Riesenmaschine

22.08.2005 | 00:50 | Berlin | Zeichen und Wunder

A wie Umzüge



Gute Werbung muss überraschen! Da können die Gelben Seiten ("Aalräuchereien bis Zylinderstifte") genauso einpacken wie die Stadt Basel ("Antikenmuseum bis Zolli"), der Bundestag ("Abfallbeseitigung bis Zoo"), die Apothekerkammer Westfalen-Lippe ("Arzneimittelprüfung bis Zustellservice") und Jesus Online ("Atomuhr bis Zeitmaschine"). Denn bei Kümmermann sind Profis am Werk, von A wie Aberzeugende Werbung bis Z wie Zupersache.


21.08.2005 | 23:14 | Was fehlt | Vermutungen über die Welt

Schlaflos, fast überall

Serviceangebote zum Schlafen sind weltweit extrem selten. Während es heute fast unmöglich ist, an normalen Orten zu verhungern oder verdursten, wird man praktisch überall dazu gezwungen, sehr müde zu sein. Bestes Beispiel sind Flughäfen, Orte also, an denen es vor müden Menschen nur so wimmelt. Trotzdem kommt fast keiner auf die naheliegende Idee, ihnen für einen gewissen Preis genau das zu geben, was sie suchen. Und wir reden hier nicht über teure Hotelzimmer mit Badewanne und Gardinen und Tischen und allem. Nein, ein schlichtes Bett an einem ruhigen, dunklen Ort würde schon genügen. Die Wirklichkeit hingegen: Wie man hier nachlesen kann, gibt es weltweit exakt 20 Flughäfen mit "Sleep rooms". Schlimmer noch: Alle anderen beteiligen sich offenbar am internationalen Wettbewerb "Schlaf verhindern – so geht's", mit Neonröhren, die etwa die Helligkeit einer Supernova generieren (im Bild: Flughafen Amsterdam), Plastiksitzen mit unzerstörbaren Armlehnen sowie minütlichen Warnungen vor Taschendieben in acht verschiedenen Sprachen. Unter diesen Voraussetzungen muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen in Flugzeugen absurde Dinge tun, z.B. in Hochhäuser fliegen, denn Schlafentzug führt unter anderem zu Wahrnehmungsstörungen, schließlich zum Tod (zumindest bei Ratten). Hier der Workaround: Zum Glück verfügen weit mehr Flughäfen über öffentliche Gebetsräume (obwohl Nicht-Beten nicht unbedingt tödlich ist, jedenfalls nicht so schnell). Man muss also lediglich so tun, als gehöre man einer exotischen Religion an, die vorschreibt, jede Nacht acht Stunden zu beten, und zwar mit Kopf auf dem Kissen, geschlossenen Augen und leichten Schnarchgeräuschen.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


21.08.2005 | 16:55 | Zeichen und Wunder

Navigation tut not

Es ist zweifellos eine gute Sache, dass das richtige Leben dem Web immer ähnlicher wird und man schon in wenigen Minuten nicht mehr wissen wird, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Das führt zwar zu lästigen Albträumen, in denen man verzweifelt irgendwo klicken möchte, wo es gar nichts zu klicken gibt, aber wer weiß! Irgendwo bastelt eine Entwicklungsabteilung vermutlich längst an kontextsensitiven Features für Albtraum und Alltag. Wir freuen uns schon auf den Tag, an dem die hier abgebildeten Navigationsmenüs (oben: auf DVD-Hüllen, unten: auf Werbeplakaten der Firma Globetrotter) auch tatsächlich in Betrieb genommen werden und wir durch Anklicken der anderen, nicht hervorgehobenen Punkte umstandslos nach Hamburg, Dresden, Frankfurt oder Bonn gelangen können ... na gut, jedenfalls nach Hamburg.


21.08.2005 | 13:12 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen

Kerlekerze

Was macht eigentlich einen echten Mann aus? Er hat eine rauhe Schale, einen wachsweichen Kern, er riecht nicht nach Blumen. Sondern nach Patschuli. Moment, Irrtum, das war die Definition einer echten Männerkerze. Die kleine Kerzengießerei Creative Candles aus Kansas City ist jedenfalls überzeugt davon, dass Männer in ihren "Büros oder Höhlen" eigene Kerzen brauchen und nicht dieses weibische Herumgewachse, das am Ende noch mit Floralverkehr daherkommt. Die Männerkerze gibt es in den männlichsten Farben der Welt, nämlich Blutrot, Elfenbein, Gold, Rost, Jägergrün und Saphirblau. Sie wird verpackt (natürlich!) in Sackleinen und verschnürt mit Rohleder. Ihre schon erwähnte rauhe Schale besteht aus dem Wachs flotter Bienen und aus Lorbeerwachs (eventuell zum drauf Ausruhen?). Während Mädchenkerzen Mädchenherzen mit Blumenduft höher schlagen lassen, ist in der Kerlekerze original Patschuliöl. Und spätestens an dieser Stelle fragt man sich: warum hat man hier nicht bis zu Ende gedacht? Weshalb ist das nicht besonders heterosexuelle Patschuli in die Kerze geraten? Wieso hat man nicht konsequent Moschus verwendet, also das Hodensekret von Tundra-Ochsen? Schade! So bleibt die Männerkerze leider nur bei 90% stehen.


20.08.2005 | 21:50 | Alles wird besser | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Superklebeband



Zugegeben, Instant Labeling Tape und Pixeltape sind beide nicht ganz neu, sondern eher so aus dem Vorjahr, aber woher soll man auch von irgendwas erfahren, bevor es bei Mocoloco steht? Und das Designprinzip der beiden Klebebänder ist so ausgezeichnet, dass es sich trotzdem lohnt, als Vorbild für andere Hersteller noch einmal darauf hinzuweisen: Erst mal werden alle Optionen eingebaut und ausgeliefert (beim Labeling Tape sind ab Werk alle 14 Displaysegmente weiss, beim Pixeltape, nun ja, alle Pixel), dann bleibt es dem Kunden überlassen, welche er schwarz übermalen und für immer deaktivieren will. Ach, wären doch alle Produkte so. Insbesondere Handys!

Zu kaufen ist das Klebeband trotz anderslautender Angaben auf der Website weder im Shop des Designmuseum noch bei magma; auch bei der Buchhandlung Walther Koenig ist es nicht zu entdecken. Eventuell in "selected Designshops in Berlin and Cologne". Schwacher Trost: Hier lassen sich Klebebänder mit individuellem Aufdruck herstellen.

Nachtrag: Fast genauso, nämlich umgekehrt funktioniert die – leider nur in England erhältliche – Aufbewahrungsbox MeBox. Weil hier nicht das Überflüssige übermalt, sondern das Gewünschte aus vorgestanzten Löchern herausgepopelt wird, ist das Prinzip für Schreibschwache (siehe Kommentar) vielleicht leichter zu begreifen.


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