BVG Antwort auf seine Mail erhalten. Wahrscheinlich wusste man es nirgends so genau, 7.432 Haltestellen, das waren ja auch verdammt viele, wer sollte da den Überblick behalten. Na, es würde schon nicht so drauf ankommen. Erst mal Spree, Dahme und Havel aus dem Gedächtnis eingezeichnet. Dort hielten sicher keine Busse, und auch im Müggelsee nicht. Aber auf den Flugfeldern in Tegel und Tempelhof? Fuhren da nicht andauernd Busse herum? Und wo Busse waren, gab es sicher auch Haltestellen, viele Haltestellen. Die Busse der BVG hielten auch in Häusern, und in Parks, wie sollten alte und gebrechliche Bürger sonst ins Grüne gelangen? Jetzt noch die lückenlose Versorgung des Teltow- und Landwehrkanals mit Schiffshaltestellen herausstreichen. So, schon fertig. Waren es auch genau 7.432 Punkte geworden? Ach, das sollte der Praktikant übers Wochenende nachzählen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein schöner Bloomstag in der Güldenkron Fruchtsaft GmbH, D-57647 Nistertal


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