Riesenmaschine

08.12.2005 | 22:00 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Hochsterilisiert


Bildunterschrift (Foto: 21617436@N00) (Lizenz)
Jon Stewart ist ein Fernsehgott für die urbane Jugend Amerikas. Nicht nur seiner famos lustigen Newscomedysendung Daily Show wegen, die die klügsten der coolen Kinder vor den Apparat lockt, sondern auch weil er unerschrocken ins Herz der Propagandamaschine vordringt und Sand streut – zum Beispiel bei seinem legendären Liveauftritt in CNNs Politpropagandazirkus Crossfire, wo er, neben den beiden Moderatoren der Verblödungssendung, gleich die gesamte Diskursvortäuschung des Mainstreams attackierte, was ihn zum Volkshelden der Medienkritik machte. Dies nicht zuletzt deshalb, weil CNNs Programmchef Jonathan Klein wenig später die Sendung aus dem Programm nahm, und dabei Stewarts Auftritt explizit erwähnte. Ein wenig überraschend ist es daher, wenn Stewart nun von der Vereinigung amerikanischer Fussballtrainer NSCAA wegen langvergangener Collegekickereien auch zum Fussballgott (ehrenhalber) ernannt wurde. Aber Sand ins Getriebe, Sand in den Kopf, es ist ja letztlich irgendwie alles dasselbe, und gerade der Fussball besitzt eine enorme soziale Sprengkraft usw. usf.
"Total lustiges Fussballerzitat zum Abschluss".


08.12.2005 | 12:50 | Berlin | Zeichen und Wunder

The Strokes in Berlin


Ein Teil von den The Strokes 2004 in Weston Park (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Niemand soll behaupten können, es lohne sich nicht, die Riesenmaschine zu lesen. Heute nehmen wir Freunden der Stromgitarrenmusik den Wind aus den Beschwerdesegeln, indem wir einen total geheimen Geheimgig ankündigen. Bereits Mitte November kündigte die Band Geheimkonzerte zur Vorstellung des neuen Albums "First Impressions of Earth" an und begann eine Clubtour mit Auftritten in Tokio, Sydney, London, Paris, Amsterdam, Stockholm – und am Montag, den 12. Dezember in Berlin in der Maria am Ufer, An der Schillingbrücke. Kartenvorverkauf ist am Freitag vor Ort, wo es 350 Stück zu kaufen gibt, und zwar eine pro anwesender Person. Um Weiterverkäufe zu vermeiden und die Hysterie zu schüren, werden den Kartenkäufern bereits am Freitag Bändchen ums Handgelenk gebunden, die dann eben drei Tage dranbleiben müssen. Bleibt noch festzustellen, dass das Geheimkonzert wohl nicht so geheim ist, als dass es nicht auf der Website des Clubs regulär im Programm angekündigt wäre. Und auf der Website der Strokes unter Dates.
Geheimkonzert, quo vadis?


06.12.2005 | 15:36 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Zukunft von heute


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Viel ist ja in letzter Zeit von Nano hier und neuen Werkstoffen da zu lesen, jedoch der durch Werbung agnostisch gewordene Konsument übersetzt den Satz "Wir giessen also eine Mischung aus Bratfett, Altöl und Rotwein auf dieses nagelneue weisse Sofa" automatisch in "... auf eines unserer zwei identischen weissen Sofas". Umso grösser die Bestürzung, wenn man den von Gehilfen der Riesenmaschine auf der NanoEurope besorgten Schoeller-NanoSphere-Testflicken mit handelsüblichem Ketchup bekleckert (Abb. 1), den Ketchup mit Spreequell Bitter Lemon abspült (Abb. 2) und mitansieht, wie beide Substanzen tatsächlich exakt wie vom Hersteller versprochen spurlos "von der Nano-Oberfläche abperlen" (Abb. 3). Für einen kurzen Moment erbebt das Weltbild. E-Paper, lernende Computer, graffitiabweisende Beschichtungen, selbstwaschende Hosen, reich und schön durch nur 30 Minuten Selbsthypnose pro Woche – womöglich gibt es das alles doch? Werden die Menschen schon bald zum Mond fliegen? Und wo bekommen wir jetzt auf die Schnelle eine von diesen Brillen her, durch die man seine Mitmenschen nackt sehen kann?


04.12.2005 | 15:54 | Anderswo | Alles wird schlechter | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder

Fun ist ein Stahlgewitter


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Während für eine der drei weltweiten Problemzonen (Ostdeutschland, USA, Naher Osten), nämlich den deutschen Osten, vorsichtige Entwarnung zumindest in Sachen Nazismus gegeben werden kann, erreicht uns aus den Vereinigten Staaten ein neuer Trend: Humor unter Nazis. Selbstironie und Satire bei den Glatzen und Gestrigen. Über ein Onlineversandhaus, das neben dem üblichen "Meine Ehre heisst Treue"- und "White Pride"-Schwachsinn ebenfalls immigranten- feindliche "Deport Pedro"- und "Border Control"-Shirts verkauft, sind auch recht pittoreske "Happy Hitler Girly-Shirts", Waffen-SS-Athletic-Club-Leibchen (siehe Bild) und "My Boss is an Austrian Painter"-Stossstangenkleber zu erwerben – allesamt Produkte, über die der gemeine Titanic-Leser und geistreiche Antifaschist lachen würde, wenn, ja: Wenn man eben nicht wüsste, dass es die Nazis selbst sind, die so in den "semiotischen Krieg" (Umberto Eco) ziehen. Die Subversion schlägt zurück und entstellt eben nicht mehr die Codes der Nazis, sondern die Subversion des humorigen Antifaschismus.
Jan Delay, Hamburger Rapper und Karl-May-Reggaemusiker, wusste da vor Jahren wohl schon mehr, als er in seinem Lied "www.hitler.de" (interessant, was Google dazu liefert) prophetisch sang: "Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot [...] aber das ist noch gar nicht das schlimmste, Mann: viel grausamer ist, dass er jetzt auch grinsen kann!" Also schnell noch mal darüber lachen, vielleicht muss man sich dafür ja in Bälde der Volksverhetzung bezichtigen lassen. Die Adresse des Versandhauses geben wir übrigens nicht preis, denn es gilt: Nazis linkt man im Leben, aber nicht im Netz.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: The kids are quite alright


02.12.2005 | 19:28 | Supertiere | Zeichen und Wunder

Viele Hasen sind des Hundes Tod


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Während die Riesenmaschine wie hier beschrieben ebenso pflichtgemäss wie regelmässig den Nagetieren huldigt, weil sie unsere Schutzpatrone sind und sonst sehr böse werden, beherzigt man diese Weisheit nicht überall. Dass das sehr gefährlich werden kann, teilt uns die BBC mit. Im hinterletzten Zipfel von Russland, nämlich dem, der zwischen China und Japan liegt, hat in der Stadt Lazo eine aggressive Rotte blutdürstender Eichhörnchen einen Hund totgebissen, in Fetzen gerissen und ausgeweidet. Ein kaum fehlzuinterpretierendes Zeichen, denn hörte man jüngst von Lazoer Nagetierhuldigungen? Ganz offensichtlich beginnen die Nager eine Gegenoffensive, bald schon werden sich Schlagzeilen häufen wie "Mümmelmann beisst Hund", "Nagte Gewalt" und "Seit 5.45 Uhr wird zurückgenagt". Der einzige Ausweg ist die stolzbefreite Nagerverehrung, den die Riesenmaschine seit Jahrhunderten praktiziert, und zwar vom kleinsten Feldmäuschen angefangen bishin zum grossen Übernager, dem Schicksal selbst, das mit dem Zahn der Zeit an uns allen nagt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Mehr über Nagetiere


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