Riesenmaschine

23.08.2005 | 16:17 | Zeichen und Wunder

Crewdsons Zeug



Wer immer dachte, die minuziös inszenierten Großformate von Jeff Wall (noch bis zum 25. September im Schaulager, Basel) markierten das obere Ende der Skala dessen, was sich im Bereich Kunstfotografie an Aufwand betreiben lässt, darf nochmal denken. Gregory Crewdson inszeniert seine surrealen Tableaus mit dem Aufwand einer kleinen Hollywood-Produktion und erzeugt damit detailversessen durchkomponierte und perfekt ausgeleuchtete "Fear and Loathing in Suburbia"-Szenerien von so apokalyptischer Rätselhaftigkeit, dass David Lynch sich dagegen gehackt legen kann (ab. 2. September im Kunstverein Hannover).


23.08.2005 | 12:49 | Sachen anziehen

Salz auf unserer Haut

Manche Menschen mögen es zwar sexy finden wenn Frauen sich hinten am Fuße kleine niedliche Pflasterchen hinpappen, um durch Fuck-Me!-Schuhe erzeugte Blasen abzukleben, doch im Normalfall sind Pflaster unglitzernd. Nicht deutlich glitzernder, aber zumindest Aufsehen erregend sind Pflaster in Frühstücksspeck-Look. Auf einer Veganerparty macht derlei Zierrat womöglich einsam, aber es war halt schon immer etwas unbequem, einen besonderen Geschmack zu haben.


23.08.2005 | 12:49 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Zinken 2005

Vor das Umziehen, eine an sich schon nicht sehr beliebte Tätigkeit, hat das Schicksal die Wohnungssuche gesetzt, die Anstrengung mit Demütigung kombiniert. Wir alle wissen, daß eine Aussage wie 4ZKBB/WM700 eigentlich überhaupt nichts aussagt, das dient bestenfalls zum Anzeigensortieren. Und sofern man nicht Nachmieter ist, kriegt man die Vormieter nicht zu fassen, die einen vor dem bollerndem Nachbarn oder der nässenden Wand warnen könnten. Bald schon werden aber professionelle Wohnungstester ihr Siegel an den Leerraum kleben, es wird dort stehen, ob die Wohnung unser Geld wirklich wert ist. Bis dahin freuen wir uns über erste Testimonials wie dieses, noch ungelenk ans Haustor gekritzelt, aber es ist ein Anfang.

Markus Kempken | Dauerhafter Link


23.08.2005 | 12:42 | Was fehlt | Sachen anziehen

Eidechsentrikots

Im Fussball hört man oft von Textilfouls. Seit einiger Zeit soll dieses Zerren am Trikot des Gegenspielers vom Schiedsrichter hart abgestraft werden. Nichts gegen gewisse Neuerungen im Regelwerk. Aber liesse sich die Sache nicht auch interessanter, und – bionisch gesprochen, man lernt ja vom Tier dieses und jenes – eleganter lösen?

Auftrag also an die Biotechnologen: Schafft ein, zwei, elf Eidechsentrikots. Solche Leibchen nämlich, die sich, sobald der Gegener sie grapscht, nicht in die Länge ziehen und den so Gegrapschten zu Fall bringen, sondern die statt dessen, der Eidechse Schwanzende analog, abfallen um sich danach noch einige Zeit lang dribbelnd auf dem Rasen zu winden, während der verbliebene, enthuschte Rest-Kuranyi den Ball unterdessen gemütlich im kurzen Eck verstaut. Wir sähen das gerne. Und auch in den Zeitlupen, die dann ggf. im Splitscreen-Modus, hier abgeworfenes Trikot, da Stummeltrikot, wiederzugeben wären – mit doppelter Trikotwerbung! – gäbe das einiges her, den Sponsoren-heischenden Vereinen sogar das Doppelte.

Martin Bartholmy | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


23.08.2005 | 04:04 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Aufgeblasen

Deutschland wird nie so fröhlich und farbenfroh sein wie Amerika. Das liegt vor allem daran, dass man in Amerika immer noch Luftballonhersteller werden kann, wenn man nicht geschickt genug ist, um neue Planeten zu bauen. Die Folge: Jede, aber wirklich jede noch so perverse Phantasie kann im Laden um die Ecke als kilometerhohe, aufgeblasene Skulptur bestellt werden. Der Luftballon wird so zum integralen Bestandteil amerikanischer Optimismuskultur; er ist unverzichtbar bei Raketenstarts, Präsidentschaftswahlen, Kriegserklärungen. In Deutschland dagegen belächelt man den Luftballon immer noch als Kinderspielzeug; sein Potential als Macht- und Herrschaftsinstrument wird weitgehend ignoriert. Ballonhersteller wird man hierzulande, wenn man erst als Flohzirkusdirektor, dann als Straßenclown, schließlich auch noch als Webdesigner gescheitert ist, wie man klar und deutlich erkennen kann. Infolgedessen reichen die Ideen für neue Produkte so ungefähr von roten Herzen über Mickeymäuse und gelbe Herzen bishin zu Mickeymäusen und blauen Herzen – manchmal sogar so einen knappen Meter groß. Zum Glück muss man sich dieses kleingeistige und viel zu wenig aufgeblasene Elend nicht ansehen, weil die Webseiten dafür zu langsam sind.


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"Goya's Ghosts", Milos Forman (2006)

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