Riesenmaschine

09.12.2005 | 15:37 | Berlin | Was fehlt

Falschkensteinstrasse


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Mit der Umbenennung von Strassennamen hat man in Berlin grosse Erfahrung. Im Wesentlichen kann man vier grössere Umbenennungswellen ausmachen, alle selbstredend im chaotischen 20. Jahrhundert angesiedelt, von dem sich allgemein viel zu selten distanziert wird. Die erste Umbenennungswelle kam kurz nach der grossen Eingemeindung von Berlin 1920, als hunderte Strassen in Berlin gleich hiessen, weil 40 Kilometer entfernte Dörfer jetzt eine Stadt waren und sich zuvor kaum um Namensoriginalität geschert hatten. Die zweite Welle wurde von den Nazis angeschoben, die alle Namen änderten, die jüdisch, kommunistisch oder irgendwie zweifelhaft erschienen. Nach dem Krieg wurde in einer dritten Welle vieles wieder zurückbenannt oder im Ostteil mit den Namen kommunistischer Ikonen und Ikönchen versehen. Was nach der Wende 1989 wiederum als unzeitgemäss und damit änderungswürdig empfunden wurde (Vierte Welle). Ein ausgesprochen schmuckes Beispiel (wenn auch die DDR-Rückumbenennung fehlt) ist die heutige Singerstrasse, die von 1748-1926 Grüner Weg hiess, ab 1926 Paul-Singer-Strasse genannt wurde, 1933 treffend in Brauner Weg umgenannt wurde, was verständlicherweise 1947 in der Sowjetischen Besatzungszone unpassend geworden war und man die Strasse teilrückbenamte in Singerstrasse. Zu finden sind diese und noch viel, viel mehr interessante Informationen im guten und richtigen Berlin Lexikon, besonders schön das historisch aufbereitete Strassennamenverzeichnis. Soviel zum geschichtlichen Teil, es folgt nun der farbig bebilderte heutige Teil, denn offenbar steht eine 5. Umbenennungswelle unmittelbar bevor, die den Regeln der Neuen Deutschen Rechtschreibung folgt. Das jüngst in Kreuzberg aufgenommene Foto beweist, dass die Falckensteinstrasse inzwischen ohne das altertümliche c nur noch mit k geschrieben wird. Wir wissen nicht, ob General Eduard Vogel von Falckenstein diese Umbenennung gutgeheissen hätte. Wir warten von nun an aber entzückt auf das erste Strassenschild mit dem Namen Qdamm.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Reclaiming the Streetnames


Kommentar #1 von dietbert:

Wenn ihr schon moniert, dass aus "Falck" ein "Falk" wird, solltet ihr doch anerkennen, dass eine "Strasse" eine "Strasse" ist und keine "Strasse", denn mit Strass hat das nicht das geringste zu tun.
Und ob "das geringste" jetzt "das Geringste" geschrieben wird oder schon lange, lange wurde, weiss ich auch nicht, da mein Deutschlehrer in der achten Klasse sagte, dass das mit der Gross- und Kleinschreibung eh bald abgeschafft würde – und das war 1972.
Ansonsten: Weiter so!

09.12.2005 | 17:43

Kommentar #2 von Kathrin:

Siehe dazu Warum eine Strasse eine Strasse eine Strasse ist.

09.12.2005 | 19:54

Kommentar #3 von MC Winkel (www.whudat.de):

Dafür haben wir hier in Kiel aber den FalCkensteiner Strand. Da wird Ed Birdy Vonundzu Euretwegen schonmal ein Auge zudrücken...

10.12.2005 | 12:58

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