Riesenmaschine

20.12.2005 | 13:14 | Berlin | Sachen kaufen

Clubquartett

Angefangen hat (in Deutschland) wohl alles mit dem Plattenbauten-Quartett, das Anfang des Jahrtausends in Berlin erschien. Die eingängige Idee, die Kinderbeschäftigung Quartettspiel in artfremden, also Nicht-PS-Bereichen mit ein paar Fotos und kategorisierten Fakten als Steilpass vors Geschenketor herauszubringen, verbreitete sich über die Presse und rief Folgeprojekte auf den Plan. Vom Döner-Quartett über Strassenlaternen bishin zum Bierquartett – das Medium Quartett geriet auf den absteigenden, epigonalen Ast, das Fahrwasser der Plattenbauten wurde zum Brackwasser, mit dem Hundescheisse-Quartett als Tiefpunkt. Mit schönen Fotos und nachvollziehbaren Kategorien stemmt sich das neue Berliner Clubquartett gegen die ramschige Marketingvergewaltigung der Idee Quartett. Die Clubs sind von Kennerhand ausgewählt und werden, wie zu sehen, nach relevanten Fakten unterteilt: Anzahl der Razzien, Anzahl der Umzüge, Gesamtboxenleistung und Frauenanteil. Wie auch immer man den herausgefunden haben mag.


20.12.2005 | 01:07 | Fakten und Figuren

Ein neuer Name muss her

Das Stadion hat neben der sportlichen Ertüchtigung und des Wettkampfs noch einen weit wichtigeren Wert, nämlich den des Sondertypus als politisches Geltungsbauwerks. Vom Circus Maximus in Rom über das Olympiastadion in Berlin 1936, die Verwendung als Internierungslagers und wolllüstig ausgerichteten Schauplatzes für Hinrichtungen, bis zur Allianz Arena in München, als Teil einer populistischen Geldmaschine. In diesem empfehlenswerten Buch wird das Verhältnis von Sport, Architektur und Politik sehr schön beleuchtet. Als z.B. die Fussballmannschaft der UdSSR 1974 im blutbesudelten, chilenischen Estadio Nacional, das nach dem Sturz Allendes als KZ und Exikutionsstätte diente, zu einer WM hätte antreten sollte, haben ihre Funktionäre, um naturgemäss von ihren eigenen Schauprozessen und Hinrichtungen abzulenken, den Sportlern verboten daran teilzunehmen, und also wurden sie kurzfristig disqualifiziert. Eine österreichische Zeitungsschreibnutte warf ihnen damals daraufhin einen "Amoklauf" vor, und rieb sich die Hände über die dadurch besseren Chancen der eigenen Gurkentruppe.
Das grösste und wichtigste Gebäude in Graz hiess bis gestern "Arnold Schwarzenegger Stadion". Nachdem der gebürtige Steirer und Namensgeber in seiner Rolle als Todesengel ahnte, dass sein Name nicht mehr so gut in Europa ankommt, bat er die Stadtdeppen das Stadion umzubenennen, und schickte gleich seinen Ring mit, der ihn zum Ehrenbürger machte. Sehr komisch ist jetzt der Hyperventilierungsprozess der Verantwortlichen, wie man die Schüssel in Zukunft nennen wird.


19.12.2005 | 11:13 | Supertiere

Evolution, du Ungerechte


Rechts ist noch Platz für ein Handy
Evolution, wir müssen reden. Wie ist es zu rechtfertigen, dass Tiere serienmässig mit Taschen (siehe Abbildung), Häusern, zweckmässiger Pelzbekleidung, Taschenlampe und Schwimmflossen ausgestattet werden, während wir ohne alles auf die Strasse gejagt werden? Manche können sogar fliegen! Ausserdem sehen sie fast alle unerträglich niedlich aus; das eine oder andere hässliche Alibi-Tier ist da kein Trost. Schon bald werden wir uns verbittert einer dieser Untergrundbewegungen anschliessen müssen, bei denen Frauen mit nackten Füssen (wer hat uns keine Hufe gegeben, hm?) auf pelzigen Kleintieren herumtrampeln. Und das, Evolution, hast du dann davon.


19.12.2005 | 00:38 | Vermutungen über die Welt

Körperteile loswerden

Nachdem sich die BIIDler in letzter Zeit verstärkt in die Debattenöffentlichkeit drängen mit ihrem Wunsch, sich vorsätzlich zu verstümmeln, damit ihr Sehnen zurecht als "angeborene Kondition" anerkannt wird, Bodybuilder hingegen zu Unrecht noch nicht als suchtkranke Narren eingestuft werden, taucht jetzt wieder saisonalbedingt verstärkt ein Zwitter zwischen beiden auf, der Short Track Läufer. Dieser Sport zählt, vergleichbar mit dem schieren Terror des Eisspeedway zweifellos zu den brutalsten, rasantesten, und gleichzeitig graziösesten; die Läufer müssen schnittdichte Unterwäsche, Handschuhe und Rollkragen tragen, weil die Verletzungsgefahr durch die messerscharfen Kufen so gross ist, ihre Füsse sind in den Kurven der enormen Kraft von 1500 Kilopond ausgesetzt, und deshalb ist bei den Profis ein Bein asymmetrisch dicker und das andere, abstossende, dünner ausgeprägt, was aber keine Auswirkungen auf die Eleganz des Ganzen hat, solange sie nicht gehen, sondern gleiten, und dabei kaum mehr Lärm machen als das Rascheln einer Libelle bei ihrem Knisterflug. Wie man eines seiner Gliedmassen auch anders verlieren kann, zeigt der Yogi, der irgendwo im Himalaya sitzt und seit sechzehn Jahren seinen mittlerweile vollkommen schwarzen, verdorrten Arm in die Höhe hält, was in diesem entsetzlich hohlen und eitlen Buch beschrieben wird.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


18.12.2005 | 20:26 | Sachen kaufen | Listen

Elektrottel

Nehmen Sie phantasiefördernde Substanzen. Setzen Sie sich. Lehnen Sie sich zurück. Schliessen Sie die Augen. Entspannen Sie sich. Lassen Sie Ihren Gedanken vollkommen freien Lauf. Stöbern Sie in den entferntesten Winkeln des dunklen Teils Ihres Gehirns. Stellen Sie sich jetzt einen Alltagsgegenstand vor, in den man keine Elektronik einbauen kann. Lassen Sie naheliegenden Kram wie Nummernschilder und Stifte weg. Sie denken also an Manschettenknöpfe und Visitenkarten, Ich gebe Ihnen einen Rat, vergessen Sie es schnell wieder. Drehen Sie jetzt bitte vollkommen am Rad. Eine Butterschale also, ja, das ist schon besser, aber noch nicht weit genug. Eine Kaffeetasse? Auf keinen Fall, das ist doch Kinderfasching, Sie waren schon besser. Tasten Sie sich langsam weiter vor in der Abstrusität, ja, eine Cocktailzitrone, das hätte ein Treffer sein können. Hätte. Ist aber nicht. Weiter. Ah, Sie geben alles, Sie kommen mit einer Fussmatte. Reicht leider nicht. Schlagen Sie sich jetzt bitte nochmal heftig vor die Stirn, ja, genau so, drehen Sie total ab, was sehen Sie? Einen Pickelstift? Noch viel zu normal, die Elektronik muss wirklich jenseits des Erahnbaren sein. Das Rad eines Einkaufswagen? Ein Grabstein? Alte Hüte, hat meine Oma im Dutzend, hauen Sie endlich auf den Schlamm! Ein mobiles Bidet? Meine Güte, was soll das, wo bleibt Ihre Phantasie, können Sie sich denn gar nichts vorstellen, wo man keine Elektronik einbauen kann? Verdammt, Ich gebe Ihnen noch eine Chance, eine einzige! Und? Was? Ein elektronischer Pastalöffel, den man nicht mal richtig anfassen kann, weil man sonst alle Knöpfe auf einmal drückt? Wie nahe liegt das denn? Ich gebe auf. Sie sind ein hoffnungsloser Fall.

(E-Schrott komplett gesehen bei Strange New Products)


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