Riesenmaschine

24.01.2010 | 20:10 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Gendertrends 2010

Die traditionell vorgesehenen zwei Geschlechter genügen den Anforderungen des Alltags schon länger nicht mehr. Die Lösungsvorschläge sind so vielfältig wie umstritten: Die Geschlechtslosigkeit der Algen, das mannweibliche "Mondgeschlecht" bei Aristophanes, das Dritte Geschlecht, die Hirschfeld'schen Zwischenstufen, die vier Geschlechter bei den nordamerikanischen Indianern, die vier bis fünf Geschlechter der Rigelianer, die fünf Geschlechter bei den indonesischen Bugi oder die 23.328 Geschlechter des Gemeinen Spaltblättlings sind sämtlich Nischenlösungen geblieben. Weil es – wie auch bei Netzteilen und Steckdosen – an einem gemeinsamen Standard fehlt, kann man der Produktentwicklungs- und Marketingwelt nicht verdenken, dass sie bisher etwas zögerlich in den Startlöchern verharrte. Am Ende braucht jedes Gastronomieunternehmen acht Klotüren, eine Kostenvervielfachung ohne klaren Nutzen. Die Zigarettenmarke Skavenbeck macht einen ersten Schritt mit der Unterteilung der Welt in vier praktikable Geschlechter: ein Teil des klassischen Frauensegments und der sehr schwule Mann (Pink / Fine Flavour), die davon nicht abgedeckten Frauen- und Schwulenbereiche sowie der metrosexuelle Mann (Grey / Fine Flavour) und der herkömmliche heterosexuelle Mann (Brown / Full Flavour). Das Segment Green/Menthol ist für künftige Erweiterungen reserviert.


22.01.2010 | 16:52 | Supertiere | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Rererererererekursion


Kann auch sowas wie Rekursion, aber sonst eben nichts: Romanesco (sblackley, Lizenz)
Vieles wurde dem Menschen im Lauf der Geschichte schon zugeschrieben, als das, was ihn ausmache und unterscheide von dem Gesocks, das er in die Zoos eingesperrt hat: die Fähigkeit zu Lieben, das Zubereiten von gekochten Speisen, das Stellen der Frage, was ihn denn ausmache. Der breiten Öffentlichkeit nicht ganz so bekannt ist ein anderes cooles Feature, vom dem behauptet wird, es sei die unique selling proposition des Menschen: Rekursion.

Während jeder dahergelaufene Affe irgendwelche Zeichen benutzen und zusammenkleistern kann, bleibt es uns vorbehalten, gleiche Strukturen beliebig oft nach dem selben Prinzip zusammenzubauen. Dem dummen Affen muss man deswegen ja auch jede Zahl einzeln erklären, wärend der schlaue Mensch irgendwann von selbst darauf kommt, dass, wo es eins, zwei und drei gibt, auch vier, fünf und sechs nicht weit sein können.

Genau dieses ungerechtfertigte Schattendasein der Rekursion zu beenden, ist jetzt Ziel einer grossangelegten Marketingkampagne, die das Massachusetts Institute of Technology in Zusammenarbeit mit der saarländischen Brauerei Karlsberg lanciert hat: Nicht "Beer + Cola + X" heisst der Claim zum neuen Getränk Mixery Blend, sondern "Beer + Beer + X". Natürlich ist das nur der Startschuss, auf den dann "Beer + Beer + Beer + X", "Beer + Beer + Beer", "X + X + X", "Beer + Beer + Beer + X + X" nach streng rekursiven Regeln folgen werden. Das muss einem der Affe erstmal nachbrauen.


21.01.2010 | 17:56 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Der Natur ein Vorbild sein

Der Flughafen gehört wie das Spassbad zu den Laboren, in denen der Mensch nachzubessern versucht, was die Natur in ihrer herumevoluierenden Hast unzulänglich gestaltet hat. Dank Flughafen können wir Steckeradapter für alle Länder ausser Australien erwerben, den Schlaf in neuartigen Körperhaltungen erlernen und uns schliesslich sogar auf ganz unmetaphorische Weise über die Natur erheben. Der abgebildete Baum demonstriert am Flughafen Tegel die Machbarkeit neuer immergrüner Laubgehölze für Nordeuropa (hier Eiche/Birke). Alles, was die Natur zur Nachahmung des einfachen Prinzips braucht, ist etwas Geduld und sehr viele Kabelbinder.


13.01.2010 | 11:24 | Supertiere | Alles wird besser

Wald aufräumen, Fluss putzen


Räumpilz im Walwald
Das 20. Jahrhundert, weiss ja jeder, war die Zeit, in der alle überall Müll machten und hinwarfen. Öl wurde in Flüsse gegossen, Plastiktüten wurden ins Meer und Granaten in Gräben geworfen, bis alles vollgerümpelt war mit Kram von der Molekülgrösse an aufwärts. Im viel moderneren 21. Jahrhundert hingegen findet das Vollstellen der Welt bekanntlich online statt, und der Abfall wird zum Abholen ins Blog gestellt. Das funktioniert auch wunderbar, aber derweil liegen die Altlasten des letztes Jahrhunderts noch überall blöd in der Realität rum. Schlimmer noch, die Müllmänner, die zum Aufräumen eingesetzt werden, sehen oft schändlicher aus als das, was wegzuräumen sie anrückten. Da kommt eine Entwicklung wie die walförmige Garteninsel von Vincent Callebaut, die beim Rumschwimmen Flüsse entgiftet, natürlich grade recht, und ist hoffentlich nur die Vorhut einer ganzen Zukunftsarmee der schönen Nützlichkeit. Eisbärförmige Kühlschränke, die die Arktis wieder zufrieren, fliegende Pilze, die den Müll aus Wald und Flur saugen, und Riesenkalmar-U-Boote, die sich von Plastiktüteninseln ernähren. Darüber wird dann natürlich leider überall gebloggt, aber das soll sich dann das 22. Jahrhundert überlegen, wie es damit klar kommt.

(via Inhabitat)


22.12.2009 | 21:46 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Neues aus dem Brettspiellagerhaus


"Mr. President, you can't say Dallas doesn't love you!", Bild und Spielidee: Lino Wirag
Was die Verarbeitung der neueren Geschichte angeht, war uns das Medium Brettspiel bisher keine grosse Hilfe: Immer nur Feudalismus, Eisenzeit und irgendwas mit Festungen. Zum Glück aber hat nun endlich jemand die auf wunderbare Art naheliegende Idee umgesetzt, das Merchandise zur Magic Bullet Theory um ein Würfelspiel zu erweitern. Wir erinnern uns: Bei dem Attentat auf Präsident John F. Kennedy soll eine einzige Kugel des Attentäters zahlreiche Verletzungen verursacht haben, indem sie ihre Flugbahn mehrmals geändert hat.

"The FBI says they can prove it through physics in a nuclear laboratory", schimpfte Staatsanwalt Jim Garrison in Oliver Stones "JFK" noch über diese Annahme. "Of course they can prove it. Theoretical physics can also prove that an elephant can hang off a cliff with its tail tied to a daisy! But use your eyes, your common sense." Hätte es das Brettspiel damals schon gegeben, wäre vielleicht auch Garrison von der Verschwörungstheorie abgerückt, denn hier wird Geschichte und theoretische Physik anschaulich dargestellt und spielerisch erlebbar. Für den deutschen Markt empfehlen wir allerdings die Vermarktung des Spielprinzips unter dem Titel "Bad Kleinen".


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