02.08.2005 | 16:27 | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Nein, dieses Bild ist kein Fake, weder mit Photoshop noch mit Knete oder Draht. Im Gegenteil: try this at home. Man nehme eine handelsübliche Coke-Dose, einen glatten Untergrund und trinke etwa zwei Drittel der Dose aus (ein wenig im Mund behalten, falls zuviel abgetrunken wurde). Dann stelle man die Dose vorsichtig auf die Kante und behalte ihr schwankendes Taumeln im Auge. Dann steht sie. Geld zurück bei Nichtgelingen! Der Trick eignet sich besonders zum Beeindrucken angetrunkener Personen (Serviervorschlag: um einen Kuss wetten) und sollte dann mit etwas scheinhypnotischem Armwedeln verbunden werden. Gänzlich ungeeignet hingegen sind Bierdosen, weil sie anders geformt sind und Red Bull Dosen, weil von der widerlichen Plörre ja wohl niemand zwei Drittel trinken möchte.
01.08.2005 | 18:29 | Alles wird besser | Was fehlt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Es sollten viel mehr Dinge designt sein! Es sollte viel mehr in Form und Farbe hinterfragt werden! Es sollten noch mehr Industriedesigner ihre innere DDR ablegen! Es sollte alles noch bunter sein! Noch wesentlich bunter! Buntheit sollte staatlich subventioniert werden! Gentechniker sollten sich daran machen, endlich die bunten Hunde zu züchten, die uns schon so lange versprochen werden! Bildschirm-Produzenten sollten einsehen, dass 16,7 Millionen Farben eben nicht genug sind! Synästhesie sollte Pflichtfach werden an den Schulen! Asphalt mit psychedelischen Farbverläufen! Buntleuchtende Strassenlaternen! Gefärbte Plexiglas-Pissoirs! Farbberatung für alle! Patchwork-Pflichttapete in Ämtern und Behörden! Endlich mehr Ampelfarben! Die Welt soll kunterbunt sein – von vorn bis hinten und von oben bis unten!
Da sind die bunten Paketklebebänder von Fred Flare, dem Fachausstatter für die Bravo-Girl-Generation, ein Schritt in die richtige Richtung.
01.08.2005 | 16:25 | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Bei den Recherchen für die Riesenmaschine trifft man manchmal auf Produktideen, die schillernd auf dem schmalen Grat zwischen Tschibo-Technikabfall und generationenprägender Weltklasseerfindung entlangtänzeln. Hier eine prototypische Erscheinung eines solchen Geräts. Es handelt sich um eine batterielose Taschenlampe (>Magnettechnik klicken), die man 30 Sekunden lang schüttelt. Dabei erzeugt sie durch Induktion Strom für zehn Minuten Licht. Wenn man nicht gerade paranoider Endzeitfaschist mit einer Bunkerhöhle in den Salzstöcken von Nebraska ist, ist man hin und her gerissen. Einerseits: schöne Idee, intelligente Technik, sehr praktisch bei Stromausfall. Andererseits: wie oft brauchte man in den letzten fünf Jahren unvorbereitet eine Taschenlampe und die war dann auch noch zu schnell alle? Einerseits: wasserdicht bis 130 Meter, ist die einzige Taschenlampe, die nach der Explosion einer Neutronenbombe noch funktioniert (theoretisch). Andererseits: wie dämlich sieht man aus, wenn man eine halbe Minute mit einer Taschenlampe Masturbationsbewegungen macht? Ein schwerer Fall. Wahrscheinlich wird man darüber spotten, bis man beim nächsten Gasunfall im Keller stolpert und dann von jemandem mit einer solchen Taschenlampe gerettet wird. Sie leuchtet nämlich auch funkenfrei.
01.08.2005 | 01:54 | Sachen kaufen | Sachen anziehen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Jeder vernünftige Technologiekonzern sperrt ein paar Drogensüchtige in irgendeine 60er Jahre Science-Fiction-Filmkulisse, gibt ihnen Buntstifte und Papier und vermarktet das Ganze in der Presse als "Future Lab" oder "Design Lounge". Nokia hat eine solche Einrichtung selbstverständlich auch, praktischerweise in den Niederlanden, wo mit halluzinogenen Pilzen und Haschisch zwei beliebte Design-Drogen legal sind und wahrscheinlich sogar von der Steuer abgesetzt werden können. Die neuste Entwicklung aus den vernebelten Kammern des Handyherstellers ist ein Bluetooth-Armband namens Strap-Up, das ohne weitere Erklärungen sicher den hier genannten Wettbewerb gewönne. Die weiteren Erklärungen folgen jedoch: es handelt sich um ein Gerät, das direkt mit dem eigenen Handy und darüber mit der ganzen Welt kommuniziert. Vermutlich mit Hilfe gyroskopischer Mikrokreisel kann der geneigte User Bewegungsabläufe im Armband speichern, die bei Ausführung automatisch SMS, Bilder und Töne versenden. Während eines Meetings muss also nicht mehr langwierig eingetippt werden "Ich kann gerade nicht SMSen, ich bin in einem Meeting", sondern man kann ganz simpel den Arm schnell hin und her, hoch und runter schleudern und schon versendet sich die Message von ganz allein. Aber auch die direkte Umgebung des Trägers wird kommunikativ versorgt. Die ruckartigen Bewegungen mit einem bunt blinkenden und polyphon piependen Armband zeigen weltweit an: Achtung, ich bin ein Vollidiot.
01.08.2005 | 00:37 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Irgendwo da draussen sitzen ein paar dutzend Ingenieure zusammen und haben diesen Wettbewerb laufen: "Wer verbluetoothed & verwirelessed die beklopptesten Gegenstände?" Nachdem der Mann von Motorola gerade erst die Führung mit der Bluetooth-Brille übernommen hatte, muss er sie jetzt schon wieder an die Fujitsu-Vertreter abgeben. Die haben einen wireless-Computer an einen Einkaufswagen montiert, der unter anderem mit einem Supermarktnavigationssystem aufwartet, das einem jederzeit den Weg zum nächsten Knäckebrot zeigen kann. Dazu kommt ein Preischeck-Barcode-Scanner und vor allem das beliebte Kochrezepte-Feature, das ja, etwa bei Marketing-Communities, Portalen und Ähnlichem seit 1998 stets als Killerapplikation fungiert, wenn einem gar nichts mehr sonst einfällt. Ebenfalls speichert der Computer den eigenen Einkaufszettel, den man ihm vorher auf den üblichen verschiedenen elektronischen Wegen zukommen lassen konnte. Und seien wir ehrlich – wie gross war schon lange der Wunsch in uns allen angesichts der Papiereinkaufszettelplage, an dieser Stelle endlich eine digitale High-End-Lösung zu finden? Die winzigen, rein theoretischen Unannehmlichkeiten und Gefahren wie Einkaufswagenabsturz, Akku-Leere oder Datenmissbrauch über die einzuführende Kundenkarte sind allenfalls für die üblichen notorischen Fortschrittfeinde überhaupt erwähnenswert. Äusserst erwähnenswert wäre dagegen die Antwort auf die Frage, was für einen Alltagsgegenstand dereinst der Gewinner des oben genannten Wettbewerbs herstellen wird. Eventuell ein Bluetooth-Gebiss. Das würde ja auch vom Namen her passen.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Mundart im Pop
- Saisonangebote nutzen
- Schmirgelklötze verstecken
- Klosterfrau Melissengeist on the rocks
SO NICHT:
- Vintage-Wucher
- Pfeffermühle statt Pfefferspray
- Schweigespirale als Verhütungsmittel (wirksam, aber unschön)
- Pop-Art im Mund
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"The Killing Room", Jonathan Liebesman (2009)
Plus: 3, 31, 42 Minus: 57, 99 Gesamt: 1 Punkt
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