Riesenmaschine

23.05.2007 | 22:33 | Nachtleuchtendes | Sachen anziehen

Glühende Begeisterung

Wenn es um die Berichterstattung über Nachtleuchtendes und Pelziges in einem geht, verfügen wir leider über weniger freien Willen als Fruchtfliegen. Wer sich mehr gesellschaftliche Relevanz in der Riesenmaschine wünscht, darf weder weiterlesen noch diesem unaussprechlich belanglosen Video 2:41 Minuten seiner Lebenszeit opfern. Es gibt wirklich keinerlei Rechtfertigung für die Erwähnung, ach was, Existenz der leuchtenden GlowFur-Pelzprodukte, Pelztragen wird dadurch nicht akzeptabler, und Anziehsachen mit Batterien darin waren Unfug, sind Unfug und werden noch ein paar Tage Unfug bleiben. Aber ... sie sind pelzig! Und sie leuchten im Dunkeln! Und man kann sich für nur 790 US-Dollar einen kaufen und damit nachts im Stadtpark knurrend durchs Gebüsch streifen! Und sie leuchten im Dunkeln und sind pelzig! Entschuldigung. Ist uns so rausgerutscht.


23.05.2007 | 12:18 | Berlin | Alles wird besser

Für Pferdekenner


Onkel King aus Amerika hat die Zeichen der Zeit allerdings noch nicht erkannt und macht auf Superlativhuldiging.
Wer auf einem Konzert klatscht und johlt, wenn der zweite Titel der aktuellen CD anklingt, ist unabhängig von der Musikrichtung nur Deutschrockfan. Echte Aficionados stehen mit versteinerter Miene in Kleingruppen hinten und huldigen ihren Lieblingen, indem sie das Abspielen von B-Seiten bemängeln und sie früher besser fanden, also noch früher als die mitteralterlichen Groupies in der Mitte vorne. Das Zeigen von Interesse wird allgemein überschätzt.

Es freut, dass zurückhaltende Begeisterung mittlererweile auch von Anbietern wahrgenommen und im eigenen Programm reflektiert wird. Die im Juni in Berlin startende Pferde-Show Cavalia wirkt zwar auf den ersten Blick wie eine abgekartete Grossveranstaltung für Touristen im Geiste ("Noch nie wurde das besondere Band zwischen Mensch und Pferd so prächtig und innovierend dargestellt"), doch auf den Plakaten in der Stadt wird zuvorderst mit dem begrenzten Engagement geworben – da muss jemand mitgedacht haben. Vielleicht könnte man hingehen und schauen, ob Famoso, der Lusitanierhengst einfach keinen Bock hat, affig herumzustelzen, was dem Herrn Direktor aber herzlich egal ist, und ob nach 40 Minuten Schluss ist (wg. Weltmeisterschaft in irgendwas). Begrenztes Interesse ist aber auch eine Lösung.


23.05.2007 | 01:36 | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt

Die post-kopernikanische Antiwende


Das Universum der Zukunft: scheinbar inhaltslos (Foto: sc3, Lizenz)
Lawrence M. Krauss ist vermutlich kein Scharlatan, obwohl man das bei klugen Menschen ja nie so genau weiss. Auf jeden Fall ist der theoretische Physiker von der Case Western Reserve University ein Global Player in der Kosmologie und ihrer Popularisierung, weswegen wir ihm seit Jahren angestrengt lauschen. Im Jahr 1995 schrieb er The Physics of Star Trek, fünf Jahre später Life, Universe, and Nothing und 2002 The State of the Universe. Wir haben das alles gelesen und hegen keinerlei Illusionen mehr über die Hilflosigkeit von Strahlung in unserem vakuum-dominierten Universum. Lawrence M. Krauss, eine Art Case-Western-Reserve-Orakel für das gesamte Weltall.

Jetzt gibt es neuen Grund, das Strahlen einzustellen. Krauss und sein Kollege Robert J. Scherrer weisen überzeugend nach, dass Kosmologen in der Zukunft keine Chance haben werden, die Natur des Universum zu erkennen. Schon in etwa 100 Milliarden Jahren wird es für Krauss' Nachfolger so aussehen, als wäre der Kosmos, abgesehen von ihnen, leer – alle Galaxien vom Himmel weggetrieben, vom Sturmwind der Dunklen Energie. Die Konsequenz: Nur wir sind in der Lage, das Universum zu verstehen. We live in a very special time in the evolution of the Universe: the time at which we can observationally verify that we live in a very special time in the evolution of the Universe!

Nun bedeutet das Verschwinden der Kosmologen nicht unbedingt, dass zukünftige Generationen keine Freude mehr am Dasein haben werden, bewahre. Jedoch durch jahrelanges Relativieren ist man skeptisch geworden, und folgert, sobald die Menschheit feststellt, sie sei etwas Besonderes, womöglich der einzig valide Weltversteher, das Unwissen der Zukunft bereits unser Wissen, dass es sich genau umgekehrt verhält, und unser Unwissen in Wahrheit deren zukünftiges Wissen darstellt. Gut, dass andere Leute, nicht Lawrence M. Krauss, dieses Zukunftswissen schonmal vorsorglich aufgeschrieben haben.


22.05.2007 | 14:15 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Hobbyriegel


Bild typähnlich (Foto: radiofish, Lizenz)
Die vollständige Erfassung aller international verfügbaren Schokoriegel, das soll unser Auftrag sein. Heute wieder ein rarer Vertreter aus der Gattung der Snickers-Derivate. Nach dem irischen Starbar, einer Spielart der allseits bekannten Dark-Side-Legende Cadbury Wunderbar, geht es diesmal um ein offenbar exklusiv südamerikanisches Exemplar mit dem total einfallsreichen Namen Hobby, das präzise wegen dieses Namens ungooglebar ist (Hinweise, die zur Ergreifung usw.). Alles, was wir über Herkunft und Tradition von "Hobby" berichten können, stammt aus mühsamer Feldarbeit: Er wird offenbar von der Industria de Alimentos (aha, aha) in Santiago de Chile hergestellt und auf jeden Fall von der chilenischen Fluggesellschaft LAN auf ihren zahllosen Kurzflügen vertrieben. Ausserdem unterscheidet sich Hobby von seinen weniger konspirativen Snickerskollegen durch eine Spur Überangebot an Karamel. (Zur Erinnerung: Snickers-Derivate bestehen aus Karamel, Schokolade, Nougat und, im Unterschied zu Mars-Derivaten, Erdnuss, in Pasten- und/oder Grobform). Die leichte Mehrwertspur Karamel sorgt dafür, dass am Schluss ein deutlicher Karamelrest im Mund verbleibt, versehen mit Nusssplittern, der zäh zwischen den Zähnen hängt – ganz genauso wie damals, als wir heimlich Toffifee lutschten, und mit Karamelmundresten bestraft wurden (Toffifee, eine Art Snickers-Praline mit Hasel statt Erde). Enigmatisch verwirft sich also Nostalgie mit Aufbruch in dem südamerikanischen Geheimsnickers.

In der nächsten Folge: der kanadische Sidekick.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Unterschätzte Forschungsgebiete


22.05.2007 | 00:50 | Was fehlt

Über den Prozess der Zivilisation des Fahrradfahrens


Kommunikationsgerät aus dem Fahrrad-Neolithikum (striatic) (Lizenz)
Wenn man Norbert Elias Glauben schenken möchte, dann tritt zwischen spontanem emotionalem Impuls ("aus dem Weg, Trottel!") und tatsächlicher Handlung (Betätigen der Fahrradklingel) im Laufe der Menschheitsgeschichte immer mehr ein Zurückhalten dieses Impulses und ein Überdenken der (Rück-)Wirkungen des eigenen Handelns ein. Zum Beispiel könnten sich die so angesprochenen Fussgänger erschrecken, zudem ist man ja als Fahrradfahrer oft gar nicht im Recht, sondern befährt vorschriftswidrig einen reinen Fussgängerweg, in der falschen Richtung und ohne Licht noch dazu. Es fehlt daher eine neuzeitliche Möglichkeit, den Fussgänger höflich zu bitten, doch einen Schritt beiseitezutreten, wenn es ihm gerade keine Umstände bereitet. Es fehlt die höfliche Fahrradklingel. Sie dürfte gar nicht erst Klingel heissen, sondern vielleicht Anklopfe oder Schnurre, und ihr Geräusch sollte an Unaufdringlichkeit etwa einem zarten Handy-Vibrationsalarm gleichkommen: "Hinter mir schnurrte entschuldigend ein Fahrradfahrer". Wir bitten die Hersteller von Fahrradzubehör, diesen Wunsch bei Gelegenheit zu berücksichtigen, wenn es gerade keine Umstände bereitet. Die extra laute chinesische Fahrradklingel und das druckluftbetriebene Air Zound III Bike Horn dagegen sollen Ländern vorbehalten bleiben, in denen man noch auf den Bäumen Rad fährt.


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