Riesenmaschine

19.01.2008 | 20:50 | Alles wird schlechter | Papierrascheln

O Progress, Where Art Thou?


Nur in Fusion mit Heckenschere zu öffnen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Geschichte der Einweg- und Aufreissverpackung ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Während der Fortschritt auf dem Feld der Nassrasierer und Spülmaschinentabs stoisch gleichförmig wie auf Gleisen abzuschnurren scheint nach dem Motto "mehr ist mehr", eine Bifurkationslinie nicht in Sicht, ist ihr Weg ein steiniger und von vielen Rückschlägen gekennzeichnet.

Eigentlich, wenn wir ehrlich sind, muss davon gesprochen werden, dass die Rückschritte überwiegen. So stellte sich seinerzeit beim Einkauf von Kurzwaren im Kolonialwarenladen mit den praktischen Papiertüten die Problematik nicht einmal. Dann kam die Sichtverpackung mit Papprückwand, an der man sich regelmässig den Daumen verstauchte, wenn man an die neue Zahnbürste wollte. Den historischen Tiefpunkt auf diesem Gebiet markierte neben eingeschweissten CD-Hüllen bislang die Doppelblister-Verpackung, wie sie gern bei asiatischer Billigelektronik zum Einsatz kommt, der sich im Grunde nur mittels Sprengtechnik zuleibe rücken lässt. An der Milchverpackung wiederum liesse sich nachvollziehen, wie ein linearer Weg vom Plastikbeutel und Monobloc mit eingezeichneter Schneidelinie über die unzuverlässige Perforation mit Überschwemmungsgarantie, den Tetrapak mit schwappanfälliger Origami-Technik bis zum praktischen und funktionalen Schraubverschluss führt.

Warum nun gerade und ausgerechnet bei den Wechselklingen des Gillette Fusion, die ihrerseits mit ihren fünf plus einer Klinge den vorgezeichneten Wachstumspfad innovativ interpretieren, dieser herbe Schlag ins Kontor? In Anlehnung an die Doppelblister ist die Verpackung rundum hermetisch versiegelt, fast möchte man sagen: abgeriegelt, keine Aufreisslasche nirgends. Dafür als Reminiszenz an die Milchtüte die vertraute und längst vergessene Schnittlinie mit Scherensymbol und dem paternalistischen Vermerk "Hier aufschneiden" an beliebiger Stelle. Angesichts der skulptural modellierten Verpackung wäre jede andere Schnittebene, die nicht den Inhalt komplett zerstört, ähnlich ungeeignet gewesen. Das Aufschneiden selbst, für das eine Nagelschere nicht ausreicht, vielmehr schweres Gerät erforderlich ist, erweist sich dementsprechend als Akt höheren Berserkertums und erinnert an das Zersägen gefrorener Rinderhälften mit der Flex oder den Abriss einer Scheune mit der Nagelschere Kettensäge, so sperrig und spelzig stellt sich die Verpackung dabei an. Selbst bei der anschliessenden völlig reibungs- und widerstandsfreien Rasur haftet diese unangenehme Erfahrung noch im Gehirn und macht schlechte Laune. Den Fortschritt auf diesem Sektor hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.


Kommentar #1 von irgendwem:

Toll: "Ergebnisse 1 – 10 von ungefähr 21 für Bifurkationslinie. (0,21 Sekunden)". Und kein bisschen schlauer, was der wunderbare Begriff bedeutet. Bitte nachbessern, Herr Friebe. Dann ist der ganze Eintrag so schön wie die Überschrift.

19.01.2008 | 22:21

Kommentar #2 von Katholischer Googlehilfsdienst:

Wikipedia.

19.01.2008 | 22:55

Kommentar #3 von bikinizone:

was ich mich schon die ganze zeit frage: werden rasierklingen wirklich so oft geklaut, oder sind sie nur an der kasse erhältlich, weil es das produkt irgendwie exklusiver macht und somit den preis rechtfertigt?

19.01.2008 | 23:38

Kommentar #4 von Katholischer Googlehilfsdienst:

"Ladendiebe klauen laut Dienstleistungsbarometer vor allem kleine, teure Produkte: Weine und Spirituosen, Damenbekleidung und Parfums, Kosmetika und Rasierklingen, DVDs und CDs." Quelle. Siehe auch RFID-Chips in Rasierklingenverpackungen.

20.01.2008 | 00:03

Kommentar #5 von afcy:

Es soll Grossmärkte für Verpackungsmaterial geben, wo selbst die angebotenen Blister so eingeblistert sind.

20.01.2008 | 00:32

Kommentar #6 von ding der unmöglichkeit:

ich warte auf das erste i-phone in kunstharz. man bedenke allein all die neurotischen handybesitzer, die niemals die kratzschutzfolie vom display nehmen. das sind noch uneroberte märkte. don t let them use you, dinge, schützt euch gegen den benutzer!

20.01.2008 | 07:59

Kommentar #7 von slowtiger:

Ich gebe zu, auf einem der Reklamationswege zum Händler das zu dunkle Display eines Gadgets bemängelt zu haben. Es war aber noch die Folie drauf. Dunkel wars dennoch, auch nach Abziehen derselben.

20.01.2008 | 11:54

Kommentar #8 von M:

Ach schön, endlich mal wieder ein Artikel, dessen Thema einen spontan anspricht, der beim Lesen die erwünschten Probleme hinsichtlich Verständnis der Satzkonstruktion und der verwendeten Fremdworte bereitet und auch noch schnell viele Kommentare provoziert. Mehr davon.

20.01.2008 | 17:13

Kommentar #9 von Rippe:

Is doch auch scheissegal, wie das geschrieben ist, ich hasse jedenfalls diese verf An dieser Stelle habe ich einen Inflektiv hingemacht, für den ich mich schämen werde, sobald ich begriffen habe, was das überhaupt ist. An dieser Stelle habe ich einen Inflektiv hingemacht, für den ich mich schämen werde, sobald ich begriffen habe, was das überhaupt ist. An dieser Stelle habe ich einen Inflektiv hingemacht, für den ich mich schämen werde, sobald ich begriffen habe, was das überhaupt ist. Verpackungen auch, und es macht es keinen Deut besser, dass ich jetzt weiss dass die Schei An dieser Stelle habe ich einen Inflektiv hingemacht, für den ich mich schämen werde, sobald ich begriffen habe, was das überhaupt ist. e Doppelblister heisst.
Ihr Erfinder und alle die sie einsetzen sollen von 6 Monaten Brechdurchfall geplagt werden. JEDES JAHR!

20.01.2008 | 22:18

Kommentar #10 von Rippe:

Und nein, ich habe keinen verfickten Inflektiv hingemacht, ich hab überhaupt gar nix hingemacht heute, wo es nicht hingehört. Schlaue Spamfilter sind auch nur so gut wie der Mensch, der sie mit ficken Dingern in die Rechenmaschine gehämmert hat...

20.01.2008 | 22:20

Kommentar #11 von Frau Grasdackel:

Das ist doch alles nur wegen den bösen Viren. Wer schon mal mit einem Norovirus auf du und du gestanden hat, der wünschte, dass die Bockwurst aus der Imbissbude dreifachgeblistert gewesen wäre und er sie eigenhändig erst zuhause gebraten hätte.

21.01.2008 | 03:29

Kommentar #12 von von vornherein absolut unrealistisch:

Wenige wissen, dass die INPE eine doppelt geblisterte Mission in die Photosphäre plant. Gerüchten zufolge kam Direktor Gilberto Câmara wochenlang unrasiert zur Arbeit, bevor er die Idee zu der Mission vortrug und anschliessend im Extra einen Elektrorasierer (leider kaputt, http://www.dpi.inpe.br/gilberto/) und eine Men In Black DVD erstand. Letztere war angeblich der Grund dafür, dass Câmara das Krebsleiden seines Lhasa Apso (http://images.google.de/images?q=Lhasa+Apso) versehentlich mit einem Handstaubsauger (http://images.google.de/images?q=dyson+dc16+animal) beendete.

21.01.2008 | 16:13

Kommentar #13 von Krille:

...oder mann lässt sich garnicht mehr auf die ohnehin überteuerten und unrecylebaren Wegwerfklingen ein. Schafft Euch lieber Rasiermesser an.
Für die Remannzipation der Nassrasur!

21.01.2008 | 16:20

Kommentar #14 von RAL seidenmatt:

Den Mikroverletzungen der Gesichtshaut durch jahrelangen Nassrasiererkonsum nicht unähnlich sind die Verletzungen an der "Schnitthand" durch unprofessionelles Öffnen der hier verfluchten An dieser Stelle habe ich das Schimpfwort ausgeschrieben, weil ich begriffen habe, was Asteriske sind und das sie peinliche Kursivsätze nach sich ziehen. Blisterverpackungen. Ständige Blutverluste, die mich als Rotkreuzspender dauerdisqulifizierten, liessen mich tätig werden und eine geheime Schnitttechnik für diese Anti-Personen-MinenVerpackungen entwickeln, welche ich inzwischen in VHS-Kursen (Nr. 673-b, Raum 18, max. 20 TN., bitte grobe Schneiderschere mitbringen) vermittle.

21.01.2008 | 19:57

Kommentar #15 von Rosenresli:

Peinlich finde ich das das das das Skript das prodasiert. Naja oder jedenfalls peinlichähnlich.

21.01.2008 | 20:26

Kommentar #16 von RAL seidenmatt:

[noparse][/noparse]In diesem Fall mein BB-Code, Rossenressli, die Maschine ist unschuldig.[noparse][/noparse]

21.01.2008 | 22:11

Kommentar #17 von tash:

let me go on, like a blister in the sun, let me go on!

22.01.2008 | 08:10

Kommentar #18 von kikkoman:

Mein Vorschlag zur aktuellen Jugendstrafrecht-Debatte:
Wenn nichts mehr hilft, kommen jeden Vormittag, wenn der junge Delinquent noch schläft, ein paar Herren von der Polizei vorbei und blistern dessen sämtliche Habseligkeiten ein.
Den Rest des Tages ist der dann damit beschäftigt, alles wieder auszupacken. Billiger und härter als jeder Knast.
Wenn ihn das auch nicht zur Räsong bringt, wird er selbst eingeblistert. Dann soll er erstmal!

23.01.2008 | 20:44

Kommentar #19 von hagbard der ältere:

ich nehme gerne grosse, martialklingenbesetzte brotmesser und füge damit der packung möglichst schmerzhafte verletzungen zu.

25.01.2008 | 17:05

Kommentar #20 von 4ndreas:

man wieso kommt mir des problem soo bekannt vor ich neulicht in amiland ich hab natürlich kein stromadapter dabei, gut schnell ein überteuert im souvenirladen des hotels gekauft weil der laptop nach strom geschrien hat ... und dann folgte ein 15 minütiger kampf meinerwenigkeit bewaffnet nur mit meinem Atuoschlüssel (da man sich nicht getraut hat auch nur irgendwelche spitzen gegenstände ins gepäck zu packen) aus dem ich dann schlussendlich trotz einiger schnittwunden als sieger hervorgegangen bin.
chaozlab.blogspot.com

26.01.2008 | 13:24

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"Rosewood Lane", Victor Salva (2011)

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