Riesenmaschine

11.06.2006 | 06:10 | Anderswo | Alles wird besser

Sprich zu mir, Ding


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Schon wieder kommt eine Innovation aus dem Untergrund, diesmal aus kanadischen U-Bahnen, offenbar ein fruchtbarer Boden, aus dem jetzt lautgebende Werbeplakate wuchern. Erfunden von der Agentur BBDO, deren Philosophie "Work Work Work" lautet, ein zumindest fragwürdiger Ansatz, sind die Pepsi-Plakate, die es in ähnlicher Form auch für ähnliche Getränke gibt, versehen mit einem Anschluss für Kopfhörer, der, wenn man ihn fachgerecht benutzt, zunächst Teile einer Musikalie hervorbringt und sodann verzweifelt versucht, den Menschen auf eine Webseite zu locken (hier der Vorgang im Film). Weil Plakate aber noch kein Internet haben, muss man die URL auf dem gesamten langen restlichen Heimweg vor sich hinmurmeln, nur um dann herauszufinden, dass man erst Cola kaufen muss, bevor man das Webangebot nutzen kann. Irgendwie ist das noch nicht 100%ig ausgereift, obwohl die generelle Richtung, Dinge sprechen zu lassen, vollkommen zeitgemäss ist. Man erfährt ja sonst so wenig über unbelebte Zeitgenossen. Übrigens: Kanada, liebe Promago-Betriebsblogger, liegt nicht in Australien, dafür ist es viel zu gross.


10.06.2006 | 18:16 | Anderswo | Was fehlt

Games Without Frontiers


Haha! Da ist gar nichts! (Foto: 45614557@N00) (Lizenz)
Virtuelle Realität ist, von aussen gesehen, ein wenig demütigend. Man mag durch wundersame Welten schreiten und atemberaubend interagieren, von aussen sieht man dabei aus wie ratlos durch die Gegend taumelndes Obst oder ein Riesenhamster im Tarnrock. So wird es sicherlich auch bei der heute im Kopenhagener Statens Museum eröffnenden Ausstellung Invisible Maze sein. Besucher der Ausstellung bekommen Infrarotkopfhörer verpasst und werden damit in eine grosse, leere Halle geschickt, wo ihnen ein Summen im Kopfhörer verrät, dass sie sich gerade virtuell die Besucherrübe angestossen haben und also abbiegen müssen. Würdeloses Taumeln und albernes Gekicher der Besucher sind garantiert, aber im Grunde ist gegen die Beseitigung der lästigen Wirklichkeit und ihre Ersetzung durch vorerst summende Kopfhörer, und später dann hoffentlich gar nichts, nicht das Geringste einzuwenden. (via Technovelgy)


10.06.2006 | 12:07 | Anderswo | Supertiere

Alle wollen immer laufen


Wollen nicht mitlaufen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
In etwa einem Monat, am 6. Juli, findet wieder das Stierrennen durch Pamplona statt. Es wird diesmal wieder weniger Verletzte oder gar zu Tode Getrampelte geben, weil man letztes Jahr nach 415 Jahren endlich darauf kam, dass die Glätte der kopfsteingepflasterten engen Gassen der eigentliche Grund ist, warum die Tiere so aggressiv sind, weshalb man sie vorher mit einer Antirutschschicht bestrich (nicht die Stiere). Immer mehr Zuschauer interessieren sich aber auch für die Gegenveranstaltung der Nudisten-Tierschutzorganisation Peta, die mit nichts als Plastikhörnern, Pixeln und dem obligaten roten Halstuch bekleidet bereits am Vortag durch die Strassen laufen. Die Halstücher werden übrigens nach beiden Rennen rituell an die Kirche San Lorenzo genagelt und angezündet, woran die Gruppe der Churchkicker und vor allem Burzum sicher eine helle Freude hätte. Am Tag nach der Fiesta, dem "encierro del día 15" laufen die, die den Hals nicht voll genug bekommen können, die gleiche Strecke noch mal, aber vor dem ersten Linienbus. Einen Ableger des Rennens gibt es mittlerweile auch, und zwar im neuseeländischen Nest Te Kuiti, dort sind es allerdings keine Stiere, sondern Schafe, und sie enden auch nicht in der Arena, sondern beim Frisör.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


10.06.2006 | 03:22 | Essen und Essenzielles

Spottgeburt von Staub und Zement


Ist angerichtet. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wie brezelt man langweilige Esssachen auf? Der Werbelaie denkt vielleicht zuerst an Fresssucht, Magersucht oder Bulimie, aber das ist ein Holzweg. Es wäre vielleicht ehrlich, Diät-Produkte als Anorexie-Einstiegsdroge zu bewerben, schadete aber sicherlich den Verkäufen.

Lustiger ist da schon das nach der Elster benannte Pica-Syndrom, dessen Anhänger unterschiedslos alles in sich reinstopfen, was stopfbar ist: Insekten, Exkremente, Staub, Erde, Steine, Asche, Staub, Farben, Kalk, Haare, Gips, Kreide, Zement, Seife, Schaumstoff, Gummi, Staub, Kohle, Zündhölzer, Blei, Zigaretten, Holz, und zum Nachtisch noch mal extra Staub (Der Appetit auf japanisches Speiseeis oder essbare Damenunterwäsche ist hingegen nicht pathologisch). Aber so lustig das Pica-Syndrom sich auch anhört, Eltern stehen Störungen ihrer Kinder kritisch gegenüber. Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass sich ein essbares Gemisch aus zum Beispiel Staub und Zement erfolgreich vermarkten liesse.

Prima finden Kindelmacher es hingegen, wenn ihre Windelträger Wissensbissen runterwürgen. Der Firma Pringles, die vor einiger Zeit ihr Gebäck aus Staub, Zement und Kartoffelaroma mit nutzlosen Fragen bedruckt hat, folgte jetzt die Firma Mars mit dem Angebot, ihre M&M Linsen von den Kunden beschriften zu lassen. Ganze Werke der Weltliteratur liessen sich so auf dem Trittbrett einiger Zentnern Süsswaren in die Kinder schaufeln; Erwachsene können natürlich auch Gebrauchsnachrichten draufdrucken. Interessant wäre zu erfahren, ob M&Ms eine Redaktion hat, die Orthografiefehler ("Heil Hilter") oder Realitätsstrukturgefährdendes ("Dies ist kein M&M") korrigiert.


09.06.2006 | 17:51 | Alles wird besser

Spätes Sternumglück


Unästhetischer Nagellack (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Spätestens seit der Erstaustrahlung von McGyver und allerspätestens seit August 2005 weiss jeder da draussen, dass Kabelbinder die Welt und alles andere zusammenhalten. Darum ist es eigentlich keine Meldung wert, wenn man Kabelbinder in Zukunft auch verstärkt im Gesundheitswesen einsetzen wird: Bei jeder vernünftigen Operation am offenen Herzen muss man zunächst das Brustbein, auch Sternum genannt, längs aufsägen, wobei es herrlich Knochenspäne spritzt. Die Hälften, einmal getrennt, wieder zusammenzubringen, ist das eigentliche Problem, und bisher verwendete man dafür Draht, Nägel oder diese anderen Behelfslösungen vom Bau. Berichtenswert, ja, beklagenswert ist es jedoch, feststellen zu müssen, dass man elf Medizinstudenten, zwei Semester Arbeit und 1.500 Dollar braucht, um auf die Idee zu kommen, dass es auch mit Kabelbindern geht, was der Johns-Hopkins-Universität zudem noch einen Preis und eine Pressemitteilung wert war. McGyver wäre darauf in wenigen Sekunden gekommen, und zwar auch, wenn es sein eigenes Brustbein wäre, das da sinnlos auseinanderklafft.


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