Riesenmaschine

01.09.2005 | 14:50 | Berlin | Zeichen und Wunder

Kein Berg


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es passt zur Einstellung der Berliner gegenüber der Welt und sich selbst, dass es zwar keine Berge gibt, aber man ganz gern so tut als ob. Sei es ganz früher mit den Bezirksnamen Schöneberg, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, früher mit Aufschüttung der Kriegstrümmer zum Teufelsberg oder jetzt in verschiedenen künstlichen Aufbauten, etwa auf dem Wild West Rockin' Strandmarkt (auch schon hier beschrieben) oder mit dem künstlichen Berg im Palast der Republik bzw. Volkspalast. Doch solche Haltungen provozieren gerade zu die Entlarvung. Genau das passiert im Mauerpark, dem ehemaligen Todesstreifen und höchsten vielleicht zweithöchsten Punkt des Bezirks Prenzlauer Berg. Wie man auf dem Foto sieht, wird damit gleichzeitig eine neue Spielart der Street Art ins Leben gerufen: das 3D-Betongraffiti in Schreibschrift. "Ceci n'est pas une montagne", das ist kein Berg – dem kann man kaum widersprechen, nicht mal als Berliner, und schon gar nicht, wenn man folgenden Urberliner Ausspruch kennt, der die schmerzvolle Berglosigkeit mit Schnodderigkeit zu überdecken versucht: "Okay, wir haben keine Berge in Berlin, aber wenn wir welche hätten, wären sie 10.000 Meter hoch!"

(Zur weitergehenden Information: folgt man dem Link zum Volkspalast, dann erkennt man recht schnell, woher die Betonschrift stammt.)


31.08.2005 | 18:38 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Bloody Sam reloaded


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Warum nur in Stuttgart? Warum nicht überall? Ab Donnerstag läuft im Kommunalen Kino zu Stuttgart ein nagelneuer Dokumentarfilm über den Blutigen Sam: "Passion & Poetry – The Ballad of Sam Peckinpah". Gedreht wurde das hochnotwendige Teil von einem Schwaben namens Mike Siegel, von dem es auch ein Buch über Peckinpah gibt. Für die Unwissenden: Peckinpah gilt mit seinem Stil, Gewalt unverkitscht, in Zeitlupe und Grossaufnahme zu zeigen als ein, wenn nicht der Vater von Tarantino und den Tarantinoesken. Filmemacher Siegel berichtet hier ausführlich über die Schwierigkeiten beim Dreh, die insbesondere entstanden, weil er ihn selbst finanzieren musste. Meines Wissens ist der Film, abgesehen von einer Aufführung im Juni in beim Münchener Filmfest, wie oben schon bedauert, nur in Stuttgart zu sehen. Besser Informierte mögen ihr Wissen hier teilen.

Nachtrag: Der Vorteil von kleinen Independent-Produktionen – wenn man eine Frage hat, ruft man einfach mal den Regisseur zu Hause an, obwohl man noch nie zuvor mit ihm gesprochen hat. Jedenfalls, wie mir Mike Siegel soeben sagte, läuft sein Peckinpahfilm auch noch auf dem Exground-Festival in Wiesbaden, das vom 11. bis 20. November stattfindet.


31.08.2005 | 13:09 | Berlin | Zeichen und Wunder

Reclaiming the Streetnames


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Konträr zum vorherrschenden Trend, wonach immer weitere Teile des öffentlichen Raumes nach Firmenheadquartern ( "An den Treptowers") oder Shoppingcentern ( "An der Alexa", Riesenmaschine berichtete) benannt werden, selbst die Umbenennung des Wiener Karlsplatzes in "Nikeground" – im Rahmen einer Kunstaktion postuliert – längst nicht mehr leicht als Fake durchschaut wird, geschehen mitunter Zeichen und Wunder. So ist es auf Betreiben und Initiative der Taz nun tatsächlich gelungen, die partielle Umbenennung der Kreuzberger Kochstrasse in Rudi-Dutschke-Strasse zu erwirken. Das ganze darf durchaus als Retourkutsche in der Erbfehde zwischen Taz und Springer-Konzern gelten, hatte Springer doch vor rund zehn Jahren die Umbenennung eines Teils der Lindenstrasse in Axel-Springer-Strasse durchgesetzt. Die Pikanterie an der Sache ist, dass nun auch Teile des Springerverlages, namentlich der Neubau, unter der neuen Adresse firmieren, was einer gewissen historischen Ironie nicht entbehrt. In Anspielung auf den Bild-Titel zur Papstwahl ("Wir sind Papst") liess es die Taz denn auch heute mit einem entsprechend umgewandelten Button auf der Titelseite an sportlicher Häme nicht mangeln. Bei Springer nimmt man es indessen gelassen. Sprecherin Edda Fels beschreibt die Reaktion des Konzerns tapfer mit "Gleichmut", Springer habe sich nie dagegen engagiert und akzeptiere die demokratisch gefällte Entscheidung. Es ist aber davon auszugehen, das die Pläne für die nächste Eskalationsstufe im symbolischen Hoheitskampf bereits in der Schublade liegen. Wir erwarten gespannt die Innitiative zur Umbenennung von Kreuzberg in BILDberg, gekontert von der zur Umbenennung Berlins in APOstolien.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Public Private Prostitution


31.08.2005 | 12:50 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Polpodcasting


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Auf dem rechten Auge blind, aber trotzdem informiert wählen wollen? Das ist nun kein Problem mehr. Denn die Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland EKiRBuSS hat die famose Idee gehabt, die Parteiprogramme aller seriösen Parteien (und auch der FDP) vorzulesen und als mp3-Datei zum Download anzubieten. Der nächste, vermutlich nur kurzfristig aktive Trend ist geboren*: party political podcasting, kurz: polpodcasting, besser jedoch: polcasting. Noch streunt die Domain Polcasting.de frei in der abgegrasten url-Steppe herum, aber es kann sich nur um Stunden handeln. Tip: Parteiprogramme auf dem iPod eignen sich gut für diejenigen, die bisher nur mit Rosamunde-Pilcher-Hörbüchern oder Morphium einschlafen konnten.

* vergleiche auch vorgestern hier sowie den SPD-Podcast


30.08.2005 | 11:32 | Berlin | Zeichen und Wunder

Genuss durchs Telefon


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Mehr etwas für die Hohlspiegel-Ecke, wenn man kapiert hat, was Berlins dümmste Zeitung uns da heute eigentlich mitteilen und anpreisen will. Wenn nicht, kann man gut und gerne schon mal minutenlang vor dem Aufsteller verweilen und in meditatives Grübeln verfallen, was für rätselhafte Genüsse sich da wohl im Rahmen der großen Telefon-Aktion mit dem Abnehmen des Hörers einstellen mögen.


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