Riesenmaschine

05.04.2009 | 13:52 | Berlin | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

¡Ya Raucher!


"Ya" ist ausserdem das
aserbaidschanische Wort für "oder".
Der Streit um das Rauchverbot in Berliner Gaststätten nimmt zunehmend erratische Züge an. Als neues Agitationsgimmick der aktuell laufenden Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren hängen seit kurzem in den Fenstern diverser Eckkneipen LED-Schilder mit der Aufschrift "Ya Raucher". Was mag das nun bedeuten? "Ya" ist spanisch für "schon/sofort/jetzt" – ist "Ya Raucher" also ein Appell, sich spontan eine anzustecken und so den Protest auf die Strasse zu bringen? Referiert das Schild gar auf die Redewendung "¡Ya Basta!" ("Es reicht!"/"Enough is enough!")? die seit Jahren das zentrale Motto im Befreiungskampf der Rebellenbewegung EZLN im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist? Hat sich hier heimlich eine Allianz zwischen Zapatisten und Freirauchern gebildet? Und kann es Zufall sein, dass in Chiapas Tabak angebaut wird? Oder ist es doch bloss die nächste Vereinnahmung linken Symboltums, nachdem bereits das Palituch zum Modeaccessoire verkommen ist und die Junge Union Reinickendorf Werbung mit Che Guevara gemacht hat?


13.03.2009 | 02:31 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Freiraumwohnung


Foto: Prokura Nepp
Im vierten Band der Per-Anhalter-Trilogie gerät Arthur Dent in ein Paralleluniversum, in dem die Erde nicht von den Vogonen zerstört wurde und alle Delfine verschwunden sind. Um die Ursache hierfür herauszufinden, reist er unter anderem nach Kalifornien und trifft dort den Wissenschaftler John Watson (aka Wonko the Sane), der, nach dem Anblick einer Zahnstocherpackung mit aufgedruckter Bedienungsanleitung, die gesamte Welt für verrückt erklärt und ihr deshalb ein Irrenhaus gebaut hat: Ein Gebäude, das an seinen Aussenwänden möbliert ist und in das man hineingehen muss, um zu Wonkos Wohnung, "The Outside of the Asylum", nach draussen zu gelangen.

Mit Wonkos Hilfe erfährt Arthur, dass die Delfine vor der bevorstehenden Zerstörung der Erde geflüchtet sind, bzw. dass sie die Erde in ein Paralleluniversum mitgenommen haben und dann verschwunden sind, bzw. so ähnlich. Schliesslich reist Arthur zum Planeten Preliumtarn, um sich Gottes letzte Botschaft an die Schöpfung anzuschauen.

In unserem Paralleluniversum sind die Delfine noch da, die Erde wurde nicht von den Vogonen zerstört und Wonko wohnt offensichtlich nicht in Kalifornien, sondern in der Lübbener Strasse in Berlin (Foto). Was Arthur Dent gerade macht, ist nicht bekannt.


10.03.2009 | 18:42 | Berlin | Zeichen und Wunder

Das neue DÜMBAKRAZ!


Foto: Matthias Bauer

Foto: Michael Brake
Es waren wie gewohnt mehrere, lange Sitzungen der zuständigen Findungskommission nötig, doch nun ist es amtlich: Berlin hat ein neues DÜMBAKRAZ. Über viele Jahre war der BVG-Service DAISY klare Nummer eins, dann folgte ein kurzes Interregnum von PELZ. Das neue DÜMBAKRAZ heisst nun KAfKA und wurde im Herbst 2008 im Auftrag der Neuköllner Gesundheitsstadträtin Stefanie Vogelsang erfunden.

Die Kommission lobte in ihrer Urteilsbegründung besonders die Idee, durch ein nachgestelltes Füllwort ein "eigentlich missratenes Akronym noch zu einem amüsanten Wortspiel zu veredeln" und erhofft sich von dieser Innovation Impulse für die gesamte Akronymbranche. Bis Jahresende soll nun ein Katalog mit entsprechenden Füllwörtern für sämtliche Buchstaben des Alphabets erarbeitet werden, Vorschläge nimmt die Kommission gerne entgegen.

Eventuell wird KAfKA allerdings schon bald wieder abgelöst. Derzeit wird über den Antrag von T.U.B.A. beraten, der eine völlig neue Ära in der Akronymsynthese einleiten könnte: die Ära der vollkommen willkürlichen eingebauten Buchstaben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kommt ein neues DÜMBAKRAZ?


27.01.2009 | 12:01 | Berlin | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Berlin twittert

Über Twitter wurde inzwischen so viel Erklärendes geschrieben, dass wir das ganz sicher nicht auch noch machen, im Notfall einfach Sascha Lobo, Thorsten Schäfer-Gümbel oder Barack Obama fragen. Was aber vermutlich kaum jemand wusste: Auch Berlin twittert. Leider bisher nur ein einziges Mal (immerhin öfter als München, Hamburg und Köln) und das mit einem eher kryptischen Verweis auf die durch und durch untragbare, da von vielen Neonazis bevorzugte Modemarke Thor Steinar. Handelt es sich hier am Ende um eine neue Werbeform? Häufig angesteuerte Twitternamen entern und einfach mal mit einer Markenbotschaft belegen? Bevor wir uns vor den falschen Karren spannen lassen, zur Sicherheit nochmal: Thor Steinar nicht kaufen! Das Zeug ist böse. Und hässlich. Noch viel wirrer ist allerdings, was Thor Steinar twittert. Und was sagt eigentlich der Berliner Bürgermeister zu alldem?


24.01.2009 | 23:49 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Lupus in the Sky


Foto, Lizenz
Schon wieder ist ein Tag vergangen, ohne dass Nachricht von den Ausserirdischen eingetroffen wäre. Doch während beim WETI-Institut weiterhin geduldig gewartet wird, drehen andere Leute am Rad und senden Zeug ins All, was unter anderem von David Brin, Mitglied im WETI-EAC, vollkommen zu Recht gegeisselt wird. Was sollen die Aliens von uns denken oder was auch immer sie stattdessen tun? Als Erstes haben sie vermutlich vor 75 Jahren eine Rede Hitlers vom Reichsparteitag im Radio gehört. Und seit ein paar Jahrzehnten ist unsere stärkste regelmässige Botschaft die Übertragung des Super Bowl. Ok, das ist wenigstens noch wichtig.

Aber vollkommen entgeistert werden sie vor den wissenschaftlichen Nachrichten sitzen, die sie seit den 70ern immer mal wieder erreichen. Populär geworden sind die farbenfrohe Pixelgrafik der Arecibo-Message, die Cosmic-Call-Serie, in genormtem Fachchinesisch verfasst, sowie vielleicht noch die enigmatische Uri-Geller-Nachricht unklaren Inhalts. Weniger bekannt schon die Versuche der ultraaktiven Russen, mit Aliens Kontakt aufzunehmen, verantwortlich ist "Chef Scientist" Alexander Zaitsev. Zu den Highlights im Programm gehört die 500 Seiten lange Bebo-Botschaft, erstellt von der Bebo-Community, die Teen-Age-Message, geschrieben von russischen Teenagern in den drei Sprachen von Natur, Emotion und Logik, sowie eine eindimensionale Botschaft für "blinde" Aliens. Letzteres ist so zu verstehen, dass die Nachricht für so etwas wie Ohren bestimmt ist, statt nur für die Augen, wie alle ihre Vorgänger. Erstellt wird die Ohrenbotschaft mit einer Ätherwellengeige. Warum auch nicht, bzw. genau richtig vielleicht nach Hitler, Carl Sagan und Joe Montana.

Den extraterrestrischen Vogel abgeschossen haben jedoch die Astronomen Hirabayashi und Morimoto aus Tokio, die bereits 1983 zum weissen Hauptreihenstern Altair gesprochen haben. Altair ist nur 16 Lichtjahre entfernt, weswegen mit einer Antwort schon im Jahr 2015 zu rechnen ist. Das klingt super, bis man sich ansieht, was für Bilder die Japaner da zu unseren Nachbarn geschickt haben. Die zwei öffentlich zugänglichen Grafiken (eins, zwei) zeigen nicht nur eine Art Familienporno, einen Fisch, der bergauf schwimmt, und ein Kreuzworträtsel, sondern auf beunruhigende Art und Weise auch alle unsere dreckigen Vorurteile über die spastische Gestalt von Aliens. Ausserdem steht dort offenbar die chemische Formel für Alkohol, das englische Wort "TOAST" sowie der japanische Ausdruck für "Prost!". "Das werden sie vermutlich nicht verstehen", so Hirabayashi leichtfertig.

Bald schon werden sie uns bestrafen. Wir werden ersaufen in unserem eigenen Blut.


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Minus: 27, 30, 43, 46
Gesamt: 15 Punkte


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