Riesenmaschine

07.10.2006 | 05:47 | Was fehlt

Anus Mundi


William E. Handy (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Angeregt durch einen nächtlichen Traum, möchten wir der Firma Nokia und ihren Adepten dringend anraten, ein Handy zu erfinden, dessen Mikrofon in der Lage ist, Gerüche zu identifizieren. Man nenne es Olfaktofon.
Das Handy sollte in der Lage sein, den Pfefferminzgeruch von Zahnpasta zu identifizieren und anschliessend automatisch einen dreiminütigen Countdown zu beginnen, damit man auch gründlich und nachhaltig schrubbe.
Es sollte seinen Besitzer schon bei nur leichtem Mundgeruch warnen. Dafür aber benutze es ein blinkendes Symbol, das an ein Tic-Tac gemahnt.
Es sollte ausserdem, pustet man länger hinein, zum Alcomaten taugen und bei mehr als 0,8 Promille selbständig die Nummer eines Taxiunternehmens wählen.
Sein Name aber sei Mundi. Weiter wissen wir nicht, denn der Traum endete hier.
Wir geben das Patent frei, bestehen lediglich auf Belegexen.


06.10.2006 | 18:51 | Berlin | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Popshow *Eilt*


Der Salonlöwe nennt es Arbeit (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wie dummerweise erst jetzt von uns gemeldet wird, tritt heute Abend um 22 Uhr der grosse Alleinentertainer Friedrich Liechtenstein im Radialsystem V erstmalig mit seiner schon im Vorfeld legendären Popshow auf. Liechtenstein, der in Berlin zuletzt auf dem Sommerfest der Riesenmaschine die Massen frenetisierte, ist einer der begnadetsten Salonlöwen, den diese Stadt aufzubieten hat und versteht es wie kein Zweiter, poetisches mit politischem Textgut zu versöhnen. Dabei verströmt er einen poppigen Glamour, der selbst den kleinsten Club von innen mit Hochglanz ausschlägt, hat aber auch schon die grossen Opernbühnen dieser Welt bespielt. Kurzentschlossene, die miterleben wollen, wie es aussieht, wenn Liechtenstein grosse Apparate bedient, sollten sich heute zur Premiere verfügen, zumal gerüchteweise verlautet, dass es noch Karten gibt. Allen anderen sei der morgige zweite Termin wärmstens anempfohlen.


06.10.2006 | 17:20 | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Joseph haut den Limbus


Foto: joeltelling
Der äusserste Kreis der Hölle wird wegrationalisiert. In ein paar Tagen will Papst Benedikt (von lat. bene = gut und der Partizip-Perfekt-Passiv-Form von -dicere = sprechen) XVI die Vorhölle abschaffen. Dieses nette Plätzchen Nahbereichsjenseits wird also nur noch kurze Zeit (~Ewigkeitsanteil) der Aufenthaltsort für Seelen sein, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind. Im metaphysischen Alltagsgebrauch heisst das, dass der Warteraum für ungetauft verstorbene Neugeborene ersatzlos gestrichen wird. Als solches war der Limbus zwar nie ein Teil der offiziellen kirchlichen Doktrin, aber für eine Werbeaktion ist dessen Abschaffung immer noch gut zu gebrauchen. Der Vatikan scheint nämlich zu hoffen, dass der Katholizismus damit vor allem in Asien und Afrika (siehe Kindersterblichkeitsrate) positiv auffallen kann.

Na dann, ein Grund mehr für grundlose Ausgelassenheit. Holt euch eine Buddel voll Weihrauch und konkordiert durch die Strassen!

Johannes Grenzfurthner | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


06.10.2006 | 12:23 | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt

Explosionsanomalie

Erstaunliche Dinge sind uns schon bekannt geworden. Ein Stern wie die Sonne wird in ein paar Milliarden Jahren als Weisser Zwerg sterben, das wissen wir sehr genau. Wenn so ein Weisser Zwerg einen grösseren Stern umkreist, so kann er von ihm Materie absaugen bis er selbst mehr als genau 1.44 Sonnenmassen wiegt. An diesem Punkt Übergewicht angekommen, wird er in einer Supernova explodieren. Auch das alles ist seit Chandrasekhar jedem bekannt. Bisher allerdings glaubten wir, dass diese Explosion immer exakt gleich abläuft, was ein grosser Segen wäre, weil wir damit genau wüssten, wie hell eine Supernova ist, und wir sie so als Zollstock verwenden könnten, um unser heimatliches Universum zu vermessen, was ansonsten ziemlich schwierig ist. Genaugenommen tun wir das aus Mangel an besseren Zollstöcken schon, und vieles, was wir heute über das Universum wissen, beruhte bisher friedlich auf der stupiden Gleichförmigkeit der Supernovae.

Bis Andy Howell und Kollegen in Toronto vom Supernova Legacy Survey ein Ding fanden, das komisch langsam explodiert, praktisch in Zeitlupe, was seltsam ist, weil Zeitlupe erst vom Fernsehen erfunden wurde, also viel später. Die Erklärung: Der Weisse Zwerg war viel schwerer als normal, daher fliegen seine Teile langsamer auseinander, wegen der Schwerkraft, diesem Patentkleber da draussen. Vielleicht ist das so, weil das fraglich anomale Ding aussergewöhnlich jung ist. Jugend handelt ja oft anders, ungewohnt und verwirrend, auch das wissen wir spätestens seit Thomas Mann. Was das alles aber über Chandrasekhar, unser schönen Theorien über Weisse Zwerge, unsere tollen Messungen am Universum und unser komplettes Weltbild zu sagen hat, ist unklar. Aber irgendwas Wichtiges wird es wohl sein.


06.10.2006 | 04:28 | Supertiere

Bullauge sei wachsam


Hund mit Durchblick (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der unangenehmste Feind ist immer der, den man noch nicht kennt. Wir wissen nicht, ob Hunde das auch wissen, aber vielleicht ahnen sie es ja. Mit welcher Motivation sollte also ein Hund Haus und Hof des Herrchens verteidigen, wenn er von der Aussenwelt durch einen blickdichten Zaun abgetrennt ist und nicht weiss, ob draussen nur ein harmloser Kleinemädchenentführer oder eben ein gefährlicher Briefträger herumtappt. Ist dieses künstliche Dummhalten des Schutz- und Wachhundes nicht eine besonders subtile Form von psychologischer Gewalt gegen Tiere? Ist es! So sagen zumindest die Tierfreunde von www.petpeek.info und vertreiben für ungefähre 30 Dollar eine Plexiglashalbkugel, die dem geneigten Wachhund zumindest einen Teilblick auf die Welt da draussen gestattet. Schade nur, dass bei der Gelegenheit nicht an eine Wechselbellanlage gedacht wurde. Zu erwartende Line Extensions: Von der anderen Seite aus in den Zaun eingelassene Gummistiefel und Boxhandschuhe, die adäquate Gegenwehr des Eindringlings ermöglichen.


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"Wrath", Jonathan Neil Dixon (2011)

Plus: 14, 23, 105, 141, 144
Minus: 1, 4, 8, 80, 130, 132, 176, 194
Gesamt: -3 Punkte


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