Riesenmaschine

14.03.2007 | 01:59 | Fakten und Figuren

Pi-Tag


Foto: 76074333@N00 / Lizenz
Wenn man sich so umschaut, hat man zunächst den Eindruck, dass sich jemand bei der Einrichtung und Programmierung der Welt ganz vernünftige Gedanken gemacht hat: Dinge fallen im Allgemeinen in eine vorhersehbare Richtung (wenn auch nicht immer zum optimalen Zeitpunkt), die Abstände zwischen Tag und Nacht sind zumindest grob deckungsgleich mit unseren Schlafphasen, die wenigsten Dinge sind giftig, es gibt viele niedliche Tiere und ab und zu fällt Schnee, aber halt nicht zu oft.

Doch bei genauerem Hinschauen tun sich Lücken auf: Lebewesen sind zum Beispiel gar nicht dauerhaft niedlich, sondern oft nur als Jungtiere (es gibt Ausnahmen im Nagetierbereich, aber mal so im Allgemeinen). Schönheit ist häufig eine ziemlich oberflächliche Sache (Supermodels zum Beispiel, von aussen: top, aber innen ist alles rosa und schleimig). Und viele Naturkonstanten sind total unhandlich und schwer zu merken, wie z.B. die Eulersche Zahl (2,718281828459usw.) oder Pi (3,14159265358979etc.).

Nun ist heute wie jedes Jahr Pi-Tag (14. März wegen der amerikanischen Datumsschreibweise 3/14, der Höhepunkt des Pi-Tages ist um 1:59 erreicht) – ein guter Tag, um Abhilfe zu schaffen und für Pi endlich ein leichter merkbares Format zu finden, zum Beispiel 3,2 oder 77 (gute Ansätze gab es schon mal vor 110 Jahren in Indiana, wo Pi per Gesetz auf 3 festgelegt wurde). Weitere mögliche Aktivitäten entnehmen wir dem englischen Wikipedia-Beitrag zum Thema: "eat pie, play piñata, drink Piña Colada, eat pizza, listen to the song 'Pi' by Kate Bush, watch Pi, or recite Pi". Noch besser wäre es natürlich, wenn man endlich mal von dem Gedanken runterkommt, dass Kreise eine praktische geometrische Form sind, und sie stattdessen im Alltag konsequent durch gleichseitige Sechsecke ersetzen würde. Da ist der Umfang immer der sechsfache Radius, so geht's doch auch.


13.03.2007 | 16:16 | Berlin | Fakten und Figuren

Trost durch Tischtennis


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Seit knapp einem Jahr gibt es Google Maps auch für Deutschland, und man kann nicht behaupten, dass sich in der Zwischenzeit viel getan hat, bei Google Maps Mania driften die Kartenkontinente Deutschland und USA immer weiter auseinander. Gut, irgendjemand braucht sicher Postleitzahlen oder Wasserkraft-Standorte als Google Map, aber der grosse Aufbruch in eine geodatenverzierte Zukunft hat bisher nicht stattgefunden. Da ist Berlin Tischtennis immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer. Ob die verzeichneten Tischtennisplatten sich entlang der bevorzugten Wege von Betreiber Peter Ulrich aufreihen oder die Berliner Tischtennislandschaft auf die Existenz einer alten römischen Tischtennisstrasse hindeutet, wissen wir aber auch nicht.


11.03.2007 | 12:22 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren | Sachen kaufen

Kleines Toaster-Kompendium


Der strahlende Kern (Foto: markbarkaway, Lizenz)
Toaster sind eigentlich so was Ähnliches wie Sterne: Wenn man sie anschaltet, werden sie erst warm, dann infrarot, dann rot, und würde man nicht nachlassen, wären sie bestimmt auch bald blau (Wiensche Toasterverschiebung), fingen an zu dampfen und explodierten schliesslich. Wie Sterne eben. Eine weitere Analogie: Sie ändern sich sehr langsam, wie es vorbildlich im weltweit führenden Toaster-Museum dokumentiert wird. Anfang des Jahrhunderts fing man mit einem elektrischen Stonehenge-Toaster an, erreichte kurz vor der grossen Depression die Toaster-Klassik, bevor man mit Hitler das Krematorium in den Toaster einbaute. Zwischendurch tat sich mit dem virtualisierten fliegenden Toaster ein prä-futuristisches Wurmloch auf, bevor wir heute etwa im vierten Ekel-Klassizismus angekommen sind, erkennbar an der charakteristischen Musterschwärzung nach Motiven von Franz Grillparzer. Dies nur zur theoretischen Einführung.

Hier nun ein Blick in die Zukunft der Kultur des Beheizens von Metallstäben zwecks Verbrennung von scheibenförmigen Getreideprodukten. Schon in wenigen Toaster-Ärae (Durchschnittsdauer pro Ära anderthalb Jahre) wird sich der Toaster in eine Art neo-industriative Aluminiumwalze verwandelt haben, die in der Form an einen Öltanker mit stumpfer Wäschespinne erinnert (via Random Stuff). Dabei wird es sich aber nur um das Interregnum der Toasterchronologie handeln, denn schon bald danach wird der Toaster dem Paddelboot bzw. allen anderen wesentlichen Dingen folgen und unsichtbar werden (via Gizmodo). Dann nämlich wenn nach der Holzzeit auch die Stahlzeit vorüber ist, und die Glaszeit anbricht: Although the glass does not currently get hot enough to toast bread, someday this application may be possible. – so spricht weisend der Erfinder. Aber kann man es dann noch Toaster nennen? Ist ein Stern noch ein Stern, wenn man ihn nicht mehr sieht? Laufend muss man solche Fragen beantworten.


10.03.2007 | 20:38 | Fakten und Figuren

Post von Onkel Abe


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Gar nicht mal so selten ist die Angst vor E-Mails, dass man etwa etwas mit unbekanntem Absender öffnet und plötzlich springt ein gemeiner Hosenwurm heraus. Oder jemand beflegelt einen übel, keiner, den man nicht kennt, sondern ein unberechenbarer, jähzorniger Verwandter oder Bekannter.
Bei einer regelmässig versandten E-Mail besteht diese Gefahr allerdings nicht, und zwar beim so genannten Emailmagazin des japanischen Präsidenten Shinzo Abe. Einmal im Monat ist Abe in seinem Brief das genaue Gegenteil seines unberechenbaren, jähzornigen Naturells (nach Abes Verständnis war Japan während des Zweiten Weltkrieges nicht im Unrecht. Auch stellt er öffentlich die Tokioter Kriegsverbrecherprozesse in Frage, und während sein Vorgänger Junichiro Koizumi sein tiefes Bedauern über das unermessliche Leid der zur Prostitution gezwungenen so genannter Trostfrauen aussprach, erklärte Abe am 1. März: "Es gibt keinen Beweis dafür, dass Zwang auf Frauen ausgeübt wurde, wie es zunächst geheissen hatte".) Aber mit all dem verschont er einen. In seiner am 8. März verschickten Mail beschreibt er im Plauderton seinen Tag, dass er sich z.B. wie ein Vogel fühlt, einen mongolischen Film gesehen hat, mit 27.000 Statisten (1% der mongolischen Bevölkerung), und was er so isst ("After watching the movie I stopped at a ramen shop for first time in ages. It was a hearty meal consisting of ramen noodles in a miso-based pork-stock soup with large chunks of boiled pork floating in it."). Eine schöne, von einem Vogel vertilgte Schweinefleischbrühe ist doch allemal interessanter als hunderttausend Trostfrauen.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


07.03.2007 | 01:46 | Nachtleuchtendes | Supertiere | Fakten und Figuren

WBR! WBR! WBR!


Running with Text-Bild-Schere (Foto: chikawatanabe) (Lizenz)
"Mensch" bzw. "human" klingt doch eigentlich ganz gut. Man kann sich über den Vielfrass beugen und ihn belächeln, im Englischen sind nach ihm Death-Metal-Platten und Superhelden benannt, im Deutschen kichert es auf dem Schulhof, wenn sein Name fällt.

Aber welcher Witzbold hat eigentlich die dosenhaften Meeresbewohner Botrylloides leachi im Deutschen "Seescheide" und im Englischen "sea squirt" getauft? Für die ertragene Malaise und die Aussicht, wegen des Namens nicht einmal in "Searchmashing Nemo" (deutscher Verleihtitel "Findet Nemo 6 – Im Ozean hört dich niemand schreien") zu erscheinen, kann es doch keine Entschädigung geben. Ausser vielleicht dem Schicksal, sich aus seinen Kleinteilen regenerieren zu können, wie in gerade in Plos Biology zu lesen steht. Whole Body Regeneration, bald in der Headerzeile Ihrer Spammail.

Natürlich kann sich keiner der Berichterstatter verkneifen, die phylogenetische Nähe zwischen dem Wabbel aus der See und dem edlen Menschen hervorzukehren. Schliesslich sind beide Chordaten, die Seescheide also praktisch ein Mensch; bestimmt kann sie Augustiner von Oettinger unterscheiden. Im Menschen wird fortan die Hoffnung genährt, auch aus jedem Teil des Körpers, der Blutgefässe enthält, in eigenen Kopien wiederaufzuerstehen. Falls es doch gelingt, der Seescheide ihr Geheimnis zu entreissen, sollte sich die Menschheit zum Ausgleich wenigstens in "Blödsack" und "Scumbag" umbennen.


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