04.07.2005 | 17:07 | Berlin | Supertiere | Alles wird schlechter
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Es gibt einen alten Werberspruch, der von Texter-Generation zu Texter-Generation weitergegeben wird wie etwa der Armbanduhren-Corpus eines Vietnamveteranen: 'Wenn man einem Mann einen Ball zuwirft, wird er ihn fangen. Wenn man ihm fünf Bälle gleichzeitig zuwirft, fängt er keinen.' Gut, das hat man verstanden, nicht zuviel aufeinmal sagen. Dieser Spruch hat mit dem Hersteller für Tiernahrung Royal Canin eine neue Dimension erhalten, denn der der Claim des Unternehmens ist "Wissen und Respekt". Um im Bild zu bleiben: ich möchte lieber keinen Ball fangen, wenn es ein mit Schallgeschwindigkeit geworfener Medizinball ist. Es ist gut, wenn eine Futterfabrik verspricht, das beste Futter herzustellen. Es ist ein slogangewordenes Drama, wenn eine Firma, die Geflügelhof-Abfälle mit Pottasche und Futtermais mischt, allen Ernstes "Wissen und Respekt" als Leitbild angibt. Was kommt als nächstes? Ein Recycling-Unternehmen mit der Unterzeile "Das Universum erneuern"? Schlimmer aber noch als die blosse Existenz dieses Claims von Royal Canin ist, dass er aller schmerzhaften Erfahrung nach hervorragend funktionieren wird. Und zwar weil die Wucht des Medizinballs den Haustierbesitzer bis in den Supermarkt schleudert.
21.06.2005 | 09:59 | Was fehlt | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Eine der besten PR-Kampagnen, an die ich mich überhaupt erinnern kann, war die des Segway. Was gab es alles zu lesen und zu bestaunen, Technologievisionäre wie Steve Jobs ließen sich zu Äußerungen hinreißen wie "es werden Städte um den Segway herumgebaut werden". Wenn das inzwischen geschieht, wird es äußerst geschickt vor der Weltpresse verborgen. Überhaupt scheint diese hochgelobte Erfindung vollständig im Geheimen zu operieren, nie wieder waren nach Ende der Kampagne Medienberichte zu sehen, echte Segways auf der Straße schon gar nicht. Man könnte natürlich auch vermuten, dass der Segway statt eines weltverändernden, bombastischen, grandiosen Erfolges einfach ein weltgleichlassender, bombastischer, grandioser Misserfolg geworden ist. Aber die PR-Kampagne, mein lieber Herr Gesangsverein, die war genial!
18.06.2005 | 12:56 | Supertiere | Alles wird schlechter
Gut, Google hat die Internetsuche revolutioniert, die Bildersuche, Webmail, online-Landkarten, Internet-Marketing und noch einiges mehr. Wenn man sich aber den zu Recht verhältnismässig unbekannten Google-Shop ansieht, wird schnell klar: Google wird gewiss nicht das Merchandising revolutionieren.  (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Wirr durcheinandergebrandete, überteuerte, tschiboeske Artikel, die nagende Zweifel an der Google unterstellten Cleverness wecken: hat jemand, der mir gebrandete Knete als "kreavitätsfördernd" verkaufen möchte, tatsächlich den intelligentesten Suchalgorithmus? Ein weiteres Downlight sicher auch die Google-Lavalampen, deren blosse Existenz jedem denkenden Menschen ein gebirgsmassivgrosses "Warum?" in die Gedankenwelt einpflanzen.
Es gibt aber auch das echte, richtige Google für zu Hause: Google Mini. Das ist eine "integrierte Hard- und Software-Lösung", die die eigene Homepage oder das Intranet mal so richtig durchgoogelt. Über den Sinn kann man streiten, aber wer schon immer ein eigenes echtes Googlechen daheim haben wollte, ist bereits für 2.995,00 EUR dabei.
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
16.06.2005 | 16:59 | Anderswo | Alles wird schlechter
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Der District Redlands in Kalifornien reagiert modern und vorbildlich auf die schlechten PISA-Ergebnisse: dort wird Playstation-Unterricht eingeführt (Quelle: wired). Auf dem Sportlehrplan steht zunächst das Spiel Dance Dance Revolution, das über die eye toy-Kamera gespielt wird.
Der Screenshot zeigt, dass dieses Spiel auch einen gesellschaftlichen Beitrag leistet, weil es die Jugend angemessen auf die verwirrende, bekloppte Welt vorbereitet. Die USA finden damit Schritt für Schritt zu ihrer früheren Vorbildfunktion für Deutschland zurück: zum einen wählt man geschickt mit Playstation ein Fach, in dem die allermeisten Schüler a priori fabelhafte Noten haben werden. Zum anderen wird das Spiel mit "DDR" abgekürzt. Auf diese Weise würde in Deutschland auch die Entdramatisierung der jüngeren Vergangenheit durch blosses Rebranding gewährleistet.
14.06.2005 | 20:25 | Sachen kaufen | Sachen anziehen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Trendtipps müssen nicht immer aktuell sein, wenn es die Leser nur nicht bemerken. Insofern bin ich mir keinesfalls zu schade, hier den Punkt "Buttons" reinzumogeln, obwohl Buttons natürlich längst wieder dramatisch out sind. Hier ein aktuelles Beispiel japanischer Kaiju Buttons. Kaiju Big Battel (ja, so wird das geschrieben) ist eine Mischung aus Godzilla-Game und Wrestling-Liga zwischen Event-DVDs und Online-Forum und damit das Former Next Big Thing in und aus Japan. In seiner gloriosen Unverständlichkeit ist Kaiju dazu prädestiniert, wirre Buttons zu vermarkten und so ist es dann auch.
Dabei ist die amplitudenreiche und zitatdurchwirkte Geschichte des Microaccessoires "Button" kaum jemandem wirklich bekannt. Buttons waren tatsächlich im Frühjahr 2005 kurz ziemlich cool, weil sie auf den sogenannten "Buttonherbst" im Oktober 1994 verwiesen, der seinerseits auf das dritte Quartal 1985 ("Buttonmania") Bezug nahm, von dem viele glauben, dass damals der Button aufkam, jedenfalls diejenigen, die die Grosse Buttonwelle Frühjahr 1978 nicht kennen, die sich wiederum auf den "Londoner Button-Alarm" von 1971 bezog, welche gespeist wurde durch die Bewegung "Buttons – an attitude for life" aus Brighton, die 1967 über sechs Wochen Aufsehen erregte, bis bekannt wurde, dass sie ihrerseits eine Kopie des ´58er BBM ("Big Button Movement") war.
Letztlich taugt der Button an sich gut dafür, politische, popintellektuelle, existenzialistische, punktheoretische oder weiss Gott für welche Botschaften so irre kleingedruckt zu transportieren, dass Interessenten und Interessentinnen sich bis auf Knutschweite zu einem herüberbeugen müssen.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Freizeitakkord
- Farben (aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken)
- Brötchentaste
- Spinnensinn im Darkroom
SO NICHT:
- Samba-Slipper
- sich wie in Israel verhalten (in der Beziehung)
- Im Mundloch rumstehen (verboten)
- Aufknuspertaste
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Morituris", Raffaele Picchio (2011)
Plus: 3, 52, 143, 151 Minus: 80, 156 Gesamt: 2 Punkte
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