Riesenmaschine

15.12.2010 | 09:46 | Supertiere | Alles wird besser | Listen

Mummy you're not watching me


Alles, was der Hund braucht.
"Ich hab von Tante Gisela ein Mail mit so einem Anhang bekommen, wo muss ich denn da drücken?" Wenn die ehemaligen Erziehungsberechtigten online gehen, folgen nicht selten Anrufe mit Fragen dieser Art. Wer als Sohn oder Tochter nicht in stundenlangen Gesprächen feststecken möchte, in denen der Satz "Was siehst du gerade auf dem Bildschirm?" häufiger gesagt werden muss, der sollte schleunigst die wunderbare Internetseite www.teachparentstech.org konsultieren. Hier werden sämtliche Standardsituationen (Copy und Paste, Systemzeit einstellen, Bildschirmhintergrund wechseln und ach so vieles mehr) freundlich, aber bestimmt per Video erklärt. Ein kleines Formular ausfüllen, hier und da ein paar Häkchen setzen – und schon geht der ganze Scheiss als nette Mail an Mama und Papa. Ein Traum – zumindest wenn die Eltern in der Lage sind, die zugesandte Mail auch zu öffnen.


07.12.2010 | 12:16 | Berlin | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Kritische Hipster


Das Klima im Hipster-Bezirk Prenzlauer Berg wird härter.
Nicht nur der VKH, auch die Kita Bambinioase steuert gegen.
Lustig war das Hipster-Leben: Den ganzen Tag nicht erwachsen werden, mit dem Strichachter durch Mitte cruisen oder im Laptop-Café die iTunes-Playlist sharen. Später zog man dann ins puristisch gehaltene Baugruppen-Loft, investierte in indonesische Versorger, bekam Nido-Kinder und scherte sich insgesamt einen feuchten Kehricht um den Rest der Gesellschaft und die sogenannte oder auch Gentrifizierung, deren Speerspitze man nolens volens schmolens war. Tempi passati.

Was ist passiert? Vielleicht haben ein paar zu viele von ihnen den kommenden Aufstand gelesen und sich gegruselt. Vielleicht haben sie sich und ihr wohlstandsverwahrlostes High-End-Leben zu lange im Spiegel von unhappyhipsters.com angeschaut. Liegt es daran, dass im Hipster-Mutterland USA gerade das Rollenmodell für tot erklärt und historisierend einsortiert wird? Oder war es am Ende doch die hartnäckige wachsende Reaktanz der Eingeborenen in den Hipster-Problembezirken, die Konfrontation nackter Haut bei den Wohnungsbesichtigungen, das abgefackelte Auto vor der Tür, die innere Einkehr und Selbstkritik befördert und den hiesigen Hipster ins Grübeln gebracht haben?

Jedenfalls hat sich jetzt in Berlin der Verband kritischer Hipster gegründet: "ein lockerer Zusammenschluss von Menschen, die im Prenzlauer Berg wohnhaft sind und sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in ihrem eigenen Umfeld kritisch auseinandersetzen." Die ersten Texte auf der Website legen tatsächlich Zeugnis ab von einem dem Hipster niemals zugetrauten Bedachtsamkeit und Selbstreflexion. Und ein aufschlussreiches Interview mit jetzt.de gibt es auch schon. Da kann man also sehen, was, Hipster Hitler zum trotz, die Hipster von den Nazis unterscheidet: Sie haben vielleicht die gleichen Frisuren, aber übernehmen ihre geschichtliche Aufarbeitung lieber selbst, anstatt sie den 38ern zu überlassen.


24.10.2010 | 22:15 | Alles wird besser | Papierrascheln

Luke & Trooke online

Kaum zehn Jahre nach Erscheinen der letzten Nummer des auf eine Art legendären Münsteraner Fanzines Luke & Trooke, das auch bei der Erfindung der Riesenmaschine Pate gestanden hat, ist es endlich so weit: Die gesammelten Werke sind komplett online verfügbar. Damit sind Sternstunden der Literatur und des Comics von später namhaften Grössen wie Martin Baaske, Mark Stefan Tietze, Carsten Bitzhenner, Corinna Stegemann, Jochen Schivink uva. endlich für die wissenschaftliche Exegese erschlossen und für die Nachwelt konserviert. Dass es am Ende doch so schnell und unbürokratisch ging, ist ausnahmsweise nicht das Verdienst von Google, sondern von Nils Dagsson Moskopp, der sich heldenhaft der Sache angenommen, den letzten vollständig erhaltenen Satz eiskalt guillotiniert und unter den Scanner gepackt hat. Die vollständigen 333 Megabyte sind jetzt zum sagenhaften Shopette-Preis von 0€ abrufbar unter lukeundtrooke.de. Vielen viel Vergnügen damit und Dank an Nils.


04.09.2010 | 14:07 | Alles wird besser | Sachen anziehen

Endlich! Mit Video!

Wie oft hat man nicht schon behauptet, die Zukunft sei da. Zum Beispiel 1620, 1875, 1911, 1975 und 1992. Und den absurden Claim von 2005 natürlich. Aber kann es wirklich eine Zukunft geben, in der man sich seine Schnürsenkel selbst zubinden muss? Eine Frage, die Blake Bevin aus dem nebelverhangenen San Francisco in jahrelangen Bemühungen erhängt und gevierteilt hat, und zwar mit den Power Laces 2.0, den ersten Schuhen mit selbstzubindenden Schnürsenkeln, auf der gesamten Welt. Endlich. Wir sind keine Schnürsenkelzubinder mehr. Jetzt werden uns die Aliens nicht mehr auslachen.


03.09.2010 | 13:13 | Berlin | Alles wird besser

Autos zu Chopper-Fahrrädern!

Man muss es so sagen: die gelungensten Exponate von Adrienne Göhlers gestern eröffneter und insgesamt sehenswerter Ausstellung Zur Nachahmung empfohlen in den Weddinger Uferhallen sind eindeutig und mit grossem Abstand die aus einem Schrottauto destillierten Fahrräder von Folke Köbberling & Martin Kaltwasser. Nicht, dass man sich nicht über die von Superflex durchgeführte und dokumentierte Flutung einer McDonald's-Filiale amüsierte, mit Gewinn über Adib Frickes Phrasenfragmente meditieren könnte oder eine spontane Symbiose mit Antal Lakners Pflanzenhaut eingehen möchte – aber mit diesen Dingern will man einfach sofort durch ein Schwellenland oder einen Problembezirk seiner Wahl cruisen und dabei bescheuerte Hüte tragen. In Kleinserie gehen, bitte!


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