25.08.2005 | 22:04 | Anderswo | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Es sollen hier keine Vermutungen angestellt werden, wie lange es wohl noch dauern wird, bis das Schweizerkreuz als Qualitätsauszeichnung ausgedient haben wird, wenn es weiterhin von allerlei zwielichtigen Firmen als Teil des Logos geführt wird, deren Produkte mit der Schweiz an sich nur wenig zu tun haben. Allzulange kann es aber nicht mehr dauern, wenn es schon einfach so hinter den Schriftzug ADDiCT✚ gestellt wird. Es soll vielmehr um Gehirnelektrostimulationstherapie gehen. Dazu nämlich hat die Zuger Firma "Addict – swiss care products" ein kleines, im sympathischen Heimwerkerlook gestaltetes Gerät auf den Markt gebracht, das dem Benutzer über Elektronen, die "diskret hinter den Ohren des Benutzers platziert werden", Stromstösse in einer "spezifischen Frequenz" ins Hirn jagt. Es soll damit die Dopaminproduktion im Hirn anregen und so das bei Rauchern durch Nikotin hervorgerufene "Gefühl der Freude" ersetzen.
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ob das Gerät tatsächlich funktioniert, ist schwierig zu sagen. Die Homepage wirkt seriös – doch welche Seite, die Grau-Weiss mit gezielt gesetztem Schweiz-Rot kombiniert, wirkt nicht seriös? Auch den Absatz "Was sind die Nachteile, wenn man mit dem Rauchen aufhört?" (Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, erkältungsähnliche Symptome, Gewichtszunahme, kurz, ein "Heer von Nebenerscheinungen") würde man so nicht auf der Homepage eines zweifelhaften Produktes vermuten. Auch wenn die Stromstosstherapie tatsächlich wirken sollte, bleibt zumindest die Frage offen, ob das Design des Gerätes auch wirklich geschickt gewählt wurde. Kann es aus sicherer Distanz noch für einen selbstgebauten iPod-Klon duchgehen, könnte es zumindest aus der Nähe etwas seltsam wirken, wenn einer verkabelt und mit der grossen, roten Aufschrift ADDICT am Arbeitsplatz erscheint.
25.08.2005 | 07:34 | Alles wird besser | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Clint Eastwood wäre heute nicht Clint Eastwood, sondern entweder erhängt oder erschossen, hätte es nicht schon zu seiner Zeit Stifte gegeben, die auf Felsen schreiben konnten. Nur so war es ihm möglich, glaubhaft vorzutäuschen, dass er den Ort, an dem das Geld versteckt ist, auf einen Steinklumpen schreibt, was er selbstverständlich niemals wirklich tut. Während diese Superstifte im 19. Jahrhundert also offenbar zur Grundausstattung jedes verarmten Banditen gehörten, ist es heute gar nicht so einfach, auf Stein schreibende Stifte zu finden. Man mag einwenden, dass man mittlerweile vielleicht auch ohne ganz gut zurechtkommen kann; trotzdem freut man sich, wenn es den Klassiker unter den Steinschreibern, den Faber-Castell Multimark, jetzt auch in einer Jumbo-Version gibt. Für den harten Einsatz in der Hitze des amerikanischen Bürgerkriegs bietet der Multimark Jumbo zwei zusätzliche, vielleicht lebensrettende Features: Zum einen widersteht die Tinte auch starker Sonneneinstrahlung. Zum anderen kann man sie mit dem eingebauten Spezialradierer problemlos wieder entfernen – auch von Steinen – und so den nichtsahnenden Widersacher ziemlich raffiniert reinlegen.
23.08.2005 | 21:52 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wann genau die Fantasywelle anfing zu rollen, weiß niemand, bzw. ich nicht. Fest steht, dass die Sehnsucht nach einer Art magischem Mittelalter zum Anfassen durch J.R.R. Tolkien ein erstes literarisches Fundament bekam und sich durch neuzeitliche Informationstechnologie weiter verbreitete, weil Menschen zueinander finden konnten, die nie aus dem Haus gehen. Nun ist Fantasy, vergleichbar mit Ziegenurin oder Giftfischen, total okay, so lange es dort bleibt, wo es hingehört: in den Köpfen von Gymnasiasten ohne Mädchenkontakt. Zunehmend sucht sich Fantasy aber auch den Weg ins richtige Leben, womit der Umkehrschluss von Adorno ein weiteres Mal bewiesen wäre: es gibt Falsches im richtigen Leben. Ein gutes Beispiel für fantasyorientierte Alltagsprodukte ist die Uhr mit dem Namen "Gates of Time" der Firma Watchcraft. Bevor man weiß, wie spät es ist, muss man das Tor zur Zeit öffnen. Und das ist ja wohl die erbärmlichste Metapher seit, ja nun, seit langer Zeit. Dazu ist die Uhr fabelhaft umständlich, weil man die Zeit nur beidhändig ablesen kann. Wenigstens spielt die Konstruktion damit in der gleichen Liga wie das nebenstehende Logo von Watchcraft. Obwohl. Ein visuelles Wortspiel, bei dem andersfarbige Buchstaben das Wort "Art" bilden, das ist noch eine Spur bemühter, eine Idee volkshochschulkreativer, mithin einen Hauch bescheuerter. So gilt auch weiterhin: wenn man eine Uhr haben möchte, aber nicht wissen will, wie spät es ist, kauft man sich eine Sonnenuhr. Oder man bastelt sich eine für's Handgelenk.
23.08.2005 | 18:22 | Sachen kaufen
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Eine Handtasche aus Bambus – warum nicht? Holz gilt immerhin schon seit Jahrhunderten als Baustoff der Zukunft. Das Bambuskaufhaus Bamboo 54 weiss aber, dass man mit überraschendem Material allein heute nicht mehr punkten kann. Der Konsument von heute ist featuresüchtig. Da muss mindestens Bluetooth in die Nähmaschine und jeder Fusswärmer braucht ein herausnehmbares Massageteil. Daher gibt es im Retail-Shop von Bamboo 54 eine Bambushandtasche mit einem interaktiven Modefeature: je länger man mit dieser leicht grünlichen Tasche im Sonnenlicht herumspaziert, desto bräunlicher wird sie – sie reift gewissermassen erst zur erwachsenen Bambustasche heran. Die Tasche zeigt damit an, wie es um die Tagesfreizeit der Trägerin oder des Trägers bestellt ist und wie oft sie ausgeführt wird. Ein zarter, schöner Tamagotchi-Ansatz, der sich sicher ausbauen lässt. Ob die Tasche auch dann ihre bambusbraune Färbung erhält, wenn man schummelt und sie ins Solarium mitnimmt, müsste noch ausprobiert werden.
23.08.2005 | 04:04 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Deutschland wird nie so fröhlich und farbenfroh sein wie Amerika. Das liegt vor allem daran, dass man in Amerika immer noch Luftballonhersteller werden kann, wenn man nicht geschickt genug ist, um neue Planeten zu bauen. Die Folge: Jede, aber wirklich jede noch so perverse Phantasie kann im Laden um die Ecke als kilometerhohe, aufgeblasene Skulptur bestellt werden. Der Luftballon wird so zum integralen Bestandteil amerikanischer Optimismuskultur; er ist unverzichtbar bei Raketenstarts, Präsidentschaftswahlen, Kriegserklärungen. In Deutschland dagegen belächelt man den Luftballon immer noch als Kinderspielzeug; sein Potential als Macht- und Herrschaftsinstrument wird weitgehend ignoriert. Ballonhersteller wird man hierzulande, wenn man erst als Flohzirkusdirektor, dann als Straßenclown, schließlich auch noch als Webdesigner gescheitert ist, wie man klar und deutlich erkennen kann. Infolgedessen reichen die Ideen für neue Produkte so ungefähr von roten Herzen über Mickeymäuse und gelbe Herzen bishin zu Mickeymäusen und blauen Herzen – manchmal sogar so einen knappen Meter groß. Zum Glück muss man sich dieses kleingeistige und viel zu wenig aufgeblasene Elend nicht ansehen, weil die Webseiten dafür zu langsam sind.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Thaivasen (stimmen fröhlich)
- Rastersysteme
- Blumentopf gewinnen
- Geweihförmige Holz-Keule
SO NICHT:
- Schlüpferstürmer (Spirituose)
- ein Bett aus Dörrobst
- Kamin als Frustkauf
- Blumentopf zitieren
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Taken", Pierre Morel (2008)
Plus: 21, 31, 32, 66, 79 Minus: 1, 3, 8, 87, 99, 116, 118, 140 Gesamt: -3 Punkte
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