Riesenmaschine

14.02.2010 | 09:21 | Zeichen und Wunder | Papierrascheln | Vermutungen über die Welt

Breitstreckeinrichtungen in sozialen Netzen

Absetzer, Blindgreifer, Abstandshalter oder Spritzgerät? Spreader ins Deutsche zu übersetzen gestaltet sich so schwierig wie Browser. Mit solchen Problemen lassen einen Hernán Makse und Kollegen natürlich allein, wenn sie sich in Identifying influential spreaders in complex networks über die Verteiler in Verbreitungsnetzen auslassen. Gemeinhin nahm man an, dass die kritischen Knoten für die Weitergabe von Infektionen oder Informationen die mit vielen Verbindungen sind. In dieser Arbeit wird jedoch gezeigt, dass es wohl wichtiger ist, zentral im Netzwerk zu sitzen und unterschiedliche Regionen zu verbinden als nur Verbindungen zu haben. Da werden sich die Viren und viralen Vermarkter freuen, endlich zu wissen, wie man jemanden bei buzz oder Facebook als Multiplikator identifizieren kann.


Blindgreifer bei der Arbeit. Quelle


Anmerkung für den wirklich interessierten Leser: Die verlinkte Arbeit ist in Wirklichkeit Makses Entropy of jammed matter. Die richtige verbirgt sich in diesem Satz. Wir wollten es den Werbern nicht zu leicht machen und die lesen ja nie weiter als bis zum ersten Link. Ausserdem ist der Titel viel besser.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wasser kennt nur 5,6 Freunde


12.10.2008 | 17:48 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Schokolade hilft nicht ist eine Nachricht


Schutz vor Herzerkrankungen (Serviervorschlag).
Quelle: feastguru_kirti (Lizenz)
Zur wöchentlichen Wurst einer Wissenschaftsredaktion gehören Geschlechtsdimorphismen, niedliche aussterbende Tiere und Schokolade. Kürzlich wurde beispielsweise bejubelt, dass italienische Forscher ein niedrigeres Risiko für Herzerkrankungen durch den täglichen Genuss von 6,7 g dunkler Schokolade ausgemacht haben.

Das tendenziös, verklärte Medienecho zu Schokolade fordert eine kritische Berichterstattung zu ihrer dunklen Seite; wir tun daher unsere Pflicht zur Aufklärung im Folgenden und arbeiten die Nachrichten aus der Schokoladenforschung auf.

Sonst nimmt am Ende niemand wahr, dass die Dreingabe eines Schoko-Riegels (70% Kakao) bei norwegischen Physiotherapeuten keine Verbesserung des Rücklaufs von Fragebögen erzielte. Oder alle verpassen ihre Rolle als Auslöser von Migräne und die schockierenden Erkenntnis, dass das Verlangen nach Schokolade die geistigen Leistungen von australischen Studentinnen negativ beeinflusst.

Ergebnisse zu Trauben-Nuss liegen noch nicht vor.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Island, deine Riegel


12.07.2008 | 15:08 | Supertiere | Fakten und Figuren

Ohne Kern ging's auch


So in etwa. (Foto: paul goyette) (Lizenz)
Modernes Leben ist so unangenehm komplex, dass jeder nach Vereinfachung strebt. Ab einem gewissen Alter sehnen wir uns nach der Zeit zurück, als alles noch gut war, also vor dem letzten Krieg oder der eigenen Geburt. Evolutionsbiologen sind mit solch winzigen Zeiträumen nicht zu beglücken. Sie fantasieren lieber über die Zeit, als alles noch viel einfacher war und die Evolution noch nicht so viel Abfall neben den Nagetieren ausgestossen hatte.

Eines schönen Tages, so vor 4 Milliarden Jahren, war nämlich noch alles in Ordnung, es gab nur wenige Organismen auf unserem Planten, darunter LUCA, den letzten gemeinsamen Vorfahren allen heutigen Lebens inklusive Halobakterien, Hoatzins und Heidegger. Auf Konferenzen träumen die Forscher gerne davon, den kleinen Racker doch noch irgendwo in der Natur zu erwischen, denn ein paar Eigenschaften wie eine einfache Zellmembran, ein RNA-Genom und eine Vorliebe für heisse Gewässer reimt man sich zusammen. Einige versuchen auch, sein Genom aus dem bekannten Genmaterial heutiger Organismen zu rekonstruieren.

Eine gerade erschienene Zusammenfassung unseres Wissens kommt allerdings zu einer entmutigenden Schlussfolgerung (PDF, 447 KB Evolutionssprech nebst Kommentaren der Gutachter): LUCA war kein den Bakterien nahestehender, einzelner, simpler Organismus, sondern ein ziemlich kompliziertes Gemenge aus Vorläufern der Eukaryoten, den Zellen, aus denen heute Pflanzen, Hefen und Mäuse bestehen. Und dann ging es erst richtig los: Endoymbiose, mehrfacher Ersatz von RNA durch DNA, eventuell durch Viren, konvergente Evolution an allen Enden, dass einem das endoplasmatische Retikulum Blasen wirft, wenn man darüber nachdenkt.

Jedenfalls klingt das alles, als sei das Leben nie jemals einfach gewesen und die Hoffnung, dass es das mal sein wird, sinkt weiter. Scheisse.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Darwins holistische Detektei


02.07.2008 | 13:53 | Zeichen und Wunder

Blick nach vorn im Zorn


Uh oh. (Foto: Olaf) (Lizenz)
Emotional ist Amerika ja weiter – statt verkrampft reserviert alteuropäisch kann man zwischen Portland und Jacksonville die Liebe zum Vaterland und die Wut auf andere Autofahrer unumwunden herauslassen. Klingt das wie das Aufbacken steinharter Klischeebrötchen? Dann ist es jetzt an der Zeit, wissenschaftliche Belege dazuzubuttern.

William Slzemko von der Colorado State University hat eine Korrelation zwischen Aufklebern am Heck eines Autos und aggressivem Verhalten im Strassenverkehr gezeigt. Nun sieht man derartige Dekorationen in Deutschland immer seltener, die Zahl der Aufkleber ist seit den 80ern stetig gesunken. Wir dürfen sie also als viel kleiner in den USA annehmen, und können somit schliessen, dass das Aggressionspotential hier viel kleiner ist. Natürlich gibt es unrühmliche Ausnahmen in Aufkleber-Nischen, vor denen man sich tunlichst in Acht nehmen sollte. Die zwischenzeitliche Beflaggung deutscher Automobile, die man laut Slzemko ebenfalls zur Autoindividualisierung zählen könnte, dürfen wir als vorübergehend ignorieren; die Entsorgung der Wimpel ist hier auch weniger aufwändig als drüben.

Aber wo fahren all die wütenden Amerikaner hin? Andere US-Forscher haben das Verhalten beim Fussballspiel der Kinder mit Aggressivität im Strassenverkehr in Verbindung gebracht. Wie folgern also weiter: In Deutschland fährt man sicherer, weil niemand seine Kinder zum Fussballspielen bringt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Hysterie und Übertreibung


09.06.2008 | 13:21 | Supertiere | Sachen kaufen

Vage Therapie


Die Verbindung von Computerspielen und Clearsil bei Amazon ist auch anderswo notiert worden.
Seit der Entdeckung der Bakteriophagen – den Viren der kleinen Mikroben – vor über 90 Jahren hofft man auf deren Nutzung in der Therapie von bakteriellen Infektionen. Eigentlich sollten wir die Phagentherapie längst täglich praktizieren, während uns das Hoverauto ins papierlose Büro teleportiert, oder wenigstens ab morgen dann.

Die Idee ist wirklich gut: Jeder Typ Phagen attackiert nur einzelne Baketerienspezies, man könnte also nur die bösen Keime im Körper erledigen und den Rest der Mitbewohner am Leben lassen. Leider lässt sich die Phagentherapie hauptsächlich dann erfolgreich anwenden, wenn die Infektion direkt zu erreichen ist, und war hat heute noch Interesse an offenen, infizierten Wunden?

Nach all den Jahren berichtet nun der Short Sharp Scientist, dass dem Mikrobiologen Michael Davis die Infektionen in den Gesichtern junger Menschen – vulgo Akne – aufgefallen sind und er sich fortan ihrer Heilung verschrieben hat. Pubertierende geben ja bereits ihr sauer auf dem Schulhof abgezocktes Taschengeld für Gesichtswasser aus, für Designer-Viren sollte man doch da offen sein. Wir prognostizieren schon mal Werbung für Viren in Computerspielen, die gemeinsamen Verkäufe bei Amazon (im Bild) sprechen die deutliche Sprache des Marktes.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Der Feind im Kleinen


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