Riesenmaschine

12.02.2007 | 10:42 | Supertiere | Was fehlt

Mottenantennenuntersuchungen


Bildunterschrift aus der Mottenkiste
(Foto: kclama) (Lizenz)
Banale Änderungen am Protokoll machen häufig genug grosse Wissenschaft aus: Generation von kleinen Forschern haben Fliegen Beine und Flügel ausgerissen, und haben doch meist nur Abscheu geerntet.

Dabei wäre der Weg nach Science so einfach gewesen; statt Fliegen hätten es halt Motten sein müssen – die sind sogar noch einfacher zu fangen – und statt der Flügel die Antennen. Als Bonus hätte man die Antennten mit Sekundenkleber wieder dranpappen können und hätte entzückt festgestellt, dass die Tabakschwärmer dann ihren Gleichgewichtssinn wiederfinden, wie die Filme zeigen. Ob die Falter wohl auch mit anderen Objekten auf dem Kopf als den eigenen Antennen fliegen würden? Gebe man es bei Spezialisten in Auftrag, könnte man mit selbstfliegender Kunst gleich Wissenschaftsteil und Feuilleton füllen.


12.02.2007 | 02:55 | Supertiere | Fakten und Figuren

Liedgut ohne Makel


Foto: wagoldby
Überall wird heute gesungen, sogar unter Walen und Japanern, man kann gar nicht anders, man muss das Singen allmählich verachten, missverstanden als Kennzeichen von zivilisatorischer Reife und Kultur. Dabei gerät oft aus dem Blickfeld, dass Singen auch praktisch sein kann, und man muss Gibbon sein, um sich das nicht hinter die Ohren schreiben zu müssen. Gibbons nämlich singen, wie jeder weiss, nicht nur in der Ehe, jeden Morgen ein Duett, um die Partnerschaft zu festigen, sondern auch, um vor Gefahr zu warnen. Seit Weihnachten ungefähr wissen wir jetzt auch, dass sich Ehegesang und Warngesang subtil unterscheiden, zum Beispiel enthält der Warngesang deutlich weniger Wa-, dafür deutlich mehr Hu- und scharfe Wau-Noten. Ausserdem tritt der weibliche Great Call im Paargesang deutlich früher auf, was auch immer das bedeuten mag. Das alles ist statistisch einwandfrei belegt und somit der erste Beweis für ein funktionell ausdifferenziertes Kommunikationssystem bei Freilandaffen. Schön und gut. Der eigentliche Vorteil im Vergleich zum menschlichen Liedgut jedoch liegt eben darin, dass man nicht einfach nur zuhört und dann einen Satz sagt, der mit "ich finde" anfängt, sondern eben, egal wie man es findet, auch noch davon profitiert, zum Beispiel Kinder kriegt oder länger am Leben bleibt, je nachdem, wieviel Wa oder Hu oder was auch immer. Dagegen bei uns kam es erst durch die degenerative Abspaltung des Pragmatismus von der Kunst, so wird man bald feststellen, zum endgültigen Untergang des Abendlandes. Im Klagelied des Gibbons: Whoo-a hoot hoot fitt fitt wu wu. (zweistimmig)


11.02.2007 | 17:24 | Alles wird besser | Listen

Mein Kunde Harvey


Privater Mailverkehr anderer Leute.
Aus der deutschen Ferne konnte und kann man kaum die Spektakularität und die weltwirtschaftliche Gefahr der Enron-Pleite begreifen. Dabei ging es weniger um die Veruntreuung von Milliarden Dollar aus den Rentenkassen, als vielmehr um die kunstvolle Art der Luftgeschäfte; man könnte von der dritten Ableitung des Luftgeschäfts mit sich selbst sprechen: Noch nicht existierende Waren wurden in Warentermingeschäften zu selbst eingeschätzten Preisen verkauft und dann sofort als Einnahmen verbucht (was von den Käufern nur deshalb akzeptiert wurde, weil sie nicht existierten, sondern im Geheimen selbstgegründete Offshore-Firmen waren), womit wiederum Bankkredite abgesichert wurden. Die hervorragende, unterhaltsame Dokumentation "Enron: The smartest guys in the Room" zeigt, wie Enron drohte, das amerikanische Finanzsystem zum Kollaps zu bringen.

Man kann sich diesem Fall aber auch unendlich viel detaillierter nähern, denn im Zuge der Untersuchungen veröffentlichte die US Federal Energy Regulatory Commission alle internen Mails der Führungsebene von Enron von 1999 bis 2002. Die klugen Werbeverantwortlichen der Firma Trampoline Systems luden alle 200.000 Mails herunter und speisten sie in ihr famoses Visualisierungs- Archiv- und Suchsystem. Dort liegen sie nun und können nach Stichwörtern, Urhebern und Herzenslust durchsucht werden. So kann Werbung also auch funktionieren.


11.02.2007 | 03:17 | Anderswo | Alles wird besser

The Big Not So Easy


"Ich mache nur Pause, lalala." (Foto: Mahatma4711)
"It's a bloody freeway, we have it all figured out", so sagte 1995 Bergführer Scott Fisher über den Mount Everest, "The Big E" (im Gespräch mit Jon Krakauer). Ein paar Monate später war Fisher gestrandet irgendwo in der Todeszone, auf einer leicht abschüssigen Stelle zwischen South Col und Everest. Dort klickte er auf "make this my default location" und liegt seitdem still, zusammen mit mittlerweile fast 200 Kollegen. Immerhin kann niemand geschmacklose Grabvegetation anpflanzen. Damit solcherlei Kalamitäten in Zukunft weniger oft vorkommen, hat man sich in Neuseeland innerhalb der letzten sechs Jahre die Alpenwespe ausgedacht (via medgadget): Ein unbemanntes, dieselbetriebenes Drohnendröhnding (DDD), das nicht nur bis ganz nach oben hubschraubern, sondern auf dem Rückweg auch noch zwei sterbeunwillige Gestalten am Seil nach unten hieven kann. Man lernt daraus dreierlei: a) Die Luft ist dort oben gar nicht zu "dünn" für Hubschrauber, wie man immer hört, man darf sich nur nicht so ungeschickt anstellen. b) Man kann sich das Geld für den Freeway oder die Eisenbahn, wie es sie am Eiger gibt, schön sparen. c) Es besteht absolut kein Grund, einem halbtoten, frostbeulengeplagten Bergsteiger mit Wasser in Hirn und Lunge einen spektakulären Abstiegsflug über 3.000 Höhenmeter, an einem Stahlseil hängend, allein mit einem fliegenden Roboter, vorzuenthalten. Man stirbt schliesslich danach nicht noch mal.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


10.02.2007 | 13:32 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Weltvermessungsmassnahmen

Einerseits ist es natürlich sehr praktisch, dass es immer mehr Alltagsgegenstände mit eingebautem Lineal gibt, wie z.B. Stifte, USB-Sticks, Taschenmesser, Teigrollen und Bettdecken. Andererseits wäre es noch viel praktischer, wenn man einfach alles mit einem noch viel alltäglicheren Gegenstand vermessen und das Lineal damit endlich auch auf den Produktfriedhof befördern könnte. Dank der iPhotoMEASURE-Software (via Boing Boing) geht das jetzt, angeblich mit einer Richtigkeit von 99,5 %. Jetzt müssen nur noch Kameras in alles eingebaut werden, aber das war ja ohnehin geplant.


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"Juan of the Dead", Alejandro Brugués (2011)

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Minus: 1, 31
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