Riesenmaschine

23.08.2006 | 16:55 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Schule hat begonnen


Ich bin kein Tornister
Es gibt bekanntermassen ein Paralleluniversum, in dem Menschen Kinder zeugen, gebären, auf- und erziehen und in diesem Zusammenhang auch in die Schule schicken. Was zu einer besonderen Form der Strassenverschmutzung in Form von unappetitlich bunt blinkenden Tornistern führt. Nun ist der Tornister, vor allem der weiland zu militärischen Zwecken gebrauchte, als solcher zwar nicht zwingend hässlich, meistens aber eben doch. Das Unternehmen sonnenleder.de zeigt, wie es anders geht. Für lächerliche 229,90 Euro bietet es einen "Startschulranzen" feil, der allein stolze 1400 Gramm auf die Waage bringt und das diesen Ranzen umhertragende Kind schon am ersten Schultag bestmöglich zum Aussenseiter macht. Einen derartigen Ranzen tragend wird man entweder täglich verdroschen, oder aber zu einem Mehrere-Klassen-Überspringer, der früh Gedichte schreibt, Stanford oder Harvard mit seiner Präsenz beehrt, Bachmannpreise bekommt oder als heroinsüchtiger Gitarrist auf der Bühne stirbt. Der Florian Illies unter den Schulranzen ist in fünf gedeckten Farben erhältlich und wird daher von uns in einer Massstäbe setzenden Vorbehaltlosigkeit empfohlen.


23.08.2006 | 11:29 | Anderswo | In eigener Sache

Riesenmaschine auf Reisen


Riesenmaschine-Altar: Schon fast fertig!
Viele Berliner können sich nicht vorstellen, dass die Welt jenseits ihrer Stadtgrenzen überhaupt noch gerendert wird. Das gilt, ehrlich gesagt, auch für die Riesenmaschine-Redaktion, die von Donnerstag bis Sonntag trotzdem teilweise auf dem 26. Erlanger Poetenfest vertreten sein wird. Und zwar mit einer Lesung, einer Podiumsdiskussion ("Der Schriftsteller im Medienzeitalter"), Riesenmaschine TV und einer Rauminstallation. Letztere, der "Altar des Alltags" wird auch für die Leser zu Hause an den Bildschirmen zugänglich sein, und zwar unter altar.riesenmaschine.de. An diesem Altar können Menschen aus Erlangen, aber auch Berlin (und sogar aus ganz anderen Städten) etwa dem Gott des übertriebenen Ehrgeizes an der falschen Stelle huldigen, aber auch dem Götterpantheon des Software-Debugging und dem Stellvertretenden Gott der Nichtzuständigkeit. In Erlangen kann zu diesem Zweck eine Kerze angezündet werden, im Rest der Welt betätigt man einen Schalter im Internet, woraufhin vor dem jeweiligen Gott ein Licht erstrahlt. Heute jedoch nicht! Erst müssen wir noch dem (durch eine heisse Nadel dargestellten) Gott der Projektfertigstellung in letzter Sekunde huldigen.


23.08.2006 | 00:08 | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

And I Feel Fine


Nur kein Menetekelekel!
In Alabama werden immer mehr Riesenwespennester, gross wie Chevrolets, entdeckt. In Australien stehen Wissenschaftler plötzlich auf hässliche Schafe. Die Quallenplage im Mittelmeer nimmt nie gekannte Ausmasse an. Menschen passen ohne Vorwarnung in extrem kleine Fernseher und sprechen in Zungen oder zumindest doch sehr sehr undeutlich. Und in den USA wurde nun auch noch herausgefunden, dass Lehrerinnen weiblich sind. Keine Frage: Die Zeichen mehren sich, das Ende ist nah!

Und in der Tat, weit entfernt ist es wirklich nicht. Tatsächlich fand es just gestern statt. Am 22. August, mit allem und extra Käse und womöglich inklusive Rückkehr des zwölften Imam. Hat jetzt gar nicht so sehr weh getan, eigentlich. Können wir gerne mal wieder machen.


22.08.2006 | 20:45 | Supertiere

Fluchtträume

Das grösste Nagetier ist das Pferd. Eine Nachricht, die bei Nichtreitern nicht verbreitet scheint. Das Ross nagt, weil Nägelknabbern beispielsweise im Laufe seiner Domestizierung durch den Hufschmied verunmöglicht worden ist, aus Langeweile an Holz herum. Die Fachmänner, wie z.B. die Grimmbrüder bezeichneten diese "Untugend Nr. 1", so wie sie nach wie vor genannt wird, als Koppen. Neu hingegen ist, dass die Tiere nicht nur aus Langeweile nagen, sondern dabei auch kreatives Potenzial entwickeln können, wie diese Lettermanshow zeigt, in der der schmerzhaft unsympathische Musiker Tom Waits zeigt, dass seine Rösser durch angestrengtes Koppen sogar in der Lage sind, Fluchtträume bildnerisch umzusetzen. Auf dem Huf liegt natürlich, dass es Waitsens schauderhafte Weisen sind, die sie davon treiben.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


22.08.2006 | 14:24 | Was fehlt

This is Rocket Science

In nur wenigen Wochen ist es endlich soweit, und im amerikanischen Niagara Falls, das zufällig genau neben den Niagarafällen liegt, findet die international hochkarätig besetzte Rocketbelt-Convention statt. Alle werden dasein, "Hal" Graham, der allererste Rocketbelt-Pilot, "Bill" Suitor, der James Bond in "Thunderball" beim Rocketbelt-Flug doubelte, und Erik Bengtsson, Spezialist für Wasserstoffperoxid, das als Treibstoff für moderne Rocketbelts dient. Eigentlich ist uns das aber vollkommen egal, denn das einzige, was interessiert, ist die Beantwortung folgender Frage: Warum verdammt hat noch nicht jeder so ein Ding in der Garage? Obwohl doch schon die Nazis fast soweit waren? Warum fahren wir stattdessen mit Strassenbahnen und Mopeds? (Gut, das waren jetzt zwei Fragen.) Space.com lässt die Spezialisten erklären. Es sei zu riskant, von zehn Piloten würden vier sterben, sagt Ky Michaelson. Wasserstoffperoxid sei sauteuer, sagt Kathleen Clough, und ein Rocketbelt verbraucht mehr als ein Hummer. Und so weiter. Aber am Ende kommt das Hammerargument: Man solle doch bitte auch die Lärmverordnungen bedenken, so ein Rocketbelt macht schliesslich gehörigen Krach. Lärmverordnungen! War die Dampflokomotive etwa leise? Man muss erst mal laute, dreckige und stinkende Sachen bauen, bevor man irgendwann viel später, aber später halt! So geht das nicht, wenn sich alle so angestellt hätten, würden wir heute immer noch auf Draisinen nach Mallorca fahren.


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