Riesenmaschine

16.10.2006 | 01:22 | Anderswo | Alles wird besser

Der elektrische Unkrautjäti


Sieht aus wie ein Unkrautjäti, ist aber keiner. (Foto: peyri)
Es klingt wie eine ausgezeichnete Idee. Statt Felder mit grossen Mengen von Flüssigkeiten mit komplizierten Namen einzusprühen, damit böses Kraut zuhause bleibt und gutes Kraut frohlockt, schickt man niedrige Niedriglohnarbeiter mit der Nase an der Scholle ins Feld, die das Unkraut abschneiden, und Gift auf den Stumpf tun. Und wäre es nicht praktisch, wenn diese pflegeleichten Helferlein, statt Mittagspause zu machen, sich einfach von Sonnenlicht ernähren könnten? So dachten sich Studenten an der Universität von Illinois das, weil sie die Nase voll davon hatten, selbst durchs Feld zu krabbeln, und also bastelten sie sich einen autonomen Solarroboter zur Unkrautbeseitigung. Könnte dieses Meisterwerk sich auch noch selbst aus Ackerscholle und Pflanzenabfall replizieren, die grausame Herrschaft des Unkrauts über den Menschen könnte schon bald gebrochen sein – wenn, ja, wenn die Erfinder dem Jäti nicht auch noch einen Internetanschluss eingebaut hätten. Und wer Unkraut jäten ginge, wenn er auch im Internet Roboterporno gucken könnte, ist zum Jäten doch garantiert zu doof.


15.10.2006 | 15:18 | Anderswo | Sachen anziehen

Gebärmuttersarg


Sarghammer
Die Ga sind eine kleine Volksgruppe im Süden von Ghana. Die Ga glauben, die Toten würden im Jenseits wieder arbeiten müssen und um ihnen dort den Berufseinstieg zu erleichtern, beerdigt man die Toten gerne in wunderschönen Särgen. Fischer in Fischen, Ananaspflanzer in Ananassen, Geschäftsleute in Mercedessen und ein Metzger in einem Schweinefuss. Symbole sind ebenfalls sehr beliebt, solche des Status (Turnschuhe, Colaflaschen) und solche der Magie (Schlangen, Hähne). Kane Kwei und sein Nachfolger Paa Joe sind die bekanntesten Sargbauer und gerade werden sie von der westlichen Kunstwelt entdeckt. Vermutlich sehen die Kuratoren und Kunstsammler darin Claes Oldenburg von und für Arme mit einem Schuss naiver Exotik und fertig ist die Kunst. Und an fremden Kulturen Interessierte sehen darin etwas herrlich Verrücktes und gleichzeit so Tiefgründiges und selbst-im-Tod-so-voller-Lebenslustiges, dass Paa Joe bald nur noch in den Westen liefern wird, zum Beispiel an die amerikanischen Gynäkologin, die sich eine Gebärmutter bestellte.

(Zum Thema: Regula Tschudi, "Die vergrabenen Schätze der Ga – Sarg-Kunst aus Ghana")


15.10.2006 | 06:40 | Nachtleuchtendes | Supertiere

Nachts leuchten die Ratten doch

Nein, wir berichten nicht über das, was passiert, wenn LED-Throwies und Taxidermie miteinander vernäht werden, nein. Zum einen haben die Popnutten schon darüber berichtet, und zum anderen sind wir kein willenloses Werkzeug in den Händen aller, die unsere Rubriken Nagetiere und Nachtleuchtendes gleichzeitig bedienen. Bevor die magnetische Ratte nicht wenigstens noch vergoldet wird und vibriert, wird man von uns kein Wort der Bewunderung vernehmen. Wer partout mehr erfahren will, muss alles selbst bei instructables nachlesen.


14.10.2006 | 18:45 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Das Zeitalter der Sprungfederstiefel


Auf dem Weg in eine bessere Zukunft geht es mit Riesenschritten voran.
Wer wie wir mit und durch Disneys Figurenzoo sozialisiert wurde, und kein kaltes Stück Blech in der Brust trägt, sondern einen Batzen blutvollen Muskelgewebes, der war ein Freund des Donald Duckschen Alter Ego Phantomias, eingeführt zuerst von italienischen Zeichnern, in Deutschland dann im lustigen Taschenbuch Nr. 41, das ursprünglich als "Donald mal ganz anders" erschien, neuerdings aber leider "Hier kommt Phantomias" heisst. Gut, dass Frau Doktor Fuchs das nicht mehr sehen muss. Zu den liebenswerten Ausstattungsstücken der kleinbürgerlichen Rächerfigur mit dem Entenschnabel gehörten auch die Sprungfederstiefel, die er sich bei Spring Heeled Jack, einer britischen Kreuzung aus Jack the Ripper und dem Yeti, ausgeliehen hatte. Manches Kind wird damals wohl Pläne gemacht haben, sich mit alten Gummistiefeln und Bettfedern selbst aus dem Alltag zu katapultieren, aber man braucht vermutlich einen ordentlich russisch kaputten Alltag, um aus dem Kindertraum mit blauem Cape tatsächliche Raketenstiefel zu bauen, mit denen man von jetzt an im Eiltempo vor all den Kleinwagen aus Pappe davonlaufen kann. Genau wie Phantomias eben.


14.10.2006 | 12:26 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Das Locken der Ultracaps


Zukunft von früher
In den späten 90er Jahren brachte General Motors den EV1 auf den Markt. Der EV1 war die Zukunft: er wies den niedrigsten Luftwiderstand aller je in Serie gebauten Autos auf, verursachte mit seinem Elektromotor keinerlei Emissionen und war praktisch lautlos. Er konnte nicht gekauft, nur geleast werden, aber als die Leasingverträge ausliefen, weigerte sich GM, die Fahrzeuge weiter zu verleasen oder zu verkaufen. Bis auf ein paar wenige Museumsstücke wurden 2004 alle EV1 zerstört, darunter 79 fabrikneue. Dies, obwohl Hunderte von begeisterten Kunden ihren EV1 kaufen wollten. Der Film "Who Killed the Electric Car" erzählt die Geschichte der Zerstörung der Zukunft und führt sie auf den Einfluss der Öllobby, die mangelnde Standhaftigkeit der Bush-Regierung (die das ZEV-Gesetz aufweichte) und das fehlende Interesse der Autoindustrie zurück. Diese wiederum wehrt sich im Wesentlichen mit dem Argument: "Aber die Batterien! Die Batterien!".

Damit ist nun bald Schluss. Die in Texas ansässige Firma EEStor wird nämlich demnächst die Welt retten und dies, was besonders bemerkenswert ist, ohne eigene Homepage. Dafür mit einer neuartigen Batterie, die eigentlich keine Batterie ist, sondern ein Ultrakondensator. Ein Auto mit einem dieser 'Ultracaps' wird in 5 Minuten aufgeladen sein und dann ein paar Hundert Kilometer Autobahnfahrt abspulen können. Der EEStor-Ultracap wird trotzdem leicht sein und ungefähr so wenig kosten wie eine Lederausstattung. Die Stimmen der Ungläubigen muss man dabei nicht ernst nehmen, den schliesslich hat Kleiner Perkins kürzlich 3 Mio. Dollar investiert, und die haben ja schon einmal ein gutes Händchen bewiesen, als sie früh bei Google einstiegen.

Endlich keine leidigen Diskussionen um den Privatverkehr mehr und kein Bedürfnis, die lärmige und stinkige Stadt hin und wieder zu verlassen, um im Wald "aufzutanken", obwohl dieser dann ja auch noch gesünder sein wird. Endlich kann sich die Menschheit den wirklich wichtigen Problemen widmen: Einführung von flächendeckendem Funkinternet für alle sowie von längeren Tagen (Verlangsamung der Erdrotation), ausserdem der Erfindung von Schrauben, die nicht ausfransen.


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"Stoker", Chan-wook Park (2013)

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Gesamt: -2 Punkte


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