17.08.2005 | 16:44 | Anderswo
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Die alte Hanse Hamburg hat etwas sehr Sympathisches mit Berlin gemeinsam: sie hat kein Disneyland. Einige Versuche strandeten in Form von Heide-, Hansa- und Eselpark weit vor den Toren der Stadt. Der Engländer jedoch war es, der vor einigen Jahren me not, you not, das Grusel- Erlebnis-Kabinett Hamburg Dungeon in die City flanschte. C-Klasse-Schauspieler dürfen hier den großen Brand, die Pest, Zeter und Mordio nachspielen, im Dunkeln und mit viel Plastilin am Kopf. Menschen mit doofen Kindern dürfen sich das anschauen und es – vermutlich – scheiße finden. Wie einem großen Plakat am Baumwall zu entnehmen ist, wartet der "live Gruselschocker" nun mit einer neuen Attraktion auf: "Hamburg Dungeon. Neu: die Cholera TM von 1892." Die Cholera als Trademark. Ich bin gespannt aufs Merchandising: Knuddelabwasser, Plüschgedärm und Durchfall zum Anziehen.
17.08.2005 | 14:10 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder

Seit H.G. Wells erstem Roman (1895) ist die Menschheit auf der Suche nach der Zeitmaschine. Jetzt hat die Riesenmaschine sie gefunden. Die Maschine sieht aus wie ein normales Flugzeug, das nach Peking fliegt. Dort angekommen, steht es dem Passagier frei, zwischen einem Aufenthalt in der frühen Neuzeit (Hutong-Siedlungen) oder der übernächsten Zukunft (New Central Business District) zu wählen. Mit etwas Glück (auf Aushänge achten) katapultiert es ihn auch direkt zurück ans Ende der Siebziger Jahre, wo er einer echten Punkbewegung beim Aufbrechen zusehen darf.  Punks und Punkbands gibt es zwar schon seit rund zehn Jahren in China, doch anders als im Westen wirkt Punk hier immer noch so, als sei Malcolm McLaren gerade gestern erst eine irre Idee gekommen. Unsere Riesenzeitmaschinenbilder zeigen ein Open-Air-Konzert vom letzten Wochenende, das auf dem Gelände des "Maple Leaf"-Autokinos im Pekinger Osten stattfand. Zwölf Gruppen traten auf, darunter auch ein paar lustige Skin-Bands (im Bild "Mi San Dao"). Linke Skins, versteht sich, so wie ganz, ganz früher eben. 
16.08.2005 | 12:23 | Anderswo | Was fehlt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Von den zehn schlimmsten Kopfbeulen in der Menschheitsgeschichte dürften mindestens sieben unter Schreibtischen entstanden sein: eine Mehrfachsteckdose möchte einen Stecker nicht freigeben, unter massiver Gewaltverwendung tut sie es dann doch und gibt gleichzeitig ordentlich kinetische Energie mit auf den kurzen Weg bis zur Tischplatte. Eine solche am eigenen Leib erlebte Alltagsproblematik dürfte Auslöser für das längst überfällige Redesign des Steckers gewesen sein. Nicht nur, dass Manabu Nishikawa eine ergonomische, funktionale Form für einen Stecker (der ja auch in der Hälfte der Fälle "Zieher" heißen könnte) entwickelt hat, er hat für seinen "ring plug" auch funky Farben wie dieses transparente Blau verwendet. Weshalb diese wunderbare, bereits etwas ältere, aber eventuell sämtliche privaten Energieprobleme der Menschheit lösende Erfindung den Weg aus Japan noch nicht nach Europa gefunden hat, erkennt der geschulte Beobachter schnell: der Japaner an sich verwendet vollkommen andere Steckerpinöppel.
14.08.2005 | 01:17 | Anderswo | Supertiere
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Städtemarketing ist immer eine schwierige Sache, denn letztlich, machen wir uns mal nichts vor, sind sich Städte alle ziemlich ähnlich. Die meisten Städte haben sich irgendwann in den letzten zehn Jahren städtemarketingtechnisch beraten lassen, mit recht einheitlichen Ergebnissen: meist wurden einfach ein paar bunt bemalte Löwen aufgestellt, Frösche, Bären, Haie, Orcas, Büffel, Elche, Fische, Schweine, Schweine, Hans-Hummel-Figuren, Lipizzaner oder Dinosaurier, je nachdem halt, und alle Städte, denen gar nichts einfiel, nahmen Kühe. Im niederösterreichischen Waidhofen an der Thaya hat man sich zum Glück gegen solchen Unfug und für die Errichtung einer Waldrapp-Voliere entschieden.  (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Eine so grossartige Waldrapp-Voliere gibt es sonst nirgends, genaugenommen gibt es andernorts noch nicht einmal weniger grossartige Waldrapp-Volieren und man kann also ohne weiteres sagen, dass Waidhofen an der Thaya sich mit diesem Coup an die internationale Spitze der Waldrappvolierenstädte katapultiert hat. Da ist die dazugehörige Waldrappstatue (überlebensgross) aus massivem Silber nicht übertrieben, und weit grössere Städte können waldrapptechnisch einfach mal einpacken. So geht es nämlich auch!
13.08.2005 | 02:59 | Anderswo | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Es gibt ja viele gute Gründe, gerade in der Arktis Erdöl zu fördern, z.B. kann man ausgelaufenes Öl auf dem Schnee leicht finden, und man muss nicht mühsam Frischfleisch einfliegen, weil die Karibus direkt vor der Haustür grasen. So denkt man, wenn man morgens im Halbschlaf erst an der Tankstelle mit den Benzinpreisen, dann an den neuen WWF-Plakaten vorbeiläuft. Moment aber, WWF, fragt man sich Stunden später, war das wirklich die Vereinigung der Ölfördergesellschaften, oder nicht vielleicht doch eher diese Tierschutzgeschichte?
Einerseits ist intelligente Werbung prinzipiell lobenswert, und ganz schön clever, etwas zu verdammen, indem man so tut, als fände man es sinnvoll. Andererseits werden Menschen zwar per Default mit einer Art Großhirn ausgestattet, verwenden dieses Modul doch aber, das zeigen eigentlich alle Untersuchungen, eher selten, und zwar weil es ja auch irgendwie ohne geht. Wäre es da nicht etwas weniger riskant, einfach weiter an die niederen Instinkte zu appellieren und Bilder von ölverschmierten Vögeln mit großen, anklagenden Augen auf die Plakate zu drucken?
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Kernseife
- Feuchtes Toilettenpapier "Happy End" (Penny-Markt)
- Götz Alsmann (frech!)
- urige Schuhe
SO NICHT:
- Vaterschaftstest fordern (von Gott)
- Bassisten-Bashing
- Weberknechte im Teewasser
- Armbanduhr (überholt)
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Yakuza Apocalypse", Takashi Miike (2015)
Plus: 3, 33, 50, 96, 97, 103, 118, 143, 148, 149 Minus: 97, 102, 203 Gesamt: 5 Punkte
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