Riesenmaschine

27.02.2006 | 15:16 | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Generation Wenge


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Unter dem Titel "Stylisch & modern – unsere neuen Restaurant-Designs" klärt uns McDonald's im Rahmen einer vierseitigen Beilage zur Bild am Sonntag über ein Phänomen auf, das auch der Riesenmaschine bereits aufgefallen ist, nämlich: "Mode und Lebensstil der Menschen verändern sich laufend". Daher hat man einige neue Restaurant-Designs eingeführt, "denn eine moderne und angenehme Atmosphäre gehören heute zu einem Restaurantbesuch dazu". In bereits 249 Restaurants sind die neuen Designwelten "im Stil von 'Alpin', 'Collingwood', 'Chicago', 'Generation Wenge', 'America' oder 'New World'" zu sehen – wir müssen ja nicht alles verstehen, aber "Generation Wenge" ist offenbar eine derart neue Designwelt, dass noch nicht mal Google mehr als zwölf halbherzige Deutungsvorschläge macht.

Der einzige mit viel gutem Willen denkbare Kandidat, das schwarzbraune Tropenholz Wengé kann, siehe Abbildung, kaum gemeint sein (würde dann allerdings Paul Noltes "Generation Reform" an Abwegigkeit der Generationenkonstruktion mühelos überbieten). Service der Generation Birkenfurnier: Bis zur offiziellen Stopfung unserer Bildungslücke durch die McDonald's-Presseabteilung wird mit "Generation Wenge" provisorisch der Sachverhalt "Sitzen auf Aschenbechern in einem CeBit-Stand aus den 80ern" bezeichnet. Wahrscheinlich schon bald das nächste grosse Ding in Berlin-Mitte, also aufgepasst!


24.02.2006 | 06:06 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Undurchsichtiges Wasser


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es keinen Sinn hat, sich neue Produkte voll hervorragender Features und mit blinkenden LEDs auszudenken. Vielleicht sollte man sich viel mehr darauf konzentrieren, Sand, Salz oder weisse Farbe mit unsichtbaren Eigenschaften auszustatten und damit reich zu werden. Mit positiven Gedanken, freundlichen Worten und Musik behandeltes Wasser, aus Obst extrahiertes Wasser, in Lemniskatenform verwirbeltes Wasser, sauerstoffangereichertes Wasser und Diätwasser zeigen, nun ja, irgendwas bestimmt. Am Ende haben die Hersteller all dieser Spezialprodukte auch noch Recht und wir Skeptiker, die wir lieber ganz andere aus Obst extrahierte Getränke oder uninformiertes Bier zu uns nehmen, stehen dumm da. Wer weiss schon, was diese Dipol-Dipol-Kräfte und das andere geheimnisvolle Zeug im Wasser so machen, wenn man nicht genau hinsieht? Es ist ja schon absurd genug, wenn man hinsieht. Ein Glück, dass wir bereits reich sind und uns mit so was nicht die Hände sauber machen müssen.


09.02.2006 | 17:04 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

U can't touch this


Eine Schallplatte! Lecker! (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Das rekursiv Selbstreferenzielle der Vinylschallplatte berührt die Grenzbereiche des Existenzialismus: Je öfter man sie abspielt, desto schlechter klingt sie. Man darf nicht näher darüber nachdenken, sonst hängt man in einer Endlosschleife der Frustration fest. www.productdose.com machte uns auf diesen berührungsfreien Schallplattenspieler aufmerksam, der die Schallrille mit einem Laserstrahl abtastet. Je nach Ausführung kostet das Gerät moderate 15.000 bis 19.000 Euro. Es wird routinierten DJs echte Phantomschmerzen bereiten. Seit Jahrzehnten lassen sie mit einer fluffigen Bewegung die Vinylplatte aus der Umhüllung gleiten, legen die Platte behutsam auf den Plattenteller und greifen sodann nach rechts, um den Tonabnehmer zu erhaschen und über der Einlaufrille der Schallplatte zu platzieren. Gerade letztgenannte Greifbewegung sich abzutrainieren und durch einen lässigen Druck auf die "Open/Close"-Taste zu ersetzen wird ein hartes Stück Arbeit werden.


04.02.2006 | 12:12 | Zeichen und Wunder

Schläft ein schmutziges Lied in allen Dingen


Guerillakommunikation der Gegenstände (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Im Animismus glaubt man an die Beseeltheit von Gegenständen, wobei mit Gegenständen in der Regel gehobene Wohnsitze wie Berge, Pflanzen und Elemente gemeint sind. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass es in der animistischen Geisterwelt irgendwelche warenbewohnenden Unterteufel oder aus Karmagründen in Warenform wiedergeborene Xavier-Naidoo-Fans geben muss, denen es immer wieder gelingt, sich mit ihren perfiden Plänen an Produkttests, Marktforschungsabteilungen und Fokusgruppen vorbeizuschmuggeln. Anders als durch einen den Gegenständen selbst innewohnenden Willen zum Schlechten lassen sich Erscheinungen wie die für ein Getränk doch recht unselige Namenswahl "PITÚrinha", aber auch der uPod, Schrauben aus Schaumgummi und die FAZ-Aboprämien-Uhr jedenfalls kaum erklären.


04.02.2006 | 00:45 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

hitherto unobserved


Risque: Nelke links, Veilchen rechts (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Als Charles Wheatstone im Jahr 1838 der Royal Society in London sein frisch erfundenes Stereoskop vorstellte, überschrieb er seinen Aufsatz mit "On some remarkable, and hitherto unobserved, phænomena of binocular vision". Man muss sich zwar ein wenig wundern, dass es Jahrtausende dauerte, bis mal jemandem auffiel, dass die Welt entschieden anders aussieht, wenn man mal ein Auge zudrückt. Aber kaum war die Beobachtung gemacht, schon sprossen überall ulkige Stereofotos aus den Journalen. Bäume, Häuser, nackte Menschen, den Bildern waren plötzlich keine Grenzen mehr gesetzt.

Hundert Jahre länger dann dauerte es, bis jemandem auffiel, dass der Mensch nicht nur zwei Augen, sondern ja auch zwei Ohren hat, und das Stereoding also womöglich auch mit Geräuschen klappt. Um 1940 stellte Western Electric die erste Stereoanlage vor. Endlich konnte man hören, dass das Triangel neben der Pauke sitzt und ob der Bassist links oder rechts vom Gitarristen steht. Unendlicher Hörgenuss!


Eine hier, eine daneben. Riecht man doch (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Weitere siebzig Jahre später ist heute, und wieder steht ein Durchbruch auf der Tagesordnung. Wissenschaftlern ist jetzt nämlich aufgefallen, dass die meisten Menschen nicht nur zwei Augen und Ohren, sondern auch zwei Nasenlöcher im Kopf haben. Heutzutage piesackt man Ratten, wenn man was über Menschen wissen will, und tatsächlich: Ratten riechen Stereo. Noch duftet die Nachricht wie ein frischgepflückter Blumenstrauss, aber man darf sicher sein, dass in irgendwelchen finsteren Produktdesignerkellern Schimpansenhorden längst an Weinen mit Stereobouquet arbeiten, und an Stereoparfümen in originellen Flakons.

Die nächste Durchbruchsmeldung, "Mann mit gespaltener Zunge schmeckt Stereo", versteht man leider erst, wenn in ein paar Jahrzehnten die Zeit reif ist und der richtungsschmeckende Komodowaran die Ratte als Versuchskarnickel abgelöst hat. Habt Geduld.


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"Gravity", Alfonso Cuarón (2013)

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