Riesenmaschine

05.04.2009 | 13:52 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

¡Ya Raucher!


"Ya" ist ausserdem das
aserbaidschanische Wort für "oder". (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der Streit um das Rauchverbot in Berliner Gaststätten nimmt zunehmend erratische Züge an. Als neues Agitationsgimmick der aktuell laufenden Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren hängen seit kurzem in den Fenstern diverser Eckkneipen LED-Schilder mit der Aufschrift "Ya Raucher". Was mag das nun bedeuten? "Ya" ist spanisch für "schon/sofort/jetzt" – ist "Ya Raucher" also ein Appell, sich spontan eine anzustecken und so den Protest auf die Strasse zu bringen? Referiert das Schild gar auf die Redewendung "¡Ya Basta!" ("Es reicht!"/"Enough is enough!")? die seit Jahren das zentrale Motto im Befreiungskampf der Rebellenbewegung EZLN im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist? Hat sich hier heimlich eine Allianz zwischen Zapatisten und Freirauchern gebildet? Und kann es Zufall sein, dass in Chiapas Tabak angebaut wird? Oder ist es doch bloss die nächste Vereinnahmung linken Symboltums, nachdem bereits das Palituch zum Modeaccessoire verkommen ist und die Junge Union Reinickendorf Werbung mit Che Guevara gemacht hat?


21.03.2009 | 17:40 | Alles wird besser

Wenden einfach Bedarf bei Titel bei Bedarf einfach wenden


Prototyp, Preis auf Anfrage (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Vernachlässigung des Potenzials von Unterseiten entsteht, ist kaum in Zahlen auszudrücken. Denn rund 50 Prozent der Welttischflächen sind Unterseiten und bleiben vollkommen ungenutzt, während sich auf den Oberseiten jede Menge Kram stapelt und man nichts mehr wiederfindet (Ähnliches gilt für Regalbretter).

Inspiriert von Lösungen aus dem Textilbereich nutzt der Riesenmaschine-Wendeschreibtisch den vorhandenen Raum im Universum effizienter aus und erspart mühsames Aufräumen. Wenn die eine Seite voll ist, wird der Schreibtisch einfach umgedreht. Ein rein natürlicher, bewährter Effekt schafft auf der Unterseite wieder Ordnung, während der Nutzer auf der Oberseite fast ohne Unterbrechung weiterarbeiten kann. Gleichzeitig werden beide Schreibtischseiten regelmässig belüftet und vor Schimmel und Milbenbefall bewahrt.

Im Unterschied zu Wohnungen, deren Seitenflächen immerhin zur Aufbewahrung von Bücherregalen, Kleiderschränken und Bildern dienen können, bleiben die Seitenflächen von Schreibtischen allerdings weiterhin ungenutzt, ebenso wie die Abstellflächen an der Zimmerdecke. Am Riesenmaschine-Wendebüro (500% mehr Raum bei unveränderter Miete) wird noch gearbeitet.

Michael Brake, Kathrin Passig, Michael Brake | Dauerhafter Link | Kommentare (11)


20.03.2009 | 04:21 | Berlin | Papierrascheln

Berlin, papperne Stadt


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Pappkartons sind nicht nur die Schutzpatrone der Kleinkinder und Katzen, sondern zugleich das ultimative Allesgerät. Sie dienen wahlweise als fliegende Zeitmaschine, Duplikator oder Transmogrifier und auch die Riesenmaschine ist in Wirklichkeit ein Pappkarton (Beweisfotos vom 9to5-Festival und von der Buchmesse Leipzig).

Jim Avignon und die Gebrüder Metz haben vor kurzem sogar die ganze Welt aus 47 Pappkartons nachgebaut und sie mit Hilfe einer Webcam, zwei Wii-Controllern, einem Kassenbondrucker, einem RFID-Reader und zahlreichen Servomotoren interaktiv gemacht. Das Ergebnis, optisch eine Mischung aus dem Altar des Alltags und Risiko, bloss viel grösser, hängt seit vielen Wochen in der Galerie Sakamoto in Berlin herum. Bei der Finissage am Sonntag um 17 Uhr wird es nun stückweise versteigert, online kann auf dieser Website mitgeboten werden.

Im Sommer wird ausserdem in der Brotfabrik Cardboardia errichtet, eine ganze Stadt aus Pappkartons, initiiert vom russischen Künstler Sergej Korsakov – vorab gibt es an diesem Samstag schonmal eine Party, einen Workshop und eine Pressekonferenz. Und wo wir gerade bei Veranstaltungstipps sind: Aktuell laufen auch noch der Character Walk und die Pictoplasma-Konferenz mit angeschlossener Ausstellung, bei der ebenfalls Kartons verbaut wurden.

Aber Vorsicht: Wer Pappkartons missbraucht, bekommt es mit dem Braunen Imperium zu tun.


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)


14.03.2009 | 14:36 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Nach der Wahl ist vor der Wahl


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Es ist ein bisschen wie mit den Weihnachtskeksen im Supermarkt: Jetzt sind es noch mehr als sechs Monate bis zur Bundestagswahl und Tele5 hat bereits die Saison der Werbung mit Anspielungen auf Politik und Superwahljahr eingeleitet. Machen wir uns also gefasst auf ein halbes Jahr voller lustiger Parolen ("Für mehr Sauberkeit in Deutschland"), lieblos gecasteter Politikerdarsteller und den exzessiven Einsatz des beliebten Gestaltungsmittels "angekreuztes Wahlfeld". Und wenn dann im September endlich feststeht, ob die FDP vor oder hinter der SPD landet, werden die übriggebliebenen nicht versendeten Spots und nicht geschalteten Anzeigen mit Wahlbezug von grossen Kipplastern aus den Agenturen abgeholt und zur zentralen Sammelstelle gebracht, wo man sie einschmilzt und zu neuer Werbung giesst. Mit Fussballmotiven. 2010 ist schliesslich wieder WM.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die Qual der Wahl-Werbung


13.03.2009 | 02:31 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Freiraumwohnung


Foto: Prokura Nepp
Im vierten Band der Per-Anhalter-Trilogie gerät Arthur Dent in ein Paralleluniversum, in dem die Erde nicht von den Vogonen zerstört wurde und alle Delfine verschwunden sind. Um die Ursache hierfür herauszufinden, reist er unter anderem nach Kalifornien und trifft dort den Wissenschaftler John Watson (aka Wonko the Sane), der, nach dem Anblick einer Zahnstocherpackung mit aufgedruckter Bedienungsanleitung, die gesamte Welt für verrückt erklärt und ihr deshalb ein Irrenhaus gebaut hat: Ein Gebäude, das an seinen Aussenwänden möbliert ist und in das man hineingehen muss, um zu Wonkos Wohnung, "The Outside of the Asylum", nach draussen zu gelangen.

Mit Wonkos Hilfe erfährt Arthur, dass die Delfine vor der bevorstehenden Zerstörung der Erde geflüchtet sind, bzw. dass sie die Erde in ein Paralleluniversum mitgenommen haben und dann verschwunden sind, bzw. so ähnlich. Schliesslich reist Arthur zum Planeten Preliumtarn, um sich Gottes letzte Botschaft an die Schöpfung anzuschauen.

In unserem Paralleluniversum sind die Delfine noch da, die Erde wurde nicht von den Vogonen zerstört und Wonko wohnt offensichtlich nicht in Kalifornien, sondern in der Lübbener Strasse in Berlin (Foto). Was Arthur Dent gerade macht, ist nicht bekannt.


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