28.03.2006 | 06:29 | Berlin | Anderswo | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Es ist also gar nicht so, dass sich englischsprachige Rucksacktouristen aufführen wie die Katze beim Tierarzt, weil sie das gern so wollen und sich auch zu Hause nicht anders verhalten. Es sind, wie dieser Flyer "Backpacker's Phrasebook" von hostelbookers.com belegt, vielmehr wieder von Monty Pythons "Ungarischem Wörterbuch" inspirierte Autoren am Werk. Hier zeigt sich, dass die Sapir-Whorf-Hypothese der Linguisten eben auch und besonders in der Tourismusbranche gilt: Der Tourist ist ein ferngesteuerter Roboter der Fremdenverkehrsindustrie, dessen Verhalten durch die Sprachfragmente bestimmt wird, die ihm zur Verfügung stehen. "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt", heisst das bei Wittgenstein. Wohl dem Touristen, der da rechtzeitig Toki Pona sprechen gelernt hat, eine künstliche Sprache, die die Weltanschauung ihres Benutzers im Sinne des Taoismus formt. Leider wird sie von deutschen Taxifahrern nur in Ausnahmefällen verstanden.
27.03.2006 | 22:29 | Anderswo | Was fehlt
 Ein RFID-Chip hütet den Golfball wie seinen Augapfel (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Was verdanken wir Golf nicht alles! Autos, Ströme, Kriege, ganze Generationen! Da ist es nur fair, dass der Mensch die erste sich bietende Gelgenheit beim RFID-Schopfe packt und es ihm zurückzahlt. Genau das passiert in Washington DC seit einiger Zeit, denn der Mensch, dieser findige Erfinder, baut kleine Chips in Golfbälle ein, die so preisgeben, wie schnell sie wohin fliegen und all das. Das alles ist für Golfspieler eine kleine Sensation, irrsinnig interessant, wir anderen hingegen, die grosse Masse, die sich auch fragt, warum dauernd diese vollkommen spannungsentladenen Golf-Liveübertragungen auf Eurosport zu sehen sind, wir anderen also, uns ist das verhältnismässig egal. Ein Chip, der den Golfkrieg erklärt hätte oder den Golfstrom oder wenigstens den anhaltenden Erfolg des Golfautos, das wäre etwas interessanter gewesen.
27.03.2006 | 15:11 | Anderswo | Supertiere | Alles wird schlechter
 Nicht in Texas, deshalb sind die Schlangen so entspannt (Foto: candiedwomanire / Lizenz)Offenbar aus rein populistischen Gründen hatte sich das hiesige Wetterministerium entschlossen, zum astronomischen Frühlingsanfang am 20. März das Wahlvolk kurz mit saisongemässen Temperaturen zu erfreuen. Das war dann aber auch schon die ganze kurzfristige Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Ereignis.
Keine Plakatwerbung und kein Jubelchor der Regierung, der diese Temperaturerhöhung als Spitzenleistung im mittel- und nordeuropäischen Vergleich ausweist. Da können uns andere Gegenden wieder einmal Vorbild sein, wie man den Frühlingsanfang entsprechend feiert. In Sweetwater (Texas) gibt es am zweiten Märzwochenende dazu den Rattlesnake Round-up. Da man in Nordamerika keine Büffel mehr abschiessen darf und kaum mehr kann, hat man sich neue Schurkentiere gesucht und in der Diamondback-Klapperschlange gefunden.
Vor fünfzig Jahren begannen Farmer, die noch wintersteifen Rattlesnakes aus ihren Erdlöchern herauszufangen, weil immer wieder Kühe von den Reptilien gebissen wurden. Mittlerweile gibt es dort zwar kaum noch frei weidende Herden, aber dafür werden Schlangen im Gewicht von mehreren Tausend Kilo zusammengetragen und getötet. Da es in der unmittelbaren Umgebung deswegen kaum mehr Schlangen gibt, suchen die konkurrierenden Teams die Tiere mittlerweile im Umkreis von mehr als hundert Meilen. Es geht nicht um zoologische Details, also finden sich auch viele andere, ungiftige Schlangenarten unter den Fängen. Es gibt dazu eine "wissenschaftliche Begleitforschung" in Kooperation mit dem Texas Parks and Wildlife Department. Doch neben deren läppischen Angaben über das Gesamtgewicht der Schlangen nimmt sich das "Forschungsprogramm" japanischer Walfangflotten wie eine Nobelpreisarbeit aus.
Ja, so sind sie halt, die Naturschützer, lauter Heulsusen. Die positiven Aspekte sieht dabei keiner: Das Grossereignis kurbelt mit fünf Millionen Dollar Umsatz die lokale Wirtschaft an. Bis zu 30.000 Leute nehmen am Round-up teil und haben beim Klapperschlangenwettessen und der Wahl zur Miss Schlangenbeschwörerin sicher eine Menge Spass. Und die Idee, dem frühlingshaften Wiedererwachen der Natur gleich ordentlich eins vor den Latz zu knallen, könnte man doch auch hierorts aufgreifen.
25.03.2006 | 11:43 | Anderswo | Supertiere
 Mensch-Biber-Verhältnis: So nicht! (hier war ein Bild von einer Biberfellmütze zu sehen)Biber haben, so schreibt uns die dpa, in einem Wald bei Schönewalde Tausende junge Eichenbäume gefällt, nachdem menschliche Handlanger im Vorfeld 400 Meter Forstzaun und 120 Pfähle aus dem Weg räumten. Die Polizei ermittelt, wenn auch nicht gegen die tatverdächtigen Biber, weil man korrekt erkannt hat, dass ihre Motivation derer vernachlässigter Kinder gleicht, die im Supermarkt klauen: Der Biber will nur mehr Aufmerksamkeit; wir werden uns also der Nagetierhuldigung künftig noch eingehender widmen müssen. Denkbar wäre allerdings auch, dass Biber angesichts von Eichenschonungen in einen ähnlichen Blutrausch geraten wie das Wiesel im Hühnerstall und nur noch "MUST – KILL – ALL – TREES!" denken können.
Dem angerichteten Gesamtschaden von 7.800 Euro (Forstzaun und Pfähle vermutlich inklusive) kann man nebenbei entnehmen, dass Eichen praktisch nichts kosten, aber auch, dass der entsprechende Wald schlampig gewartet wurde. Zwar ist der Biber ein schneller Fäller (ca. 10 cm Weichholzdurchmesser pro Viertelstunde) und die Eiche ein langsamer Wachser, aber trotzdem müssen der Biber und seine Frau einige Wochen ackern, bis sie die Sore abtransportiert und zum Hehler geschafft haben. Wo war in dieser Zeit das wachsame Auge des Försters? Ein Schild "Dieser Wald enthält nur Unterholz und wird täglich geleert" hätte das Unheil vielleicht verhüten geholfen, vielleicht aber auch nicht.
24.03.2006 | 10:17 | Anderswo
 Picture Virals: Explosionsartige Verbreitung ohne die herkömmlichen Streuverluste (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Für die einen sind sie Spam, für die anderen das Lustigste, was sie seit fünf Minuten gesehen haben: Weiterleitungswitzchen oder Virals. Im schlimmsten Falle sind das E-Mails mit Betreffzeilen wie "ROFLMAO!" oder "Wie GEIL!!!!!" mit abgrundtief unwitzigen, drei Wochen alten und viel zu grossen Filmchen, Bildern, Soundfiles oder buerohumor.ppt im Anhang, im besten Falle begeisternde und den Tag machende Links zu inspirierendem Content und reizenden Onlinezeittotschlägern. Für das Londoner Institute of Contemporary Arts sind sie nun auch Kunst. Im Mai 2006 findet ebendort unter dem Namen "Outrageous And Contagious" die welterste Viral Email Exhibition statt, die als Auftaktevent für die später im Jahr stattfindende Verleihung des Viral-Oscars "Germ" dienen soll. Um den britischen Anstecknagel werden wohl in erster Linie Marketing-Guerilleros und Web-Auskoppelungen von Kreativagenturen wetteifern, möglicherweise aber auch nichtbudgetierte, webgewandte Witzbolde, und hoffentlich auch KLF, die sich jüngst per E-mail zu Pete Doherty bekannten. Die Einreichung der Wettbewerbsbeiträge erfolgt wie üblich per Mail an beliebige Empfänger.
... 114 115 116 117 118 [119] 120 121 122 123 124 ...
|
IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Fischexkremente absaugen
- Geschlechtsnocken vermissen (speedy retro)
- heisses Teil (selbstgenäht)
- Thomas Demand
SO NICHT:
- Brandstiftung wider Willen
- unglaubwürdige Religionen
- heisses Teil (von Ed Hardy)
- Books on demand (für Autoren)
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"No Country For Old Men", Joel & Ethan Coen (2007)
Plus: 3, 14, 19, 21, 23, 24, 25, 34, 35, 37, 42, 55, 69, 79, 89, 101 Minus: 140 Gesamt: 15 Punkte
KATEGORIEN
ARCHIV
|
|