Riesenmaschine

14.06.2007 | 21:06 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Pseudoverknappung


Nur begrenzte Aussichten auf Wertsteigerung (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Zu den wirksamsten Verkaufsargumenten zählt seit Menschengedenken neben dem Geschlechtlichen die Verknappung: "Wenn du geliebt werden willst, mach dich rar", riet Ovid schon vor 2000 Jahren. Ökonomisch zur Regel umformuliert heisst das: "Die kürzere Marktseite setzt sich durch" (was hinwiederum nichts mit dem "Long Tail", geschweige denn mit Sex zu tun hat). Von daher kann es für den Anbieter durchaus sinnvoll sein, zu simulieren, man sei die kürzere Marktseite – selbst wenn man auf einer nur zur Hälfte ausgelasteten Fertigungsstrasse oder überquellenden Abfüllanlage sitzt. Ein argumentativer Hebel dazu ist das Prinzip Vintage, die Verjahrgangung von allem und jedem, von der wir bereits ahnten, dass sie vor Aldis "Feurigem Texaseintopf" nicht halt machen wird. Ein zweiter ist die "limitierte Edition", die vom Kunstmarkt abgeschaute selbstinduzierte Beschränkung auf eine bestimmte Auflagenhöhe. Damit der Effekt funktioniert, muss es sich dabei allerdings – ähnlich wie bei der Brinkmanship, dem Spiel mit dem Abgrund – um ein glaubwürdiges Commitment handeln, eine wirksame Drohung, selbst im Falle eines drückenden Nachfrageüberhangs die Finger von der Druckerpresse/Abfüllanlage zu lassen. (Von Salvador Dalí heisst es, er habe kurz vor seinem Tod noch ca. 75.000 Grafik-Bögen blanko signiert, später je nach Bedarf zu bedrucken, was eine entsprechende Preisentwicklung zur Folge hatte.) Schwer zu beurteilen, inwieweit dies auf die "Limited Edition" der Grillsauce "Engelchen" von Knorr zutrifft, zumal sich das Etikett hinsichtlich der Auflagenhöhe gänzlich bedeckt hält. Potentiellen Sammlern und Anlegern ohne Interesse an Eigennutzung sei jedenfalls hiermit zur Vorsicht geraten, umso mehr, als das Verfallsdatum 07/2008 einem auf langfristigen Zuwachs angelegten Investment im Weg stehen dürfte.


14.06.2007 | 02:38 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Šwerter zu Buhštaben


Die Sache hat einen Haken. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
In genau zwei Wochen wird sich das dunstgefüllte Loch in den Bergen namens Kärnten für ein paar Tage öffnen, um den Literaturshowblock herein- und sehr viel gesprochenes Wort herauszulassen, ohne das ja, wie Showblock-Autorin Marinic richtig bemerkt, kein einziges Buch geschrieben worden wäre. Aber was treibt das Wort in Kärnten an den restlichen 360 Tagen im Jahr so, wenn niemand hinguckt? Es sorgt hauptsächlich für bilinguale Magenverstimmungen, es sorgt unter anderem dafür, dass ein Landeshauptmann die versammelte Presse einlädt, ihm dabei zuzusehen, wie er ein Ortsschild ab- und ein paar Meter weiter wieder aufbaut, um zu verhindern, dass dieses mit slowenischen Zischlautdarstellungen versehen wird. Ausserhalb Österreichs bekommt man von diesem Grummeln im geographischen Unterleib des Landes nichts mit, denn die Sache ist den Österreichern peinlich.

Doch nun winkt Hoffnung an der Hačekfront: Der Nudelfabrik Finkensteiner und Wissenschaftlern der Universität Klagenfurt ist es endlich gelungen, erstmals die Lettern Č, Š und Ž als Buhštabenzupe in Teigwarenform zu pressen, um somit die Sprachbarrieren buchstäblich weichzukochen und volksdeutsche Kärntner Suppenteller zu infiltrieren.

Bei regelmässigen Verkostungen kann nun simultan gezischt und geschlürft werden, vom gleichzeitigen Bestellen des slowenischen Nationalschinkens Pršut raten wir jedoch ab. Ebenso wie wir von der Produktion ß-förmiger Teigwaren vorsorglich abraten. Nicht mal dran denken, Nudelfabrik Finkensteiner!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ich kaufe ein "C"


11.06.2007 | 13:38 | Alles wird besser | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Korrektes Zitieren auf Müslipackungen


Abb. a (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Abb. b (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Vor knapp zwei Jahren deckte die Riesenmaschine einen handfesten Skandal auf: Die wissenschaftlichen Diagramme auf diversen Nivea-
Produkten waren nämlich einfach im Copy&Paste-Verfahren auf die Packungen geklebt worden – ungeachtet der komplexen verschiedenen Sachverhalte, die sie wiedergeben sollten und unter Missachtung simpelster Standards des wissenschaftlichen Arbeitens (vgl. Abb. a und Passig, 2005).

Danach ging ein Beben durch die Zunft der Verpackungsbeschriftungs-
wissenschaft. Es kam zu Massenentlassungen, Paradigmenwechseln und revolutionären Umbrüchen im Arbeitsprozess – mit einem zumindest zufriedenstellenden Ausgang, wie Abb. b zeigt. Auf den Packungen des Dr. Oetker VITALIS Schoko Müsli (Mit Vollmilch Schokolade) wird die korrekte Quelle für die Angaben über die empfohlenen Tagesdosis der im Produkt vorhandenen Vitamine ordnungsgemäss angegeben: Die 5. Auflage des Standardwerks von Souci, Fachmann, Kraut nämlich. Jetzt müssen bloss noch Erscheinungsort und -jahr genannt werden, dann hätten wir diesen leidigen Punkt endlich abgehandelt und könnten uns den Inhalten zuwenden.


09.06.2007 | 22:11 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Legen und legen lassen


Handlich, formschön und voll nützlicher Funktionen: Huhn (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Woher die Hühner und die Eier kommen, war bisher nicht so ganz geklärt: die einen aus den anderen? Oder die anderen aus den einen? In Wirklichkeit, so wissen wir jetzt, kommt beides mit der Post aus Oxfordshire. England, das Land mit den abwegigsten Wasserhähnen und seltsamsten Zugtüren der Welt hat zur Abwechslung einmal eine praktische Lösung hervorgebracht, nämlich das Eglu. Man stellt das vage an einen iMac erinnernde Gehäuse in den Garten, tut ein mitgeliefertes Huhn (zwei Rassen zur Auswahl, geimpft gegen alle Hühnerkrankheiten) hinein und wartet ab. Schon bald fängt das Huhn an, essbare Frühstückseier hervorzubringen. An den Details der Eierproduktion könnte man ästhetisch und hygienisch noch manches verbessern, aber das Ergebnis ähnelt einem gekauften Ei wie, nun ja, ein Dings dem anderen. Jetzt kann es nicht mehr lange dauern, und der seit Jahren herbeigeredete Trend zum Fabbing steht tatsächlich vor der Tür und man wird alles selber machen können, Butter, Honig, sogar Brot. Wenn die Hühner jetzt neben Eiern auch noch neue Hühner hervorbringen könnten, wäre das zwar schon fast so schön wie eine eigene Von-Neumann-Maschine, aber wovon sollten dann die Huhnhersteller leben?


01.06.2007 | 01:42 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Salz der Erde


Manche Leute behandeln ihre Eier, als hätten sie noch ein paar im Kühlschrank. (Foto: thenaturalizer) (Lizenz)
Wenn man ein schön gekochtes Frühstücksei vor sich auf dem Tisch stehen hat, geköpft oder aufgeklopft, dann kann man durch das Draufstreuen von Salz dessen Geschmack so modifzieren, dass es noch besser schmeckt, also eine zentrale seiner inhärenten Eigenschaften verbessern. Klingt vielleicht überraschend, ist aber so. Noch überraschender ist, dass es bei der Erde, obwohl sie auch wie ein aufgeklopftes Frühstücksei aussieht, ganz anders ist. Überdüngung und Austrocknung führen zur Versalzung, und darüber freut sich niemand so recht, nicht einmal, wenn sie eigentlich ganz gut zum Namen passt. Pflanzen wachsen in Versalzenem nicht mehr gut, und auch das ist beim Frühstücksei (Ausnahme: Kressekopf-Ei) erwünscht, bei der Erde aber eher lästig. Die Lösung des Problems – salzfressende Pflanzen – liegt wie alle guten Ideen eigentlich auf der Hand, es musste nur erst jemand drauf kommen. Das ist jetzt geschehen, und selbst wenn jemand Einwände haben sollte, kann man ja einfach eine Pflanze züchten, die sich von Argumenten ernährt. Alles prima also, und wir können uns wieder den wirklich wichtigen Problemen widmen, unserem Frühstücksei zum Beispiel. Igitt, was wächst denn da drauf?


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