20.04.2006 | 04:35 | Anderswo | Essen und Essenzielles
 Around-the-world-Pretzeln (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Muss man tatsächlich erst nach Japan fahren, um dort den wohl ursprünglich einmal aus Deutschland in die USA importierten Pretzel Pieces Snack von Snyders of Hanover (American Pretzel Bakery since 1909) nicht nur in der Eurotrash-Langweiler- Geschmacksrichtung Cheddar Cheese zu erhalten, sondern in der weitaus aufregender klingenden Variante "Creamy Caramel"? Anscheinend. Und nur um dort festzustellen, dass nicht jeder mutwillige und tabubrecherische Übertritt über die Süss-Salzig-Schranke mit einem positiven Geschmackserlebnis belohnt wird. Kaum vorzustellen, dass diese für europäische Geschmacksknospen schlichtweg widerwärtige Aromen-Kakophonie fernöstlichen Zungen zusagt, es sei denn unter der Exotik-Massgabe, dass sie es für typisch deutsch-amerikanisch halten und schon deshalb gut finden müssen. In den USA selbst sucht man die Creamy Caramel Pieces trotz weitaus grösserer Auswahl übrigens anscheinend ebenfalls vergeblich. Der einsame Spitzengeschmack bleibt allerdings bis auf weiteres sowieso Honey Mustard & Onion. Warum gibt es den so selten in heimischen Supermärkten? Wie kann Gott das zulassen? Gibt es überhaupt einen Gott?
19.04.2006 | 01:46 | Anderswo
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Italiener haben eine angeborene Abneigung gegen Bier, es interessiert sie nicht, es schmeckt Ihnen nicht, ihnen fehlt das Enzym es zu verdauen. Wohl gibt es dort alibihalber ein paar Biersorten, folkloristischerweise alle mit deutschen Namen, Forst, Dreher, Wührer, Jodler, Metzger, Von Wunster, Prinz, Fink, Brand, Splügen, denn wo sonst soll Bier herkommen? Aus Belgien? Die meisten Italiener wissen gar nicht, dass es ein Land gleichen Namens gibt. Und auch wenn das beste alkoholfreie Bier besser gar kein Bier ist, hat man zu allem Überfluss jetzt dort eines eingeführt. Es heisst DANSK, also dänisch auf Dänisch, für Italiener scheint also Dänemark nur so eine Art abstinente Version von Deutschland zu sein.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Plötzlicher Himbeertod
17.04.2006 | 12:12 | Anderswo | Sachen kaufen | Sachen anziehen | Vermutungen über die Welt
 Seitdem die chinesische Textilbranche immer häufiger auch von der eigenen Regierung unter Druck gesetzt wird, keine internationale Marken mehr zu kopieren, versucht sich die chinesische Textbranche zusehends am eigenen Branding. Was dabei herauskommt, stellt zwar den chinesischen Kunden zufrieden, weil dem der lateinische Buchstabensalat sowieso nichts sagt. Der irgendwie fremd aussehende Name gibt ihm trotzdem das Gefühl, ein Produkt von internationalem Flair erworben zu haben. Der Laowai (Ausländer) aber steht im Pekinger Klamottenladen und rätselt: Wie soll ich fragen, wenn ich eine Hose der abgebildeten Marke will ("Kann ich mal die da von Oersnenvor/ Oersnanvur/Oersnunvir probieren?"), ist das eine Abkürzung, und wenn ja, wofür steht sie? Oer – (ergänze Erkenschwicker) supernatürliche voll Rustikale? Original English rough shorts ... Optimized extreme rude subtile ...(ab hier die verkrampften Erklärungsversuche bitte selbst fortsetzen). Diese Fragen kann einem weder ein Verkäufer noch das Internet (wahrscheinlich ist OERSNVR die erste ungoogelbare Marke der Welt) beantworten. Nur wie der Name entstanden ist, ist dem Preisschild am Hosenbund zu entnehmen: "Recycled brand through special washing." Und das ist nun wirklich eine Innovation.
*Beitragstitel-Copyright eventuell by Ich und mein Staubsauger 1987
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Label Inflation
17.04.2006 | 02:21 | Anderswo | Fakten und Figuren
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ostern 2006 dreht sich die ganze Welt um den Iran, zumindest in den grossformatigen Anzeigen des American Jewish Commitee, die derzeit Nordamerikas Tageszeitungen verschönern. Das Land von Zarathustra, Xerxes, der Operation Ajax und der grossen Buchenurwälder verfügt nicht nur über die Raketenreichweite, um sofort zum Beispiel Dänemark anzugreifen (siehe Bild), sondern bietet zudem eine präsidentale Internetpräsenz, an der sich die Vereinigten Staaten hinsichtlich Übersicht, Navigation und Informationsgehalt mal ein Beispiel nehmen sollten. Weil es im Iran ausserdem, nach Informationen des CIA, fast gar keine Rentner gibt, ist es oberflächlich betrachtet nur 99% Verblendung, wenn man davon überzeugt ist, es handele sich um das Land der Zukunft. Da ist es schon fast wieder verständlich, wenn man den grossartigen Fortschritt durch Abfeuern von Friedenstauben (natürlich angeleint) zelebriert (Foto aus China Daily).
16.04.2006 | 19:04 | Anderswo | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles
 Romantische Strassenszene in Peking mit Tortenbauarbeitern Wie sie schmeckt, können wir noch nicht sagen. Vielleicht wie eine Mixtur aus in Donauwörth verlorener Radkappe, Tauberbischofsheimer totem Igel und einer Ölspur von Schillingsfürst bis Dinkelsbühl, eventuell aber auch eher nach den alten Strümpfen von Bettina von Arnim, der romantischen Torte schlechthin. Die Riesenmaschine kann hier nur der westlichen Welt als allererste verkünden, dass sie in den nächsten Sekunden auf den chinesischen Markt kommt: Die "Deutsche Romantische Strasse Torte" der Firma Waffleboy in Peking. Die Plakatwerbung hängt schon an den Kreuzungen der Hauptstadt, die Torte selbst ist – im Gegensatz zur Pückler-, Linzer- oder Schwarzwälderkirschtorte – im Netz noch nicht bestellbar. Wer auf den Link unter dem zur Tortenpremiere herausgegebenen Heftchen klickt, gelangt auf eine Seite, die "zheng zai jian she zhong" (under construction) ist. Mag also sein, dass die Torte noch mal schnell frisch geteert wird, bevor wir sie uns dann 24 Stunden am Tag ins Haus kommen lassen können. (Achtung: Mindestbestellung 10 Torten bei Lieferung ausserhalb des sechsten Rings!)
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Ardennenschmähen
- vorbildlich bewirtschaftete Wälder
- 64 slices of American cheese
- im Lampenladen nach Kandelabern statt Armleuchtern verlangen (Neue Höflichkeit)
SO NICHT:
- zum Hassen auf den Speicher
- ungemachte Betten, Jahrzehnte nach dem Turner Preis
- kaputtgerenderte Bäume
- aufblasbare Möbelstücke
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Walk the Line", James Mangold (2005)
Plus: 21, 33, 37 Minus: 14 Gesamt: 2 Punkte
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