Riesenmaschine

20.01.2007 | 15:27 | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Von Fassbinder über Kierkegaard bis Gernhardt in vier Sätzen


Die Frage nach dem Warum verblasst neben der schieren Existenz. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wer kennt sie nicht, die Freude über die eigene Verwunderung? Sie ist das wunderbare Gegenstück der populären Angst vor der Angst, einem der überflüssigsten Gefühle überhaupt, ausser im Kino. Das grosse Problem an diesem Integral der Verwunderung ist nun, dass man es nicht suchen darf, wenn man es finden will; Verwunderung stellt sich ausschliesslich beim überraschten Menschen ein, da hätte Kierkegaard, die alte Zauderbacke, ruhig mal das Überraschte Stadium in seine Überlegungen mit aufnehmen sollen, war ihm vielleicht zu flüchtig oder nicht cool genug. Gross dagegen die Freude, wenn die Verwunderung als Freude über die ungesuchte Überraschung den Menschen trifft, dieses Foto entstand in der Kunsthalle Bonn und zeigt Eiswürfel im Pissoir. Wunder, freu. Glücklich diejenigen, die dann auch noch an den besten Witz im ersten Film von Otto, gagversorgt von Robert Gernhardt, denken müssen dürfen: "Wie pinkelt ein Eskimo?"


18.01.2007 | 03:42 | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Blindenschrift


Blindunterschrift (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Suchte man Worte, deren Differenz zwischen Schönheit des Klangs und Doofnis des Inhalts so gross wie möglich sein sollte, keines käme gegen "Gebresten" an. Während einige Modegebresten hervorragend zum Partytalk geeignet sind, eignen sich andere nicht so sehr dazu. Stummheit zum Beispiel. Das Gute an der mühsam herbeigeschufteten Zivilisation ist nun, dass Gebresten nicht mehr überlebensentscheidend sind, bzw. vielmehr versterbensentscheidend. Das bedeutet aber auch, dass sich jeder Zivilisationsteilnehmer – also praktisch jeder ausser Anwälten – überlegen muss, wie man mit den Gebresten anderer umgeht. Da die eine Extremlösung dieser Frage, Menschen mit Gebresten sowohl von ihren Gebresten wie auch von ihrem Menschsein zu befreien, als gescheitert zu betrachten ist, könnte man es vielleicht mal mit dem anderen Extrem probieren, das auch eine Spur philantrophischer dahergeschlendert kommt: Alles für alle zugänglich zu machen. Und wenn es nur in kleinen Schritten ist, wie auf alle Verpackungen im Supermarkt auch in Blindenschrift draufzuschreiben, was drin ist. Eventuell braucht man zusätzlich zur Gesundheitsreform auch noch eine Krankheits-Umgangsreform.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Tactile Graphics


15.01.2007 | 13:36 | Alles wird besser

Buchdruckausgleich


Der Weg zum eigenen Buch ist klobig. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Welt ist ungerecht: Bücher lesen lernt jeder in der Schule, Bücher schreiben kann nur, wen Verlage für würdig befinden. Die Firma Ondemandbooks arbeitet an dem nebenstehenden Gerät namens "Espresso", das in dieser Hinsicht weltverbessernd wirken soll. Es stellt Bücher ab einer Auflage von eins bis zu einer Auflage von zwei gleichzeitig her und braucht dafür nur eine Textdatei, ein Coverbild, sieben Minuten und keinen Verlag. Es wird demnächst im üblichen Sinne von irgendwann auf den Markt kommen und 50.000 Dollar kosten. Das ist zwar mehr als die fünfhundert Euro für einen Satz Bücher bei Books on Demand, dafür kann man aber auch behaupten, den Do-it-Yourself-Weg ganz bis zu Ende gegangen zu sein. Wenn man das Buch selbst dann auch noch liest, jedenfalls. Abgesehen davon bekommt der zukünftige Käufer sicher viele Karmapunkte in der wichtigen Kategorie "liebevolle Unterstützung hässlicher Maschinen".


02.01.2007 | 17:34 | Alles wird besser | Was fehlt | Sachen kaufen

Automatisierung aller Autoautomaten


Neu mit Solala-Energie. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die gute alte Parkuhr, das macht man sich oft nicht klar, existiert nur in unserer fälschlich Erinnerung genannten Verklärungsanlage im Kopf, denn in Wirklichkeit handelte es sich um eine schlechte, alte Parkuhr. Parkgebühren sind vollkommen akzeptabel, die Strasse hat lange genug nur so herumgelegen und es höchste Zeit, dass sie sich endlich selbst finanziert. Der schmerzimpogewordene Begleitumstand zu den alten Parkuhren war jedenfalls, neben ihrem unnachgiebigen Diskussionsverhalten, die lästige, sture Münzfixierung.

Damit ist es in Berlin nun vorbei, die Parkautomaten können mit EC-Karten bezahlt werden. Karte hineinstecken, je geplanten drei Minuten Parkzeit einmal auf ein Knöpfchen drücken, fertig. Fünf Cent je drei Minuten werden vom Konto abgebucht und wenn man Anarchist ist, kann man mit seiner EC-Karte an jeden Automaten gehen, immer drei Minuten eingeben und so die Stadt pleiteparken, denn der Verwaltungsvorgang kostet sicher viel mehr als fünf Cent. Und wieder ist die Welt ein Stück schöner, schneller, automatischer und gadgetiger geworden. Wir werden nicht ruhen bis zur totalen McGyverisierung des Alltags, bis man mit einem einzigen Universaltool busfahren, einkaufen, orgelspielen, radfahren, Plätzchen backen und fliegen (endlich!) kann.


29.12.2006 | 20:45 | Supertiere | Was fehlt

Von Profitieren profitieren


Schilder können Überraschungsunfälle auslösen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Es ist ein Skandal, dass ein bundesdeutsches Kind 13 Jahre zur Schule gehen kann und sein einziger bildungsrelevanter Tierkontakt aus dem ausgestopften Habicht neben der anatomischen Karte (Frau, vorne/hinten/innen) besteht. Das Tier muss einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommen und der korrekte Umgang mit ihm ebenso. Womit füttert man gefundene Igel? Wie helfe ich einem festgefrorenen Schwan? Wie bereite ich eine selbstüberfahrene Katze zu? Das Tier, besonders das Profitier, ist als bewegliches Freilandmöbel anzusehen, das der Mensch gut behandeln und dem er keinen Schaden zufügen soll ausser es im Bedarfsfall zu Ess- oder Kleidungszwecken umzubringen; auch das hat so menschlich, bzw. tierlich wie möglich zu geschehen. Nur so finden wir zu einem geschmeidigen Miteinander von Mensch und Tier, von dem beide profitieren, oder eigentlich profitiert nur der Mensch, aber immerhin bekommt das Tier es nicht so recht mit, es ist dann ja schon tot.

Insofern ist es sehr gut, wenn in Deutschland der Umgang mit dem Tier geübt wird, auch und gerade mit komischen, hässlichen, unheimlichen und vermutlich dummen Tieren wie Schlangen. Das geschieht etwa auf der autobahnausgeschilderten Schlangenfarm in Schladen im Harz, wo mehr als 1000 Schlangen zu besichtigen sind. Wenn man Glück hat, kann man einer Schlangenmelkung beiwohnen; wenn man Bock hat kann man eine Königspython aus eigener Nachzucht kaufen; wenn man Kinder hat, kann man Kindergeburtstag feiern. Die Schlangenfarm ist ein leuchtendes Vorbild in der allgemeinen Tierbildung, es sollte mehr davon geben und noch Nagetierfarmen, Kerbtierfarmen, eierlegende Säugetierfarmen, und vielleicht auch eine Pflanzenfarm allein wegen des Namens, und zwar eine Farnfarm. Wir müssen unsere Umwelt besser verstehen lernen, so lange sie noch da ist.


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