Riesenmaschine

04.12.2009 | 17:04 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Gasputin und seine Brüder


Klowände, die Klowände der Kohlenstoffwelt

Wer sich in den vergangenen Jahren in Männertoilettenkabinen von Kreuzberger und Neuköllner Kneipen, Cafés oder Restaurants aufgehalten hat, wird unweigerlich "Gasputin" begegnet sein. Gasputin tritt normalerweise gemeinsam mit "Gas Vegas", "Chrislam" und "Gastapo" auf, sein Schöpfer ist unbekannt. Es scheint sich aufgrund der immergleichen Handschrift und Auftragsweise aber um das manische Werk eines Einzeltäters zu handeln, der seine persönlichen 15 Minuten Inspiration und Wortwitz in der Welt verewigt sehen will, vorm handelsüblichen Graffiti aber zurückschreckt.

Vollends und nachhaltig überkommen haben muss es den Gasputin-Mann auf dem Klo des Cafés im Gebäude der taz: Die Original-Trias Gastapo/Gasputin/Gas Vegas steht verblasst in der unteren rechten Ecke, darüber entfaltet sich ein Blumenstrauss des schlechten Wortspielgeschmacks. Dieser Ausbruch gibt zugleich einen Hinweis auf den Ursprung von Gasputin und seinen missratenen Brüdern: Womöglich sind sie das Werk eines frustrierten taz-Redakteurs, dem mit Verweis auf den alten Lehrspruch "No jokes with names" regelmässig von der taz-Schlussredaktion die Kalauer aus dem Blatt redigiert werden und der sich auf diese Weise an der Welt rächen will.


03.11.2009 | 13:03 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

Kommst du vorbei?

Unternehmen der Kommunikationsbranche haben zumeist in ihren Prozessen zahlreiche Fehlerkorrekturschleifen eingebaut. Der Creative Director brieft den Konzeptioner. Der Konzeptioner wiederum den Copytexter. Jener wirft dem Textpraktikanten die Brocken hin. Der Textpraktikant textet was, was der Copytexter schickschreibt. Der mailt es dann dem Konzeptioner, der alles durchstreicht und das Spiel geht von vorne los. Die fünfte oder sechste Version des Copytexts geht dann weiter an den Creative Director, der das ganze System weitere drei bis dreissig Mal wiederholt. Bis irgendwann die fertigen 250 Zeichen da stehen, wo sie hingehören. Dann schaut der Kunde drauf und will nochmal fünf andere Versionen. Und ganz am Ende kommt dann manchmal das heraus, was man als Eigenwerbung der Wall AG auf in Berlin herumstehenden, elektronischen Litfasssäulen sieht (wenn dort der Chef nicht gerade für seine gänzlich uneitle Autobiographie wirbt): Ein Text, der belegt, dass Menschen, die in Berlin unterwegs sind, NICHT an den Stadtmöbeln von Wall vorbeikommen. Ist das jetzt Anti-Targeting?


15.10.2009 | 15:41 | Zeichen und Wunder | Papierrascheln

Stösschen

Wie immer ist die Riesenmaschine darum bemüht, euch mit dem hottesten shit da draussen zu versorgen, also, Early Adopters: aufgepasst! Wer dieses Mal ganz vorne mit dabei sein möchte, sollte schon mal das halbe Wagenrad im Hobbykeller an die Wand dübeln, das Wildschweinfell abbürsten und die Zapfanlage klarmachen!

Vorhersage:
Der Herbst wird feucht!


Dieser Beitrag ist ein Update zu: Noch neuere neueste Trends


03.10.2009 | 03:45 | Anderswo | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Zeichen und Wunder

T-Shirts zu verschenken


Please enjoy what you get.
Die in letzter Zeit hin und wieder diskutierte Frage, ob es überhaupt einen freien Willen gebe, ist unzweifelhaft von einer gewissen kommerziellen Bedeutung, aber letztlich sind die Ergebnisse des ganzen Herumwollens doch einförmig und uninteressant. Schon länger erkannt haben das die Anbieter von Sneak Previews und Überraschungsangriffen aus dem Hinterhalt, jetzt hört man auch aus Japan von neuen Lösungsansätzen: Im Ogori Café (via Hacker News) bekommt jeder Kunde das, was sein Vorgänger bestellt und bezahlt hat: "Please enjoy what you get, even if you hate it." Hacker-News-Kommentator bemmu steuert ein Ogori Google bei ("You get what the person before you was searching for."). Wir wünschen uns für die Zukunft Ogori Taxi und Ogori Krankenhausaufenthalt, bekommen aber vermutlich wieder nur Weltfrieden und bessere Instantnudelsuppen, oder was halt in irgendeinem anderen Blog vor zwei Minuten gewünscht wurde.


16.09.2009 | 17:48 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Abschied von H0

Die Abschaffung sämtlicher Materie mit Ausnahme von Schaumzuckermäusen ist seit jeher eins der zentralen Ziele der Riesenmaschine. Materie, gleich nach dem Fickwunsch zweitwichtigstes Übel der Menschheit, belästigt und beschwert uns bei vielen Gelegenheiten von der Schlüsselbundsuche bis zum Klaviertransport. Aber ganz ohne Umstellungsschmerzen wird sich der Abschied von der Materie nicht vollziehen lassen, Übergangslösungen sind gefragt. Wo auf Materie nicht verzichtet werden kann wie z.B. im Modelleisenbahnbau oder beim Bezahlvorgang, da kann man zumindest versuchen, ihre Menge so gering wie möglich zu halten. Mit gutem Beispiel geht David K. Smith voran, der die kleinste Modelleisenbahn der Welt sowie eine noch etwas kleinere Modelleisenbahn gebaut hat (via Hacker News). Im Video nicht zu sehen: Im letzten Waggon sitzt ein Männchen, das Gesichter in Kirschkerne schnitzt. Ein sperriger Hobbykeller ist damit nicht mehr erforderlich, er wird von der zuständigen Materieentsorgungsstelle nach Terminvereinbarung kostenfrei abgeholt.


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"Burke and Hare", John Landis (2010)

Plus: 3, 11, 41, 42, 48, 74, 88, 132
Minus: 57, 61, 101, 146, 153, 173
Gesamt: 2 Punkte


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