Riesenmaschine

04.05.2009 | 13:46 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Strëët Ärt


Die schönste Street Art sind nicht komplettverzierte Brandwände oder massenhaft aufgebrachte, vorher zuhause vorbereitete Stencils und Cut-Outs. Nein, es sind Dinge, die nur ganz beiläufig in das bereits vorhandene Setting von Strassenmobiliar, Werbung, Architektur, Stadtnatur, Plakaten und anderer Street Art eingreifen und gleichsam damit korrespondieren. Die mittlerweile sattsam bekannten Ampelschablonen, aufgemalte Augen und Münder zur Vermenschlichung von Stromkästen oder die fabelhaften Human Beins von Dave the Chimp fallen in diese Kategorie. Und natürlich kann man auch mit weissen und schwarzen kreisrunden Aufkleber tolle Effekte erzielen – so geschehen in der Wiener Strasse in Kreuzberg, wo mit einfachsten Mittel die Röck Döts endlich mal wieder ins Lïcht der Offentlichkëit gebracht wurden. Dem unbekannten Künstler gebührt ein Bïer im Mobël Ölfe!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Backwaren ohne Umlaute


24.04.2009 | 22:26 | Berlin | Sachen anziehen

Genderwäsche

In der Ohlauer Strasse hat ein neuer Waschsalon aufgemacht, das Waschhaus 38 (Claim: "Hier geht es rund – von weiss bis bunt"). Es ist trotz seines Namens speziell geeignet für Zahlenanalphabeten, denn die Maschinen sind nicht durchnummeriert, sondern mit Namen versehen. Was an sich okay ist, aber es gehört dann doch eine gewisse Schmerzbefreitheit dazu, sämtlichen Waschmaschinen Frauennamen zu geben: Clara, Ida und Dora dürfen den Kreuzberger Junggesellen also die Socken säubern. Männliche Namen (Heiko, Bernd) sind hingegen nur für die Trockner vorgesehen, die entsprechend grösser und wuchtiger daherkommen, aber bei weitem nicht so viel zu tun haben.

Das erinnert doch sehr an das Geschlechterrollenbild von Ikea, wo Stühle, Schreibtische und Regalsysteme männliche Vornamen tragen, während Stoffe, Gardinen und Decken nach Frauen benannt sind. Wie sich das Waschhaus 38 in seiner ausgewählt genderbewussten Nachbarschaft etablieren will, könnte interessant werden. Aber vielleicht wird ja verfahren wie beim Institut für Meteorologie der FU, wo Hoch- und Tiefdruckgebiete jahresweise das Geschlecht wechseln dürfen. Bis dahin muss man sich damit begnügen, dass die Frauen (3,50 Euro) immerhin deutlich besser bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen (0,50 Euro).


22.04.2009 | 19:31 | Alles wird besser | Was fehlt | In eigener Sache

"Weil es geht"-Award 2009

14:54 michaelbrake kannst du mir euren drehplan schicken?
14:55 michaelbrake ich wollte euch vielleicht mal besuchen
16:40 punkteundstreifen gerne
16:44 punkteundstreifen aber die meiste zeit sind wir (hoffentlich) gar nicht am set

16:52 michaelbrake achso
16:52 michaelbrake egal, schick erstmal, seh ich dann ja
16:53 punkteundstreifen moritz sitzt da dran
16:54 michaelbrake äh... versteh ich nicht genau?
16:55 michaelbrake es gibt ein word-doc und du kommst nicht rein?
16:55 michaelbrake ihn fragen kann ich nicht bzw. hab ich schon und er reagiert nicht
16:57 punkteundstreifen word?
16:57 punkteundstreifen quatsch
16:57 punkteundstreifen indesign!

16:57 michaelbrake ihr habt den drehplan nur als indesign-datei?
16:58 punkteundstreifen klar
16:58 punkteundstreifen wir sind halt styler!

16:58 michaelbrake entweder hab ich das funktionsspektrum von indesign noch nicht verstanden oder ihr habt ein absolut bescheuertes projektmanagement


Der obenstehende Skype-Dialog mit der aufstrebenden kleinen Filmproduktion Punkte und Streifen ist nicht ausgedacht. Wieso auch, InDesign als Zeiterfassungstool, total naheliegend. Überhaupt sollte das starre und schematische Denken, das in den meisten Büros herrscht, endlich aufgebrochen werden. Warum nur stumpfes Matching von Arbeitsvorhaben mit den immergleichen Spezialprogrammen? Warum muss immer alles genau so genutzt werden, wie es vorgesehen ist? Hätte die Menschheit Teflon-Pfannen wirklich nur zum Braten verwendet, gäbe es noch immer keine Städte auf dem Mond!

Deshalb ruft die Riesenmaschine den "Weil es geht"-Award 2009 aus. Gesucht werden ernstgemeinte Vorschläge für den innovativen Einsatz bestehender Technik, nachweisbar existierende Praktiken bekommen einen Sonderpunkt. Wenn in Ihrer Firma also die Grafikabteilung Broschüren in Thunderbird erstellt ('Vorteil: Ist mit einem Klick an die Druckerei geschickt'), oder wenn Sie selbst eine richtig praktische Idee haben, wie man den Windows-Taschenrechner zum Erstellen von To-Do-Listen nutzen kann, dann schreiben Sie uns. In die Kommentare. Teilnahmeschluss ist der 30. April 5. Mai, als Preis stiftet Kathrin Passig eine handbetriebene Taschenlampe, mit der man Nägel in sehr weiche Wände schlagen kann.


05.04.2009 | 13:52 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

¡Ya Raucher!


"Ya" ist ausserdem das
aserbaidschanische Wort für "oder".
Der Streit um das Rauchverbot in Berliner Gaststätten nimmt zunehmend erratische Züge an. Als neues Agitationsgimmick der aktuell laufenden Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren hängen seit kurzem in den Fenstern diverser Eckkneipen LED-Schilder mit der Aufschrift "Ya Raucher". Was mag das nun bedeuten? "Ya" ist spanisch für "schon/sofort/jetzt" – ist "Ya Raucher" also ein Appell, sich spontan eine anzustecken und so den Protest auf die Strasse zu bringen? Referiert das Schild gar auf die Redewendung "¡Ya Basta!" ("Es reicht!"/"Enough is enough!")? die seit Jahren das zentrale Motto im Befreiungskampf der Rebellenbewegung EZLN im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist? Hat sich hier heimlich eine Allianz zwischen Zapatisten und Freirauchern gebildet? Und kann es Zufall sein, dass in Chiapas Tabak angebaut wird? Oder ist es doch bloss die nächste Vereinnahmung linken Symboltums, nachdem bereits das Palituch zum Modeaccessoire verkommen ist und die Junge Union Reinickendorf Werbung mit Che Guevara gemacht hat?


21.03.2009 | 17:40 | Alles wird besser

Wenden einfach Bedarf bei Titel bei Bedarf einfach wenden


Prototyp, Preis auf Anfrage
Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Vernachlässigung des Potenzials von Unterseiten entsteht, ist kaum in Zahlen auszudrücken. Denn rund 50 Prozent der Welttischflächen sind Unterseiten und bleiben vollkommen ungenutzt, während sich auf den Oberseiten jede Menge Kram stapelt und man nichts mehr wiederfindet (Ähnliches gilt für Regalbretter).

Inspiriert von Lösungen aus dem Textilbereich nutzt der Riesenmaschine-Wendeschreibtisch den vorhandenen Raum im Universum effizienter aus und erspart mühsames Aufräumen. Wenn die eine Seite voll ist, wird der Schreibtisch einfach umgedreht. Ein rein natürlicher, bewährter Effekt schafft auf der Unterseite wieder Ordnung, während der Nutzer auf der Oberseite fast ohne Unterbrechung weiterarbeiten kann. Gleichzeitig werden beide Schreibtischseiten regelmässig belüftet und vor Schimmel und Milbenbefall bewahrt.

Im Unterschied zu Wohnungen, deren Seitenflächen immerhin zur Aufbewahrung von Bücherregalen, Kleiderschränken und Bildern dienen können, bleiben die Seitenflächen von Schreibtischen allerdings weiterhin ungenutzt, ebenso wie die Abstellflächen an der Zimmerdecke. Am Riesenmaschine-Wendebüro (500% mehr Raum bei unveränderter Miete) wird noch gearbeitet.

Michael Brake, Kathrin Passig, Michael Brake | Dauerhafter Link | Kommentare (11)


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