03.06.2006 | 17:54 | Anderswo | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wie müssen sie leiden, die Jungs und Mädels in der Produktentwicklung von Unilever/Magnum, dass ihnen als Gipfel des Luxus nichts anderes einfällt als ihre klobigen Eislutscher, die in erster Linie aus aus Rindernasen gewonnenem Fett und Zucker bestehen, und in flüssigen Stickstoff getaucht werden müssen, damit sie beim Abbeissen knacken – als einziges Feature. Wie müssen die japanischen Eisentwickler angesichts dieser Tristesse lachen, denn mit solch vulgären Fettlutschern kann man dort keinen mehr hinterm Ofen hervorlocken. Die Palette der angebotenen Sensationen reicht in der vegetarischen Abteilung vom Kartoffel-, Knoblauch- und Salateis über das Tinteneis, Seideneis, Meerwassereis und kittfarbenem Kohleeis (Bild) bis zum Waleis und dem unschlagbaren Rohen Pferdefleischeis. Hey, wenn man so was hier ins Kühlregal stellt, wird man verhaftet! Und damit nicht genug, sie machen selbst aus Matratzen Eis, und das Eis namens Finland ist mit Xylitol versehen, einem im Blumenkohl und in Birken vorkommenden Süssstoff, der die Anfälligkeit für Mittelohrentzündungen bei Kindern verringert, und die 100%ige Kariesreduktion möglich macht. Der Sommer kann kommen. Aber bitte nicht mit Magnum, Freunde.
01.06.2006 | 19:29 | Anderswo | Was fehlt
 Triumph des Scheiterns (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Dass bei Tieren und Pflanzen eine so verwirrende Vielfalt an Schnittstellen für Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung etc. vorgesehen ist, ist zwar rätselhaft, wird aber schon irgendeinen Zweck erfüllen, und sei es nur die Verhinderung von Pestbakterium-Blauwal-Bastarden. Dass es aber im Reich der Stromversorgung immer noch unmöglich ist, ein deutsches Gerät auch nur in der Schweiz an eine Steckdose anzuschliessen, und dass der Mensch dieses Problems auch durch meterlange Adapterregale in Flughafen-Elektronikmärkten bisher nicht Herr geworden ist, das beweist ganz sicher irgendwas Ungutes über das Universum. Egal, welches Adaptergerät man sich zulegt – es passen entweder noch nicht mal deutsche Stecker hinein, oder es funktioniert nicht in Australien oder nicht in Australien oder weder in Kanada noch in Südafrika, nicht in China, Grossbritannien und schon gar nicht in Ländern, in denen es keine Steckdosen gibt, und wenn ein Adapter mal überall, wenn auch nicht in Australien passt, dann hat er immer noch lange keinen 110/220-Volt-Konverter. So lange wir hier keine Lösung finden, brauchen wir uns über die echten Menschheitsprobleme (Umlautkodierung, Schnürsenkel gehen auf) überhaupt keine Gedanken zu machen.
31.05.2006 | 10:24 | Berlin | Anderswo | Nachtleuchtendes
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Überall ist draussen. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Vom Eskapismus im Kleinen handelt Stefan Canhams schön und opulent ausgestatteter Bildband Bauwagen – Mobile Squatters. Über 100 Bauwagenplätze gibt es allein in Deutschland, und geschätzte 10.000 Menschen leben auf diese permanent provisorische Weise, die Designer nicht müde werden, mit allerlei urban-nomadischem Schnickschnack neu zu erfinden. Dabei zeugen die improvisierten Innenräume (Hier als Diashow) von mindestens ebenso viel gestalterischem Formwillen, katalysiert durch die alltägliche Praxis des Lebens auf engstem Raum. Suggestiv ist Canhams Methode, die Aussenansichten schwarz-weiss zu belassen, wodurch die wohl sortiert chaotischen Innenräume noch bunter und – sagen wir es ruhig – "hippieesker" wirken. Wenn, wie Hermann L. Gremliza einmal bemerkte, alle Hausbesetzerei letztlich die Eigentumswohnung zum Ziel hat, dann ist auch den "Mobile Squatters" zumindest ein Sinn für gehobene Innenarchitektur keineswegs abzusprechen.
30.05.2006 | 19:18 | Anderswo | Supertiere
 Pfandgrube (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Gustave Le Bon beschrieb in seiner soziologischen Studie, dem Klassiker Psychologie der Massen, wie die Unterordnung des Individuums in einem Kollektiv funktioniert, wie eigene Interessen zugunsten eines Konsens aufgegeben werden, um die wohltuende Wärme und Trägheit in der Masse nicht zu verlieren. Auch wenn man nicht Teil einer Massenbewegung ist, sondern ein schlechtintegrierbarer Einzelgänger oder fauler Sack, vermag der Anblick von etwas Massenhaftem einen wohligen Schauer auszulösen, wie diese Wohnung mit 70.000 Bierdosen. Selbst wenn eine Masse etwas Sinnvolles erreicht, wie z.B. den bislang als unzerstörbar geltenden Flakturm im Wiener Augarten, in dem Tauben inmitten von 2,5 Meter hohen Bergen von Taubenkot und -kadavern neues Leben heranbrüten, und der vermutlich genau deswegen jetzt gerade zerbröselt. Gemeinsam etwas geschaffen, was den anderen Massen dient, hat das namenlose Arbeiterheer des Schachtürken bei Amazon: 10.000 nach links blickende Schafe, vermutlich um mit der Symbolhaftigkeit des Tieres etwas Albernes wie die Milliondollarhomepage zu persiflieren. Für jedes Schaf gab es dabei 2 Dollarcent, das macht immerhin im Schnitt 69 Cent pro Stunde. Und dabei ist dann noch eine tolle Tapete entstanden, mit vielen freundlichen Tieren, vor allem 945, 4144, 1532, 8988, 8816 und 9262.
30.05.2006 | 12:35 | Anderswo | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Nicht nur Pjöngjang in Nordkorea, sondern auch jede mittelgrosse ostdeutsche Stadt verfügt über ein BSP: eine bauliche sozialistische Peinlichkeit. So steht in Jena der fehlkonzipierte ehemalige Uni-Turm, im Fachjargon Penis jenensis genannt, in Leipzig das gigantisch-geschmacksichere Marxrelief, in Chemnitz der ebenso intransportable schwergewichtige Kopf von ebendiesem Karl Marx – und in Gera die legendären "drei Essen", das höchste Bauwerk im Lande Thüringen. Drei Essen sind es zwar, die zum ehemaligen Heizkraftwerk (HKW) Nord gehören, in Betrieb war aus ungooglebaren Gründen jedoch nur die kleinste von ihnen, die beiden grossen stehen seit mindestens den 70ern sinnlos funkelnd in der Industrielandschaft herum. Wer es schafft, am Hermsdorfer Kreuz in die einzige Richtung zu fahren, die nirgendwo hin führt (Osten), kann dieses Wahrzeichen der gesellschaftlichen Fortentwicklung ("Wir dampfen auf dem letzten Schlot") nicht verpassen – es leuchtet und blinkt im Dunkeln selbst noch Jahrzehnte nach Abschaffung der Fünfjahrespläne.
Nun sollen die Essen endlich abgerissen werden, weil sie der Bundesgartenschau 2007 im Wege sind, obwohl man genausogut auch Europas grösste Outdoor-Kletteranlage (nach den Alpen) daraus bauen könnte. Mit Recht regt sich Laienprotest in der Provinz, denn a) wird man Gera ohne Essen überhaupt nicht mehr finden und b) wird es noch nicht mal spektakuläre Abrissbilder geben, wie im Februar beim HKW Süd, denn dafür stehen die Türme zu dicht am McDonald's und am Discount-Möbelmarkt. Und zudem, und dies sollte am meisten Gewicht finden, versinnbildlichen allein die verbliebenen BSPs in zeitgemässer Art und Weise, dass der Sozialismus eine Sackgasse ist, und zwar eine Sackgasse, die auf einer grünen Wiese endet. Der Kapitalismus dagegen ist ein Kreisverkehr.
(Beitrag angeregt von Leser Björn Helm)
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das Grosse Hässliche Ding
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"Wake Wood", David Keating (2011)
Plus: 24, 37, 41, 51, 117, 138, 141 Minus: 15, 35, 38, 190 Gesamt: 3 Punkte
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