Riesenmaschine

18.09.2006 | 02:26 | Anderswo | Nachtleuchtendes | Alles wird schlechter

Versteh einer Bahnhof


Bunt verliert (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Zuerst die superschlechte Nachricht: Der Fotomat ist weg. Sie haben den äonenalten Schwarzweiss-
Fotoautomaten vom Zürcher Hauptbahnhof entfernt, der auf kontrastreichem Barytpapier aus Zeiten Andy Warhols für unfassbare zwei Franken die besten Fotos der Welt machte. Seinen Platz hat eine computertechnisch aufgebrezelte Plastikmaschine eingenommen, die für zwei Franken allenfalls noch drei "Spassbilder" als flaue Digiprints in absurdem Hochkantformat ausdruckt, dafür aber mit der keck-aufgeweckten Quengelstimme eines Navisystems nervt.

Als kleinen Trost und Beschwichtigung für den solchermassen in Rage getriebenen und echauffierten Zürich-Reisenden haben sie im Bahnhof selbst nun ein 3,3 Tonnen schweres und weltweit erstes dreidimensionales und bivalentes (was immer das heissen mag) Farbdisplay namens Nova angeschraubt. Die 25.000 Lichtkugeln, in herabhängenden Schnüren ähnlich wie anal beads angeordnet, können in mehr als 16 Millionen Farben aufleuchten und brauchen mehrere starke Ventilatoren zur Kühlung und ein eigenes Wasserkraftwerk für den Strombedarf. Theoretisch können damit sogar Filme dreidimensional wiedergegeben werden. Praktisch kackt das Ding ziemlich ab gegen die obszön und monströs hässliche Nana von Niki de Saint Phalle, die am anderen Hallenende baumelt. Und vom praktischen Nutzwert her kann Nova es eh nicht mit dem schmucklosen, aber funktionalen Fotomaten aufnehmen, der mehr als 16 Millionen Farben darstellen konnte, solange sie entweder Schwarz oder Weiss waren.


Kommentar #1 von irgendwem:

Nicht alles, was als Schwarz-Weiss-Foto daherkommt, kommt auf Barytpapier. Und aus Foto-Automaten kam nie Barytpapier, ehrlich. Ganz früher kamm immerhin "richtiges" Papier raus (allerdings ohne Barytschicht), seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kommt nur noch kunststoffbeschichtetes Papier, immer seltener in Schwarz-Weiss und kaum irgendwo noch zum Preis von 2 SFr.

18.09.2006 | 10:13

Kommentar #2 von www.weltenweiser.de:

Dann doch lieber Heather Nova oder Novalogic statt Neon-Nova.

18.09.2006 | 11:47

Kommentar #3 von flügelkatze:

Immerhin hängen die Schweizer Ihre Kunstwerke in Bahnhöfen anscheinend lieber von der Decke, statt sie wie ihre deutschen Kollegen den reisewilligen Bahnhofsnutzern in den Weg zu stellen. Am Berliner Ostbahhof immerhin passend: ausgestorbene Tiere in vom Austerben bedrohten Verkersknotenpunkt.

18.09.2006 | 19:29

Kommentar #4 von Kathrin:

Ähm, ja.

18.09.2006 | 19:46

Kommentar #5 von irgendwem:

Wobei der Ostbahnhof ja bisher noch gar keine Aussterbeerscheinungen hat, das wird immer mit dem Bahnhof Zoo verwechselt.

18.09.2006 | 21:06

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