Riesenmaschine

27.11.2006 | 11:17 | Berlin | Anderswo | In eigener Sache

Riesenmaschine plant eine neue Woche


Von der Hand in den Eimer (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Und wieder veranstalten verschiedene Riesenmaschineautoren öffentliche Aktion um öffentliche Aktion, um den Geist der Riesenmaschine in die Welt zu tragen. Gleich heute abend um 19 Uhr stellen Holm Friebe und ich unser Erfolgsbuch "Wir nennen es Arbeit – Die überstrapazierte Bohème oder: Medial totgerittenes Leben jenseits des Festanstellung" vor, und zwar bei Bücher Rüffer in Flensburg und die Strasse, wo das ist, heisst auch noch Holm. Genau das gleiche Buch wird am Dienstag, 28.11., um 20 Uhr in Bremen, Alte Stauerei, Cuxhavener Str. 7, nochmal vorgestellt, bzw. eben in einer aufwendigen Multimedia-Lesung (das "Multi" in der PPT-Präsentation wird durch den Einsatz eines animierten GIFs erreicht).

Es folgt am Mittwoch um 20 Uhr im nbi in Berlin das Après Bunny Format Vol. 11: Die Zeitspar-Show – von der ich zu behaupten wage, dass sie sehr lustig wird, bzw. weniger langweilig als Riesenmaschine Quadruple Play. Dort wird sich vom Supatopcheckerbunny samt Hilfscheckerbunny über Kathrin Passig und Michael Brake bis hin zu Holm Friebe und dem raren Jochen Schmidt mehrere Stunden lang die weltgrösste Riesenmaschineautorenagglomeration verdichten, bis alle nach Hause taumeln.

Als wäre das allein nicht schon wochenfüllend, wird am Freitag, 1. Dezember, ab 22 Uhr die Buch-Release-Party von Jörn Morisses (Hrsg.) Driving Home im Golden Gate Club in Berlin stattfinden; bei diesem Buch über Weihnachten, erschienen im sich derzeit "im Umbruch befindlichen" Suhrkamp-Verlag haben gefühlte zehn Riesenmaschinisten mitgeschrieben. Die Feier wird bereichert durch Mitherausgeber Stefan Rehberger, Reimund Spitzer, Linus Volkmann, Live-Musik kommt von der ehemaligen Jens-Friebe-Band Bum Khun Cha Youth und Plemo, die DJs sind Audiobeauté und Jake the DJ.

Um die ganze Breite der riesenmaschinesken Themenfelder abzudecken, wird am selben Nachmittag Dr. Aleks Scholz in Toronto in der Cody Hall schon wieder über seinen Lieblingstopos "Braune Zwerge" öffentlich reden, das sind Sterne, die es nicht ganz bis zum Schwarzen Loch gebracht haben, sondern aus Massemangelgründen vorher schräg rechts von der Autobahn abgebogen sind.

Die Woche endet jedoch keinesfalls da, sondern muss auch noch die allerletzte (!) Wiederauflage von Powerpoint Karaoke in Berlin ertragen, das am Samstag, den 2. Dezember im Radialsystem, Holzmarktstrasse soundso, stattfinden wird. Dafür haben wir auch extra neue abstruse Präsentationen besorgt, zum Beispiel "Versandhandel im Web 2.0" oder die beliebte "Ethanoldosierung im Aquarium". Kommen Sie in Scharen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Riesenmaschine plant ihre Woche II


25.11.2006 | 12:55 | Berlin | Alles wird schlechter | Fakten und Figuren

Barock the block


Niemals vorher war soviel Kunst so überall, echt jetzt mal (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Gestaltung des öffentlichen Raumes ist eine strukturelle Sache der Macht und des Geldes, die bestimmenden Faktoren aufgehängt zwischen stadtentwickelnder Politik, Architektur und Kapital einerseits und Wirtschaftskommunikation und Kapital andererseits. Wenn man also der Stadt seinen Stempel aufdrücken möchte, muss man eine Verordnung erlassen, ein Haus bauen oder Werbung schalten – drei Gestaltungsmöglichkeiten, die nicht unbedingt im Alltagsinstrumentarium des Durchschnittshaushaltes im Übermass vorhanden sind. Die zahlreichen, aber eklektischer kaum sein könnenden Gegenbewegungen reichen von Graffitkünstlern über Eddingschmierer und Fensterkratzer bis hin zu ebenfalls vollkommen verschiedenen programmatisch-politischen Gestaltern wie Reclaim the Streets, Adbusters, Anonyme Architekten und vieles andere, was man im hervorragenden, internationalen Blog Wooster Collective verfolgen kann. Gemein war den weitaus meisten Privatgestaltern bisher ein verhältnismässig progressives Kunst- und Kulturverständnis; kein Wunder, wo die Form so neu ist, fällt es oft schwer, ältere Inhalte zu transportieren, wie gut sie auch sein mögen. Deshalb gibt es auch nur ein deutsches Proust-Blog, aber 34.368 gadgetorientierte.

So musste – wir haben es bereits einmal tränenreich bedauert – die Strassenkunstszene weitestgehend ohne bildungsbürgerliche Inhalte auskommen. Bis jetzt. In Berlin läuft jemand herum, der Cutouts, im Prinzip also ausgeschnittenes Papier, an Häuser anklebt, und das mit Motiven, längst werden Sie es erkannt haben, von Velasquez. Hier das berühmte Motiv des Prinzen Baltasar Carlos als Jäger von 1635/36, befindlich im Prado. Und derzeit auch als Streetart im Berliner Wrangelkiez. Aber wer macht eine so charmante Mischung von Hochkultur und grenzlegaler Umwidmung öffentlicher Flächen? Handelt es sich um eine Streetart-Offensive der FAZ-Jugend? Sind wir Zeugen eines nächtlichen Vandalismusfeldzugs maskierter Kunsthistoriker? Oder ist es am Ende doch nur Werbung für Grossformat-Farblaserdrucker mit einer Zielgruppe ab 60 Jahren?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Stuckrad-Starre


22.11.2006 | 18:51 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Pain of Sale


Nicht gewollt und nicht gekonnt. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Marketing, der neue goldene Gott, die Gesellschaftsrevolution des 21. Jahrhunderts, hat viele Spielarten und eine, die viel effektiver und damit wichtiger ist, als man so von aussen mitbekommt, ist PoS-Marketing, also Werbung am Ort des Verkaufs. Ein beliebtes Konzept ist dabei der "Shop in Shop", was soviel heisst wie Shop im Shop, ein klitzekleiner Laden im Laden, also ein andersfarbiges Regal mit Logo-Aufklebern, herunter bis zum Subladen, zum Unterladen, am Ende winkt fröhlich aus der Zeitgeisterbahn ein Nanoladen. Das Problem ist aber oft, dass – soziokulturell gesprochen – hier die konzeptionelle Realitätsferne der verkrampften Marketingabteilungen auf die Bocklosigkeit der unterbezahlten Regalbefüller trifft. Ein Lehrbuchergebnis dieser Schimäre mit koksgesteuertem Gehirn und hartzenttäuschter Hand ist auf dem dafür auch niederqualitativen Foto zu sehen: Der enttäuschendste Mini-Shop im Shop, den die Welt je erblickt haben mag. Blaue Plastikrohre aus dem Baumarkt sind rund um die Ferrero-Kühlproduktpalette unmotiviert und schief ans Kühlregal gepappt; als Dreingabe kann man das Wörtchen "Rückseite" auf dem Milchschnitte-Karton lesen. Die Revolution frisst ihre Kinder®.


18.11.2006 | 17:50 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Häuser zu Botschaften


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dem Lebensverbesserungsblog Lifehacker entnehmen wir ein neues GoogleMaps MashUp, das ebenso witzig wie nur kurz witzig ist: Geogreeting.com, eine Seite mit Hausschrift. Jemand hat dort im bekannten, frei zugänglichen Satellitenfotomaterial Häuser rausgesucht, die aussehen wie Buchstaben. Man kann auch Links von den botschaftgewordenen Häusern verschicken. Kommt so die Menschheit voran?


18.11.2006 | 09:32 | Was fehlt | Sachen kaufen

Fordschrittlich werben


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Es handelt sich also um einen Smart, auf den der Werbespruch aufgebracht wurde: "Smarte Anlageimmobilien". Gehen wir ruhig davon aus, dass es solche Bautümer tatsächlich gibt, "smart" wird von Leo unter anderem übersetzt mit den Bedeutungen fesch, schick, schmuck und pfiffig. Gehen wir weiters davon aus, dass der Betrachter geneigt ist, die Wendung pfiffige Anlageimmobilie so zu verstehen, wie sie gemeint ist, nämlich als "für den sich für pfiffig haltenden Immobilienanleger". Gehen wir ebenfalls davon aus, dass eben diese Personen pflegen, sich auf Kleinwagentüren über ihre Anlageprodukte zu informieren. Gehen wir nunenthalben davon aus, dass Menschen dieser Zielgruppe sich Namen und Webadresse merken können und wollen. Gehen wir weiterdings davon aus, dass zur Ansprache der pfiffigen Immobilienanleger stets auch eine pfiffige Anspracheidee gehört. Dürfte man in diesem Fall auf einen Smart den Spruch "Smarte Anlageimmobilien" auftragen?

Ja, man darf, man kann – man muss. Mehr davon, Werbetreibende! Da ist noch so viel. Ralph Lauren auf dem Polo. Spanische Eventveranstalter auf dem Fiesta. Witziges Australienmarketing auf dem Kangoo. Feinkost auf dem Hummer. Südfrüchte auf Citroens. Da(i,s)hatsukunft! Nicht aufhören, Werbetreibende, setzt Euch mit Euren Ideen durch, Ihr seid ganz kurz davor, Alfa-Romeo-Tierchen zu werden.


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