Riesenmaschine

19.12.2006 | 18:35 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Babyball

Seit David Stern in diesem Jahr High-School-Absolventen verbot, professionell Basketball zu spielen, muss man wieder anständig aufs College gehen, um diesen ehrvollen Beruf ergreifen zu dürfen, auch wenn einige Sportsfreunde dadurch perspektivisch sicher so zig Millionen Dollar Verlust machen. Verbote jedoch können nicht den Trend zu Frühreife aufhalten, der wissenschaftlich ausserordentlich gut belegt zu sein scheint: Menschen ejakulieren immer früher, sie kopulieren früher, sie imitieren immer früher Metal-Bands, sie wachsen schneller und sie würden früher Kinder kriegen, wenn sie nicht früher wüssten, wie sie das verhindern können.

Und sie beherrschen in immer jüngerem Alter Crossover-Moves, No-Look-Passes und Layups, sowohl mit rechts als auch mit links. Diese rein biologische Entwicklung wird gesellschaftlich nicht nur getragen, nein, sogar bejubelt, vielleicht nicht gerade bei der Kopulation, aber zumindest beim Basketball: Youtube wohnt zur Zeit einem Fernduell der beiden angeblich besten sechsjährigen Basketballer der Welt bei. Marquise Walker, lange Zeit unumstrittene Nummer eins in seiner Altersklasse, konnte mit drei zwei Bälle auf einmal dribbeln und warf in seinem allerersten Spiel, er war gerade vier, 90% aller Körbe. Er hat die anderen Kinder schlicht zerstört. Aber dann tauchte scheinbar aus dem Nichts Donovann Toatley auf und behauptet, dass er noch besser ist. Gespannt warten alle auf ein direktes Duell der beiden. Bis dahin können sie vielleicht auch weiter als bis zehn zählen und müssen nicht mehr nach dem neunten Treffer aufhören.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


19.12.2006 | 12:25 | Essen und Essenzielles

Pur Sucre

Der Franzose ist ein weltweit anerkannter kulinarischer Topchecker. Er hat das Salz erfunden, den Pfeffer und das mit Schnepfenwürfeln und Trüffelscheiben gefüllte Rebhuhn. Wo die beliebtesten Getränkezutaten der Amerikaner "null Kalorien" und "200% Vitamin C" sind, da enthält die französische Limonade "La Mortuacienne" (dt.: Die schöne Gehilfin des Bestattungsunternehmers) einfach nur "pur sucre", ein Kaufargument, wie es selten in dieser süssen, nichts beschönigenden Klarheit vorgebracht wurde. Hier wird nichts um 32% reduziert, hier werden keine Zusatzstoffe aus der Weltraumforschung vorgegaukelt. "Memento Mori", so steht es auf dieser Limonade geschrieben, "steck dir irgendwas Filterloses dazu an, irgendwann sterben wir alle, aber wenigstens wartet auf uns eine schöne junge Mortuacienne." Die Geschmacksrichtung Pampelmuse allerdings sollte man meiden. Dafür ist das Leben echt zu kurz.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Single Cola, Single Cask


19.12.2006 | 03:56 | Berlin | Essen und Essenzielles

Instantwurst


Wie füreinander geschaffen: Pommes- und Wurstautomat
Beim Thema Vending-Machines schweift der Blick normalerweise fast reflexhaft nach Japan, das Land des scheinbar unbeschränkten Automatenangebots (auch wenn der legendäre Höschen-Automat dort ebenso zu den Exoten gehört wie der Berliner Maden-Automat, der kanadische Wurm-Automat oder die belgische Variante für Schweinesperma). Fast verliert man den Blick dafür, dass sich auch hier auf dem Terrain einiges tut und sich zu den Europa mittlerweile flächendeckend überziehenden Pommes-Automaten in der Tradition der seinerzeit noch manuell operierten "Heissen Hexe" immer öfter auch Wurstautomaten gesellen (gesehen am Innsbrucker Platz in Berlin) – und das nicht erst seit gestern, sondern "seit mindestens zwei Jahren" (Michael Brake). Deutschländer und Trueman's gibt es dort wahlweise heiss oder kalt ab 1,30 Euro. Fehlt eigentlich nur noch ein Automat, aus dem man Wurst- und andere Automaten ziehen kann, um sie dann zu Hause bei sich oder im Büro aufzustellen.


18.12.2006 | 16:42 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | Papierrascheln

Was wollt ihr dann?

So schlecht scheint es nicht zu sein, wenn der Zeitungsmarkt in der Krise ist. Erst sorgte die überregionale Presse dafür, dass es jetzt spottbillig Bücher, Videos und jede Menge anderen Kram gibt. Und nun kommt die Jungle World, schon seit längerem auf der verzweifelten Suche nach neuen Abonnenten, mit einer Comicbeilage um die Ecke. Das Ding heisst Mamba und wurde von Bigbeatland-Zeichner Andreas Michalke in Folge eines Türkei-Aufenhalts initiiert – dort und in vielen anderen europäischen Ländern schafft es die nationale Comicszene nämlich, sich am Kiosk zu verkaufen, statt wie in Deutschland ein Nerddasein in Spezialbuchhandlungen und Fanzines zu fristen.

Die Erstausgabe besteht aus vielen kurzen Geschichten, unter anderem von Mawil, Arne Bellstorf, FIL, Jens Harder und Kai Pfeiffer, und falls sich dieses Niveau regelmässig halten lässt, muss man sich bei Jungleworlds um die gewünschten 500 Neu-Abonnenten keine Gedanken machen (interessiert ja keinen, ob sie die bildarmen anderen 32 Seiten ungelesen aussortieren). Erhältlich ist die Mamba auf der als Releaseparty fungierenden Jungle-World-Weihnachtsgala heute Abend im Festsaal Kreuzberg, ansonsten ab Mittwoch am Kiosk. Und wir boykottieren jetzt so lange die taz, bis die sich auch mal so etwas Sinnvolles einfallen lässt, anstelle von Durchhalteparolen und dem üblichen Schabernack.


18.12.2006 | 06:58 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen kaufen

Fahrgeschäft

Achterbahn fahren und Einkaufen gehen ist ja schon in Deutschland eigentlich dasselbe. In China ist es jetzt auch tatsächlich dasselbe, denn dort konvergieren gerade Fahrgeschäft und Supermarkt zu, nun ja, einem Fahrgeschäft: Anstatt die Konsumoptionen abzuschreiten fährt man in einem kleinen Wagen durch den Laden und nimmt sich raus, was einem gefällt. Es ist also irgendwie so wie mit dem Smart durch Berlin Mitte zu fahren.


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"Nachbeben", Stina Werenfels (2006)

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