Riesenmaschine

07.11.2008 | 03:54 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Endlich Nichtspieler!


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die zielgruppenerweiternden Massnahmen auf dem Videospielemarkt, weg von den Hardcore- und hin zu den Gelegenheitsspielern, erreichen auch in Deutschland in Kürze ein neues Level. Nach Gehirnjogging, Kochkursen und diversen Minispielsammlungen erscheint nämlich am 13. November "Mein Nichtraucher-Coach", die Nintendo-DS-Umsetzung von Allen Carrs Bestseller "Endlich Nichtraucher". Das Spiel zum Sachbuch, so also. Am 1. Dezember wird dann mit "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" nachgelegt und in der Entwicklungsabteilung von Hauptverbrecher Ubisoft sitzt man sicherlich schon an den Umsetzungen von "Getting Things Done" (mit den ultraschweren Hidden Levels "Die vermüllte Garage" und "Die Steuererklärung"), von "Ich bin dann mal weg" (anspruchsloses Jump'n'Run ohne jegliche Gegner oder andere Gefahren, eigentlich eher ein Walk'n'Walk) und von "Wir nennen es Arbeit" (Spielkonzept lässt sich jetzt schlecht in einem Satz erklären, ist aber superinteressant). Danach kommen dann Videospielversionen von Bildbänden dran.

Aber aufgepasst: Erst wenn ihr alle Hunde grossgezogen, alle Gesichtsmuskeln trainiert und alle Sudokus gelöst habt, werdet ihr merken, dass man Casual Games nicht spielen kann!


17.09.2008 | 07:15 | Anderswo | Essen und Essenzielles | Papierrascheln

Fruchtig, frisch und urgesund

Man kann heute nicht mehr alles so dahinbehaupten, selbst im Fachgewerbe für gezieltes Dahinbehaupten, dem Marketing. Vor allem auf dem Feld der Gesundheitsbehauptungen schauen Verbraucherschützer in letzter Zeit ganz besonders genau hin, ein Zeichen dafür ist die seit Juli 2007 gültige EU-Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben von Lebensmitteln.

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Auf Herstellerseite gilt es nun, nach neuen Wegen zu suchen. So wird derzeit von einem uns nicht genauer bekannten Grosskonditor, der unter anderem das Café des Diakonie-Wohnstifts am Westerberg in Osnabrück beliefert, das Mittel der masslosen Übertreibung und Satire angetestet. Möglichen Klagen durch Verbraucherschutzverbände hofft man entgegensetzen zu können, dass die Behauptung, ein Sahneteilchen sei "urgesund", nun beim besten Willen nicht ernst gemeint sein könne. Sollte das durchkommen, ist es bis zum Musterprozess für Kunstfreiheit auf Warenetiketten dann nur noch ein kleiner Schritt.


08.09.2008 | 02:01 | Berlin | Supertiere | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Spitznasige Zielgruppen


Foto mit freundlicher Genehmigung von hcl.
Sehr spät, aber nun doch, hat die Werbeindustrie endlich den Maulwurf als Zielgruppe entdeckt: Dank seiner geringen Lebenserwartung (4 Jahre) ist er besonders konsumfreudig, denn langfristige Geldanlagen lohnen sich sowieso nicht. Er neigt zu Impulskäufen, will sich aber von opulent gestalteter Werbung und klangvollen Namen verführen lassen – starke, traditionsreiche Marken haben hier beste Chancen. Da die Mehrheit der Maulwürfe dem sozialen Milieu der erdverbundenen Traditionalisten angehört, zeitigen Internet- und auch Fernsehwerbung zu grosse Streuverluste, um sinnvoll eingesetzt werden zu können. Das Mittel der Wahl ist daher die klassische Aussenwerbung. Im Bild eine speziell angefertigte Litfasssäule nahe des Reichspietschufers in Berlin, mit Anzeigen für Nagelreiniger, Leselampen und Staubsauger.


03.09.2008 | 16:32 | Berlin | Fakten und Figuren | In eigener Sache

Riesenmaschine plant ihren Herbstanfang


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Endlich ist September. Der Sommer geht irgendwo anders hin, die Menschen gehen wieder rein und erfreuen sich an ihren Space-Invaders-Tastaturen, dem Start der NFL-Saison und dem reichhaltigen Herbstauftaktkulturprogramm von Riesenmaschine und Partner: Am ungewohnten Donnerstagstermin laden morgen das Supatopcheckerbunny und seine Freunde zur 29. Berlin Bunny Lecture, es geht um "Alles über die Welt" und zu Gast sind Klaus Ungerer, Autor des gleichnamigen Buchs, Leonhard Horowski, Fil und Jens Friebe (20 Uhr/nbi). Rund einen Monat vor dem Erscheinungstermin ihres kommenden Weltbestsellers Dinge geregelt kriegen haben Sascha Lobo und Kathrin Passig schon mal das dazugehörige Blog gestartet, mit nützlichen Tipps, lediglich leicht verspätet eingestellten aktuellen Infos und besinnlichen Weisheiten für sinnvolles und erfülltes Prokrastinieren. Und wer tatsächlich in der Nacht von vergangenen Samstag auf vergangenen Sonntag etwas Besseres vorhatte, als Deutschlandradio Kultur zu hören: "Sie haben gewonnen!", das Magazin für Zuversichtliche und die vierte Folge unserer Radioreihe Folge 137, kann nun auch bequem als Podcast runtergeladen werden. Am 15. September erscheint dann übrigens noch das Buch Marke Eigenbau von Holm Friebe und Thomas Ramge – hier muss man schnell sein, denn die schönsten Cover-Farben werden schnell vergriffen sein. Was es damit auf sich hat, kann man schon mal hier sehen (umliegende Baustelle bitte noch nicht beachten!). Am 29. September gibt es dazu im Radialsystem die Buchpremiere mit Sprühaktion als letzte Option auf die eigene Lieblingsfarbe. Aber das ist nun wirklich Zukunftsmusik von morgen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Riesenmaschine plant wieder eine Woche (muss ja)


30.08.2008 | 11:12 | Berlin | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Die neue Hyperspezialisierung


Fast gar nichts ist fast alles! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Hertie musste Ende Juli Insolvenz anmelden, Kaufhof wird von seinem Mutterkonzern Metro zum Verkauf angeboten und Karstadt belastet durch massive Verluste die Arcandor-Aktien. Ein kürzlich erschienener Bericht in der FTD bestätigt: Die Warenhäuser sterben aus, von einigen exponierten Vertretern aus der KaDeWe-Liga einmal abgesehen. Damit ist auch das Alles-unter-einem-Dach-Konzept am Ende. Die Kunden wollen nicht mehr durch mehrtausendteilige Warenangebote in Riesengebäuden irren und gehen lieber in Fachmärkte, zum Beispiel zu Saturn.

Doch das ist erst der Anfang. Im nächsten Schritt werden sich eigene Läden für einzelne Produktgruppen durchsetzen, wie etwa ein Geschäft nur für Autofelle. Und in der finalen Konsequenz steht die vollendete Hyperspezialisierung, die im "Tandur Brot Lasan 2" am Kottbusser Damm, Kreuzbergseite, bereits seit über einem Jahr erfolgreich vollzogen wird. Hier gibt es nur eine einzige Sorte Brot, im Viererpack für 1,20 Euro. Die angebotenen Varianten Sesam und Sesam-Käse sind lediglich ein Eingeständnis an die noch nicht hinreichend konditionierte Konsumentenschaft und werden bald aus dem Sortiment genommen.

Irgendwann wird dann jeder Laden nur noch genau ein Produkt verkaufen. Der Einkauf wird zum gesamturbanen Erlebnis und Stadtplaner werden vor der Wahl stehen, ob sie Stadtviertel links- oder rechtsdrehend entwickeln – entsprechend werden die Läden mit den teuren Produkten bevorzugt auf der rechten Strassenseite im Erdgeschoss zu finden sein, während Ramsch und Handelsmarken im Keller oder im fünften Stock verkauft werden.


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Gesamt: -5 Punkte


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