Riesenmaschine

25.05.2006 | 01:58 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Fleisch trifft Pommes


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Manche Produktinnovationen ergeben sich einfach durch die ingeniöse Rekombination zweier Komponenten, die für sich genommen zum unspektakulären Inventar des Lebens zählen. Man mus halt nur drauf kommen. Und zack, Raum trifft Kraft, Samen trifft Zeit, findet eine neue Urzeugung statt, eine kalte Kernfusion an deren Ende ein neues, nie da gewesenes Produkt steht, das allen den Stecker rauszieht. Zack: Pullover + Mütze = Hoodie. Zack: Sportwagen + Jeep = Cayenne. Zack: Bier + Limonade = Alsterwasser. Genau so ist es bei "Servet's KebabBag" nicht, den es seit Neuestem (0 Googletreffer, Stand heute) am Hackeschen Markt zum Mark-up-Preis von 3 Euro zu beziehen gibt. Genauer gesagt: Es passiert gar nichts. Dönerfleisch und Pommes mit Mayo und Ketchup liegen unversöhnlich Seite an Seite in der Papiertüte, von einander abgewandt, wie ein altes Ehepaar, das schon seit Äonen keinen Sex mehr hatte. Geschmacklich: Keine spontane Kettenreaktion, nicht mal ein Amalgam entsteht, vielmehr eine unbefriedigende Emulsion aus laffen Pommes- und laffen Döneraromen, eben so, als hätte noch jemand Öl aufs Fett gegossen und nicht aufs Feuer. Nur die Sauce suppt unten aus der Spitze der Tüte aufs Hemd und macht den "KebabBag" alles in allem zum grössten Dreck, den sich die Branche seit dem Dönerburger ausgedacht hat.


24.05.2006 | 15:45 | Essen und Essenzielles

Essen statt Schlafen


Zeitzonen: Verwirrend und unschön gefärbt (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Das Argonne National Laboratory in Chicago ist eines der grössten Forschungszentren des Energieministeriums der Vereinigten Staaten. Und weil Energie weltweit in riesigen Mengen zur Verfügung steht, arbeitet man bei Argonne lieber an der Bekämpfung des internationalen Jetlags, ein Problem, das man mit herkömmlichen UN-Resolutionen einfach nicht in den Griff kriegt. Vor gut zwei Jahren launchten die Energiespezialisten von Argonne daher antijetlagdiet.com, einen ausgereiften Informationsservice basierend auf jahrelanger Forschung mit Langstreckentestpiloten, unter anderem ganzen Heerscharen von "National Guard" Pilots, die offenbar viel Freizeit und wenig zu guarden haben. Das Argonne-Institut, überzeugt von seiner Mission, ruft jetzt abermals zur Anti-Jetlag-Diät auf. Und das funktioniert ungefähr so: Angenommen, man bricht abends von Amerika nach Europa auf. Dann isst man den ganzen Tag nichts, schläft dann nur kurz im Flugzeug, bevor man, wenn es in Europa Zeit zum Aufstehen ist, also nachts um eins, ein ausgiebiges Frühstück einnimmt, und anschliessend den Rest der Nacht im Flugzeug auf und ab läuft. In der Folge wird man von den Mitreisenden gesteinigt und kommt verbittert, ausgeleiert, hungrig und todmüde in Europa an. Aber eben ganz ohne Jetlag.


21.05.2006 | 02:07 | Essen und Essenzielles

Riesenfroschlaich (all flavors)


Blech hat keine Balken (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Da Bubble Tea in Taiwan seit den 80er Jahren und im Rest Asiens seit den 90ern zum Megatrendgetränk aufgestiegen ist und daher logischerweise in Deutschland ca. 2020 den Chai Latte ablösen wird, haben wir schon mal einen Blick in die Zukunft geworfen und die nebenstehend abgebildeten Getränke im Gesamtwert von umgerechnet 3 Euro verkostet. Es handelt sich dabei um zwei genuine Bubble Teas mit den klassischen Glibberelementen aus Tapioka sowie vier sinnverwandte Getränke, die zur Kalibrierung des Testfelds dienen.

1. Mong Lee Shang Pearl Milk Tea (im Bild oben rechts): Schmeckt wie mit Abwaschwasser verdünnter Chai Latte, gekühlt sicher geniessbar. Tapioka-Anteil klein, farblos, unregelmässig geformt.

2. Mong Lee Shang Pearl Soybean Drink With Tapioca Ball (oben links): Wir haben schon an Holzlinealen gesaugt, die besser schmeckten. Vermutlich aus eingeweichtem Kinderhaar hergestellt. Tapioka-Anteil baugleich mit #1, was schade ist, denn Tapioka gibt es anderswo auch als grossen, schwarzen Froschlaich.

3. Mong Lee Shang Taro Black Glutinous Rice Coconut Milk Drink (unten Mitte): Besticht zunächst durch ein ausgereiftes Klapplöffelchen, das im Deckel versteckt ist. Die Flüssigkomponente ist eine Art akzeptable Kokosschokomilch, enthält aber leider zudem mehrfarbige Feststoffkondensate, die in Konsistenz und Geschmack an Silage erinnern. Beim Ausgiessen bleibt in der Dose ein Bodensatz aus graubraunem Glibber zurück. Wer bitte denkt sich so einen Quatsch aus?

4. Chin Chin Grass Jelly Drink (unten links): Abgestandene Cola mit dem Aroma verbrannter Plastikabfälle. Das "Gras" im Namen ist vermutlich einem Übersetzungsfehler geschuldet. Würfelförmige, geschmacksneutrale Glibberelemente.

5. Mong Lee Shang Grass Jelly Drink (unten rechts): Wie #4, nur noch schlimmer.

6. Wonderfarm White Fungus Bird's Nest (oben Mitte): Transparent mit weisslichen, amöbesken Schwebstoffen, ästhetisch nicht uninteressant. Schmeckt wie in Wasser aufgekochte Zuckerosterhasen mit leichter Moderkomponente.

Vermischt man alle Testprodukte, so entsteht ein graubraunes, sicherlich hochgiftiges Getränk, das seltsamerweise besser schmeckt als die Summe seiner Einzelteile (vgl. Heisenberg "Der Teil und das Ganze", Piper 2001). Insgesamt darf der Einblick in die unerforschliche Asiatenseele aber trotzdem als gescheitert gelten. Wer sich selbst ein Bild machen will: In Berlin kann man Bubble Tea angeblich im Grand Hyatt verkosten.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Virtuelle Knackfolie im Test

Kathrin Passig / Aleks Scholz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


11.05.2006 | 04:20 | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Über Glastöpfe reden wir nächstes Mal


Liegt auch total gut in der Hand (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Was haben die Leute damals gelacht, als die ersten Uhren erfunden wurden. So ein Unsinn, sagten sie, wofür brauchen wir denn komische Dinge wie Minuten, wenn wir die Zeit mit "so abends etwa" und "wenn die Sonne von meinem Haus gesehen über dem Baum steht" umschreiben können? Die Uhrenerfinder gingen anschliessend geknickt nach Hause.

Doch siehe da: Heute bestimmen Uhren unser Leben bis in den Millisekundenbereich, manch einer trägt sie schon als T-Shirt und die Spötter von damals sind inzwischen alle tot. Deswegen schreiben wir lieber nichts Schlechtes über die Idee des Intelligent Spoon (gefunden hier). In ein paar hundert Jahren sagt nämlich sicher niemand mehr: "Ich hätte jetzt gern eine warme kräftige Suppe mit einem Schuss Zitrone", sondern ganz selbstverständlich: "Ich hätte jetzt gern eine Suppe, 46° Celsius, Salzgehalt 6 Prozent, Säuregehalt 3 Prozent, Viskosität 7. Danke." Bis dahin gibt es den Intelligent Spoon analog zur Uhrenentwicklung dann sicherlich auch mit Digitalanzeige. Oder als T-Shirt.


10.05.2006 | 16:21 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Alex


Mal kein Kokain im Condom, sondern Eis (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Alex Quinn ist ein 28 jähriger Amerikaner, der in Japan lebt, er macht eine spezielle Diät, er muss vier Speiseeise pro Tag essen. Seine Frau Akemi arbeitet in einer Waschbecken- und Kloschüsselfabrik und spielt Flöte in einem Bossa Nova Quartett, sie hat ein unersättliches Verlangen danach, stundenlang an einer einzigen Frucht zu knabbern. Alex vor kurzem geheiratet zu haben, macht sie zu einer echten Gewinnerin, schreibt er in seinem Blog. Alex ist der sprichwörtliche ganz normaler Bursche von nebenan, der immer mal wieder beim Rad fahren seinen Rucksack verliert, aber auch nicht müde wird zu betonen, seine Blogeinträge, zum Beispiel über seine Zahnschmerzen, wären langweilig. Er findet seine Wohnung total bizarr, obwohl sie eigentlich ganz normal ist, und das macht sie wiederum so bizarr wie die neulich im Wald gefundene Spinne mit flaschenbürstenartigem Schwanz. Aber seine grösste Leidenschaft ist, wie gesagt, das Eisessen, letztes Jahr war er auf der Speiseeisexpo in Osaka, und er wird auch dieses Jahr wieder dort sein, wenn sie im Rahmen der Interfood am 1. Juli beginnt. Wir warten auf seine schlanken Testberichte über den "Becher Schnee mit einem harten Kern Kondensmilch in der Mitte", über Kartoffeleis, Eis mit Knoblauch oder Tulpen, aber auch welches mit Rinderzungen. Komisch, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, Alex den Spitznamen "Quinn the Eskimo" zu geben, aber das wäre wohl eine Spur zu bizarr.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


... 42 43 44 45 46 [47] 48 49 50 51 52 ...

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- mit Unwissen hausieren gehen

- nach McCune-Reischauer romanisieren

- Helloween

- seltenes Tier erforschen

*  SO NICHT:

- Buchten der Weisheit

- chemische Stoffe oder Partikel

- definitorische Autopoesie

- Halloween


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Momentum", Stephen S. Campanelli (2015)

Plus: 1, 23, 26, 80, 94, 96, 106, 142
Minus: 6, 8, 43, 93, 99, 116, 133 doppelt, 181, 209
Gesamt: -2 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV